Bayreuther Festspiele Als Ersatz einen Musiksommer

Der Eingang zum wegen Renovierung gesperrten Königsbau an der Stirnseite des Bayreuther Festspielhauses, der eigens für den menschenscheuen König Ludwig II. errichtet wurde, den dieser aber nie benutzte. Foto: David Ebener/dpa

Kaum sind die Bayreuther Festspiele abgesagt, rufen die dortigen Touristiker auch schon einen „Musiksommer“ aus

 

Hier ist ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden zu befürchten, dessen Ausmaße sich derzeit noch nicht näher beziffern lassen“, teilte Bayreuths scheidende Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe nach der Absage der diesjährigen Richard-Wagner-Festspiele mit. Die Festspielzeit stelle „eine Art sechswöchige Sonderkonjunktur“ dar, die nun schmerzlich fehlen werde.

Die Festspiele selbst äußerten sich nicht zu den Verlusten. Bis auf Weiteres sei man mit der Spielzeitgestaltung für die nächsten Jahre und Vertragsangelegenheiten sehr beschäftigt, hieß es. Die für diese Saison geplante Neuproduktion „Der Ring des Nibelungen“ könne erst 2022 herauskommen. Für 2020 gekaufte Karten blieben für 2021 gültig, die näheren Modalitäten werden noch geregelt.

Ein langes Abwägen

Über die Gage und die Spielzeit im nächsten Jahr müsse mit jedem Künstler einzeln verhandelt werden, erklärte Georg von Waldenfels. Als Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde Bayreuths habe er die Sitzung am Dienstag geleitet, in der die Absage beschlossen wurde. „Es war ein langes Abwägen, es ist uns allen schwer gefallen“, sagte er.

Rund 60 000 Tickets verkaufen die Festspiele jedes Jahr. Sie sind ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor in der Region. „Manche Gäste bleiben gleich mehrere Nächte in Bayreuth – vor allem in einem ,Ring’-Jahr wie heuer“, sagte Frank Nicklas, Sprecher von Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH. Hotels und Pensionen würden während der Festspiele bis zu 25 Prozent ihres Jahresumsatzes machen.

Mit der Zusage für die Tickets kurz vor Weihnachten beginne die Buchung der Hotelzimmer, so Nicklas. „Diese Buchungen müssen jetzt alle abgewickelt und storniert werden.“ Man wolle aber versuchen, den einen oder anderen Opernliebhaber trotzdem nach Bayreuth zu locken – sofern das Kontaktverbot bis zum Sommer aufgehoben sei.

Ein Ersatzfestival

Ein wenig frivol mutet es aber schon an, dass Niklas nur einen Tag später mehr oder weniger ein Ersatzfestival ausrufen lässt. Die AZ erhielt gestern eine Pressemitteilung mit der Überschrift „Bayreuth wird klingen: Viele neue musikalische Festivitäten im Sommer 2020 geplant“. Darin heißt es: „Wir sind aktuell dabei, mit zahlreichen Kulturanbietern zu sprechen, und haben uns zum Ziel gesetzt, den Besuchern ein anspruchsvolles alternatives Kulturprogramm anzubieten“, heißt es da.

Bayreuths neu gewählter Oberbürgermeister Thomas Ebersberger appelliert in diesem Papier an das Publikum der Festspiele, am geplanten Bayreuth-Besuch festzuhalten. Ein weiterer regionaler Touristiker wirbt für den Besuch der Museen, der Parks und des Markgräflichen Opernhauses. Er schließt mit den Worten: „Der Kultursommer 2020 in Bayreuth wird zweifelsohne einzigartig sein und wir sind überzeugt, dass sein Reiz die Musikliebhaber weiter in ihren Bann ziehen wird.“

Die Bayreuther Festspiele wurden am Dienstag zwar primär wegen des bevorstehenden Probenbeginns abgesagt. Zukünftige kulturelle Großveranstaltungen bleiben aber in nächster Zeit riskant. Nach derzeitigem Kenntnisstand dürfte es auch noch im Sommer fahrlässig bleiben, mutwillig größere Konzentrationen von Risikogruppen herbeizuführen.

Aber dass Touristikern für derlei das Bewusstsein fehlt, weiß man ja aus Ischgl.

 

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