Bayerns Ex-Trainer im Interview Jupp Heynckes: Unser Leben auf dem Bauernhof

Jupp Heynckes mit seiner Frau Iris. Foto: Jürgen Fromme Foto: firo/AK

Mit dem Triple mit dem FC Bayern München verabschiedete sich Trainer Jupp Heynckes 2013 in den Ruhestand. Im AZ-Interview spricht er über den Privatmann Heynckes. Er sagt, was ihn antreibt und wie sein Alltag aussieht.

 

AZ: Herr Heynckes, das Jahr 2013 war Ihr Jahr. Nun in 2014 ist Zeit für die Ernte der Triumphe: Die Wahl zum Welttrainer des Jahres, die Ehrung bei der Fifa-Gala in Zürich. Auch wir haben eine Auszeichnung für Sie: Die AZ-Leser haben Sie zum Münchner Trainer des Jahres gewählt.

JUPP HEYNCKES: Das freut mich. Ich möchte mich auf diesem Wege bei Ihren Lesern und meinen Fans in München und Umgebung bedanken. Nicht nur für das Votum, sondern auch für die Treue. Sehr gerne erinnere ich mich zurück, wie die Fans uns immer unterstützt haben.

Erst die Party in Wembley nach dem Champions-League-Sieg, dann der Triple-Erfolg in Berlin gegen Stuttgart. Zum Abschied haben Sie dort die Ein-Mann-La-Ola vor der Bayern-Fankurve gemacht.

Bei beiden Spielen herrschte in den Stadien eine einzigartige Atmosphäre – das waren Traumfinals. Der Fußball in der heutigen Welt, egal wie kommerzialisiert er ist, funktioniert nur mit Fans. Überall wo wir waren in dieser Saison, hatten wir immer das Gefühl: Wir sind nicht alleine.

Mit Ihrer Mannschaft konnten Sie 2013 alle Trophäen abräumen. Haben Sie Nachbildungen der Pokale zu Hause auf Ihrem Schreibtisch?

Die sind wohl noch in der Mache, von Bayern bekam ich dieses große, schwere aber wunderbare Buch geschenkt, die Vereinschronik. Ich habe in meinem Büro einen Champions-League-Pokal vom Sieg 1998 mit Real Madrid stehen.

In Originalgröße?

Nein, was denken Sie denn! Der ist natürlich kleiner.

Und sonst? Welche Andenken an 50 Jahre Profifußball haben Sie nach Ihrem Karriere-Ende aufgehoben?

So vieles. Einen Bronzenen Schuh aus meiner Torjäger-Zeit, einige Auszeichnungen vom Kicker, einen Ball von der WM 1974 mit allen Unterschriften der Siegermannschaft. Auf dem Schreibtisch stehen zwei gerahmte Bilder aus meiner Zeit 1997/98 in Madrid. Auf einem bin ich sogar mit dem König drauf.

So? Bei welchem Anlass war das denn?

Es gab ein Veteranentreffen von Real-Legenden nach einem Champions-League-Spiel von Real und da kam Juan Carlos I. hinzu. Wir haben uns mit Alfredo Di Stéfano unterhalten, so entstand dieses Bild. Auf einem anderen Foto bin ich mit Lorenzo Sanz, damals Reals Präsident, und Manolo Sanchís, damals Kapitän. Ansonsten hängt hier viel Kunst: Bilder von Heinz Mack, dem Mitbegründer der ZERO-Gruppe, von Otto Piene und anderen. Mit meiner Frau Iris gehe ich öfter mal in Kunstgalerien in Düsseldorf. Aber einen hab' ich natürlich hier in Übergröße als Foto: Cando.

Ihren Schäferhund. Der dürfte sich am meisten über Ihre neue Freizeit freuen.

Aber wie! Und zwei Katzen haben wir ja auch. Ich bin mit meinen Tieren sehr beschäftigt. Mit Cando gehe ich morgens, das erste Mal um 8 Uhr, dann mittags und wieder abends raus – er braucht viel Bewegung. Aber alleine geht der nicht raus, das können Sie vergessen (lacht)!

Wie alt ist er jetzt?

Acht, im Mai wird er neun Jahre alt. Wenn ich zu Hause bin, weicht er mir nicht von der Seite – ob ich im Büro arbeite oder im Fitness-Studio meine Übungen mache, ist er immer dabei. Und wenn ich wegfahre, guckt er mich von unten böse an als wolle er sagen: Was? Du willst doch nicht schon wieder wegfahren!? Er will dann mitkommen. Denn Cando fährt unheimlich gerne Auto.

Und mit den Katzen funktioniert das?

Nein, leider nicht so gut. Wir müssen die immer wieder voneinander separieren.

Aber der Koi, das Abschiedsgeschenk Ihrer Triple-Mannschaft, lebt noch?

