Bayreuther Festspiele Der "Ring" für Kinder

Szenen aus dem "Ring" für Kinder der Bayreuther Festspiele. Foto: Enrico Nawrath

Die Bayreuther Festspiele zeigen Wagners „Ring des Nibelungen“ in einer Version für Kinder ab sieben Jahren

Thomas Mann sprach von einem „idealen Kasperltheater mit seinen unbedenklichen Helden“. Insofern hat es höchste bildungsbürgerliche Weihen, wenn Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ auf der Probebühne IV der Bayreuther Festspiele in einer Version für Kinder gezeigt wird – und das schon zum zweiten Mal seit der Gründung des Projekts durch Katharina Wagner vor neun Jahren.

Einen Kasperl gibt es auch: Vincent Wolfsteiner, den schweren Wagner- und Verdi-Helden der Frankfurter Oper. Der macht aus dem Siegfried einen pubertären Grobian. Auch sonst wird mit Stars geklotzt: Für den Wotan bietet Bayreuths Kinderoper immerhin Jukka Rasilainen auf.

Das Brandenburgische Staatsorchester aus Frankfurt (Oder) erzeugt unter Leitung von Azis Sadikovic mit einer Mozart-Besetzung von knapp 30 Musikern üppigen Wagner-Klang. Am Ende, beim Trauermarsch, dreht das Orchester mächtig auf, und bei der Schichtung diverser Motive am Ende fehlt auch nichts. Man spürt, wie intensiv Wagner vor 100 Jahren geklungen haben muss, als auch kleinste Stadttheater den „Ring“ im Repertoire hatten.

Ankerzentrum-Gefühle als Zugabe

Vom Kontra-Es des Beginns bis zur finalen Erlösung sind die wichtigsten Motive und Musikstücke dabei, obwohl der „Ring des Nibelungen“ für Kinder nicht 16 Stunden wie das Original dauert, sondern nur zweieinhalb – inklusive einer Pause, die ohne Verpflegung in einem vergitterten Hinterhof zu verbringen war. Da kam angesichts der Hitze und der Abwesenheit von Getränken ein leichtes Ankerzentrum-Feeling auf.

Das blieb die einzige Aktualisierung. David Merz, ein Absolvent des Studiengangs Regie der Berliner Hochschule Hanns Eisler, erzählt Wagners Opernvierteiler als Fantasy-Märchen. Es ist zwar richtig, mit Rücksicht auf die Zielgruppe von Kindern von sieben bis 12 Jahren die Liebesszenen auf ein Minimum zu kürzen und den Inzest zwischen Sieglinde und Siegmund zu verschweigen. Gutrune und Gunther. Daher gibt es auch kein Eifersuchtsdrama und keine Gewalt zwischen dem unter dem Tarnhelm verborgenen Siegfried und Brünnhilde am Ende des ersten Aufzugs der „Götterdämmerung“.

Das Wackeln der Weltenkiste

Julius Theodor Semmelmann hat einen Kasten gebaut, in dem der Rheingrund, Walhall und Mimes Höhle erscheinen. Die Weltesche auf den Türen bleibt allerdings unerklärt. Da hätte es vielleicht doch nicht geschadete, etwas stärker einzugreifen und die Nornenszene an den Beginn zu stellen.

Da kracht es etwas im dramaturgischen Gebälk. Auch das Erlösungsmotiv kommt am Ende unvorbereitet. Dafür gibt es eine (rätselhafte) Frau, die Alberich am Anfang vor die Tür setzt.

Und ein finales Wackeln der Weltenkiste, die allzu rätselhaft auf den Anfang zurückweist. Das alles dürfte Kinder nicht stören. Und ohnehin werden alle Widersprüche durch die Lebendigkeit der Bühne geheilt, wenn starke Sänger wie der finsterschwarze Hagen (Timo Riihonen) auftreten.

Die Kinder dürfen ein großes blaues Tuch als Rhein wabern lassen und werden von den Darstellern hin und wieder gefragt, was sie nun machen sollen. Es ist eine Aufführung, in der Liebe zwar kaum vorkommt, die aber trotzdem mit viel Liebe gemacht ist. Wie richtig gutes Kasperltheater eben. 

Weitere neun (ausverkaufte) Vorstellungen bis zum 4. August. Der Kinder-„Ring“ erscheint ab Ende August als DVD bei BF Medien. Auch frühere Produktionen sind auf DVD erhältlich

 

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