Bayreuther Festspiele Die ersten Fotos von Wagners "Ring des Nibelungen"

Statt der US-Präsidenten blicken hier Marx, Lenin, Stalin und Mao (von links) vom Mount Rushmore auf die Neidhöhle Mimes im „Siegfried“, dem dritten Teil von Wagners „Ring“. Foto: Enrico Nawarth

Am Donnerstag werden die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele eröffnet. Am Freitag startet Frank Castorfs Inszenierung von Wagners Opernvierteiler

 

Die Generalproben waren auf Wunsch der Künstler geschlossen, der Dirigent und Münchner Nagano-Nachfolger Kirill Petrenko schloss Interviews im Vorfeld aus, Regisseur Frank Castorf sagte fast alle Interviews ab. Die Luft knistert also vor Spannung, wenn sich am Freitag um 18 Uhr der Vorhang des Bayreuther Festspielhauses für das „Rheingold“ öffnet. Bis zum 31. Juli folgen dann die übrigen drei Musikdramen von Wagners „Ring des Nibelungen“.

Eröffnet werden die Festspiele am Donnerstag mit dem „Fliegenden Holländer“, zu dem sich neben der Kanzlerin auch Bundespräsident Joachim Gauck angesagt hat. Exakt 24 Stunden später beginnt der „Ring“, der in Castorfs Deutung zumindest teilweise in Texas und Aserbeidschan spielen wird, weil Öl das Gold unserer Tage ist und der Regisseur bei Wagner an die „Route 66“ durch die USA denken muss. Er wolle „weg von der Illustration“, verriet er dem „Spiegel“. Kenner seiner Inszenierungen wird nicht überraschen, dass Videos und die Drehbühne eine Hauptrolle spielen.

Castorf wurde 1951 als Sohn eines Eisenwarenhändlers in Ost-Berlin geboren. Anfang der 80er Jahre machte er mit frechem, oppositionellem Theater im vorpommerschen Anklam Furore. Seit 1989 inszenierte Castorf auch in Westdeutschland: Seine „Miss Sara Sampson“ von und nach Lessing war ein legendärer Skandal am damals im Prinze beheimateten Münchner Staatsschauspiel.

Die alten Stücke sollen auch dem Menschen von heute etwas sagen, lautet Castorfs Devise, der seit 21 Jahren die Berliner Volksbühne leitet. Deshalb sind in seinen Inszenierungen immer aktuelle Bezüge und Gesellschaftskritik zu finden. Bissige Ironie und Rüpel-Klamauk fehlen nie. Als einer der Ersten arbeitete Castorf mit Videokameras. Deren auf Leinwände projizierte Bilder lassen die Zuschauer das Geschehen aus ungewöhnlicher Perspektive erleben.

Castorf liebt Popmusik und setzte sie in seinen Inszenierungen bisweilen so reichlich ein, dass Dramen wie „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams fast zu Opern wurden. Mit dem Musiktheater klassischer Prägung fremdelte er: In Basel inszenierte er 1998 Verdis „Otello“. Wagner näherte sich Castorf im Jahr 2006 theatralisch: In Berlin zeigte er die „Meistersinger von Nürnberg“ mit Schauspielern und einem „Chor der werktätigen Volksbühne“ – vermengt mit Textbrocken aus Ernst Tollers Revolutionsdrama „Masse – Mensch“, einem mit der Maschinenpistole um sich feuernden Walther von Stolzing und einem kotzenden Trojanischen Pferd.

Beim Bayreuther „Ring“ ist Castorf ein Einspringer, nachdem Wim Wenders und andere Filmregisseure dem Leitungsduo Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner abgesagt hatten. Die Jubiläumsinszenierung zu Wagners 200. Geburtstag wurde daher mit der heißen Nadel gestrickt. Das „Rheingold“ musste Castorf laut „Spiegel“ in nur neun Tagen stemmen. Und das sei, so der Regisseur, als drehe man bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

 

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