Dem geht's wunderbar! Ein Experte für diese Fische sagt mir, ich solle für den harten Winter drei Heizlampen für den Teich kaufen, je 500 Watt, und die dann schön laufen lassen. Der Teich ist zu einem richtig schönen Biotop geworden, da sind auch andere schöne Fische drin. Wenn ich die Fische füttere, ist Cando auch immer dabei. Aber keine Sorge, er süffelt nur etwas Wasser aus dem Teich.

Zuletzt erzählte Ihr guter Freund Peter Hermann, der als Co-Trainer von Jens Keller beim FC Schalke arbeitet, dass Sie ihm geholfen haben.

Na klar. Der Peter hatte einen Wasserschaden im Keller, ich kannte einen Spezialisten fürs Isolieren. Also habe ich den organisiert und dann sind wir da zusammen hin und haben das geregelt. Für meine Freunde tue ich alles, gerade wenn es einem nicht so gut geht. Das ist eine Verpflichtung! Der Peter ist so ein liebenswerter Mensch, der hat als mein Assistent so viel zum Triple-Erfolg beigetragen.

Fehlt Ihnen denn die Bundesliga nach dem Abstand von sechs, sieben Monaten?

Nein, aber das war mir schon vorher klar. Ich war so lange dabei, jetzt haben sich meine Interessen verlagert. Es war genug. Ich hätte keinen besseren Zeitpunkt erwischen können, meine Karriere zu beenden. Besser ging's nicht!

Sind Sie noch in Kontakt mit Ihren ehemaligen Spielern?

Ab und zu per SMS. Den Holger Badstuber habe ich mal angebeamt, ihm viel Kraft für die Reha gewünscht. Mit Bastian Schweinsteiger habe ich vor und nach seiner Operation telefoniert. Ansonsten gratulieren wir uns natürlich, wenn Uli oder Kalle oder andere Geburtstag haben.

Und Ihr persönliches Fitness-Programm – abgesehen von all den Cando-Spaziergängen im Wald?

Zwei bis drei Mal die Woche mache ich bei mir zu Hause Sport, gehe eine Runde schwimmen, aber ich war noch nicht mal in der Sauna. Dazu braucht man viel Ruhe. Aber langsam finde ich die Entspannung, andererseits sind seit meinem Rücktritt so viele Anfragen gekommen für Interviews, dazu Einladungen zu Veranstaltungen – ach, die tollsten Sachen! Ich habe zu meiner Frau gesagt: Wir haben einen Fehler gemacht, wir hätten all die Anfragen in einem Büchlein sammeln sollen.

Welche war die skurrilste Einladung?

Eine ehemaliger Offizier wollte, dass ich zu einem Diskussionsabend komme. Das Problem an all den netten Einladungen: Ich bin es so gewohnt, alle, wirklich alle zu beantworten, weil ich so erzogen wurde. Ob handschriftlich, per Mail oder telefonisch. Meine Frau hat mir geholfen, aber eigentlich hätte ich eine Sekretärin anstellen sollen.

Haben Sie sich die Jahresrückblicke angeschaut? Nochmal geschwelgt in Erinnerungen?

Nein. Wissen Sie, ich lebe in der Gegenwart, ich bin nicht der Typ, der zurückschaut. Solche Sendungen sind nicht mein Ding, nur wenn ich zufällig beim Zappen mal hängen geblieben bin, hab ich mir das angeschaut. Vom FC Bayern habe ich all diese DVDs bekommen zum Triple, aber das habe ich mir noch nicht angeschaut. Ich sehe mir lieber aktuelle Spiele im TV an: Bundesliga, Primera Division, Premier League. Und ich erlebe den Fußball jetzt als Fan – nicht mehr als Trainer.

Früher haben Sie noch während Ihrer Fitness-Übungen im Keller Spiele angeschaut und analysiert. Vorbei?

Jetzt höre ich lieber CDs, bei Musik kann ich abschalten.

Und was am liebsten?

Alles. Pop, Rock, Soul, Jazz. Von 1955 bis heute. Bruce Springsteen, Phil Collins, Michael Jackson, Meat Loaf, Dire Straits, Metallica, Guns N' Roses – ich habe sie alle, eine große Sammlung. Ich war im Sommer auf dem Konzert von Bruce Springsteen in Mönchengladbach, das war extrem stark, hinreißend! Der macht jeden Tag zwei Stunden Fitness, um diese Bühnenshow körperlich durchhalten zu können. Das ist Champions-League-Niveau in der Musik, Weltklasse!

Sie singen dann auch mal kräftig mit bei den Refrains?

Nein, um Gottes Willen! Als ich das mal gemacht habe, sagte meine Frau: Bitte nicht, du hast doch alle Begabung in den Füßen!

 

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