Bayerns Ministerpräsident Mit Söders Visionen zurück in die Zukunft

Mit Magnettechnologie auf bis zu 1.200 Kilometer pro Stunde beschleunigen: ein Modell von Hyperloop Transportation Technologies (HTT). Eine Technik, die Markus Söder fördern will. Foto: dpa-Grafik

Mit einem Bündel von sehr anspruchsvollen Technologie-Plänen will Ministerpräsident Markus Söder Bayern in die Zukunft führen – aber bei vielen Projekten gibt es Fragen.

München - Am Münchner Hauptbahnhof praktisch in den Flughafen einsteigen – so beschrieb der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) in seiner historischen Transrapid-Rede einmal seine technologische Zukunftsvision. Dass aus dem Transrapid nichts wurde, schreckt seinen Erben Markus Söder (CSU) nicht.

Gegen den Hyperloop, für den Söder die "europaweit erste Referenzstrecke" bauen will, wäre der Transrapid eine Schnecke.

Söders Zukunftsvisionen umfassen aber nicht nur die bis zu 1200 km/h schnelle Rohrpost für Personen, sondern auch das Raumfahrtprogramm "Bavaria One", das bereits die Phantasien zahlreicher Kabarettisten beflügelt hat.

Söders Visionen: Zu schnell für die bürokratische Realität?

Zudem kündigte der neue Ministerpräsident in seiner ersten Regierungserklärung an, den Freistaat "zu einer führenden Pilot- und Produktionsregion für individuellen Flugverkehr wie etwa Flugtaxis" zu machen. Für den Verkehr auf der Straße und in der Luft werde er "sauberen ,Bayern-Sprit‘" entwickeln, und zwar in einem "Zentrum" in Straubing.

In Söders von ihm selbst auf maximal zehn Jahre begrenzten Amtszeit soll also zwischen Aschaffenburg und Berchtesgaden ein Zukunftsland entstehen, gegen welches das Silicon Valley alt aussieht. Doch wer angenommen hatte, dass Söder die Blaupausen dafür bereits in seiner Staatskanzlei verwahrt, sieht sich enttäuscht. Offenbar eilen die Gedanken des Landesvaters der bürokratischen Realität in den zuständigen Staatsministerien erheblich voraus.

Söders Visionen: Warten auf die EU

Die Pressesprecher der zuständigen Landesministerien für Wissenschaft, Verkehr sowie Wirtschaft mühten sich zwar nach Kräften, sehr viel Konkretes konnten sie aber zu den hoch fliegenden Plänen ihres Ministerpräsidenten nicht beisteuern. Immerhin hat man sich im Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, das sich für den rechtlichen Rahmen zum Thema "Lufttaxis" zuständig erklärte, schon einmal Gedanken über die rechtlichen Rahmenbedingungen gemacht und herausgefunden, dass "die derzeitigen Regelungen einen individuellen Luftverkehr" nicht vorsehen.

Erst müsse die EU tätig werden, bevor autonom verkehrende Lufttaxis vorstellbar seien. Soweit es um die Förderung von Projekten gehe, sei das Wirtschaftsministerium zuständig. Es seien bereits "ganz konkrete Projekte mit diesem Fokus identifiziert und vorbereitet", sagte eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums, und zwar schon vor der Regierungserklärung des Ministerpräsidenten.

Söders Visionen: Demnächst auch konkret

Dabei gehe es vor allem um das Thema Flug-Taxis sowie um das elektrische Fliegen. Details nannte sie mit Verweis auf den noch nicht verabschiedeten Nachtragshaushalt aber nicht. Mit dem Hyperloop beschäftigt sich das bayerische Wissenschaftsministerium – jedenfalls theoretisch. Zu einer möglichen Referenzstrecke aber konnte man auch dort nichts weiter sagen. Namentlich die TU München, hieß es dort, leiste "einen wichtigen Beitrag bei der Suche nach modernen Formen der Mobilität".

Auf der Suche nach harten Fakten nicht so recht fündig wurden Kollegen bei dem Versuch, dem in der Niederbayern-Stadt geplanten "Zentrum" für "sauberen Sprit" mehr Gestalt zu geben. "Wir haben verschiedene Konzepte in der Schublade, aber Details kann ich nicht nennen", ließ ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums verlauten, nachdem regionale CSU-Politiker zuvor die neue Chance für Niederbayern bejubelt hatten.

Demnächst, versprach man im Wirtschaftsministerium, werde man konkret werden. Söder muss wohl noch deutlich an Tempo zulegen, wenn Bayern wie gewünscht "an der Spitze des Fortschritts" bleiben soll.

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