Bayern-Stürmer beendet Torkrise Lewandowski: Befreit und bedroht

Raus mit dem Frust! Robert Lewandowski erzielt gegen Schalke seine Saisontore 26 und 27 – nach vier Spielen ohne Treffer. Doch er muss weiter um seinen Stammplatz bangen. Foto: dpa

Robert Lewandowski beendet seine Torkrise beim 3:0 des FC Bayern gegen Schalke 04 mit zwei Treffern. Trotzdem ist Pep Guardiola mit dem Stürmer unzufrieden: „Es geht um die Körpersprache, sie macht den Unterschied.“

 

München - Es war ganz gut, dass Robert Lewandowski gerade in einem anderen Raum Interviews gab, als Pep Guardiola zu seiner Rede ansetzte – sonst wäre es mit der guten Laune des Bayern-Stürmers wohl schon wieder vorbei gewesen, jetzt, nur wenige Minuten nach seinem befreienden Doppelpack beim 3:0-Sieg gegen den FC Schalke. Denn obwohl Lewandowski seine Torkrise nach vier Spielen ohne Treffer beendete, hörte man von Guardiola hinterher kein einziges positives Wort in Richtung seines Torjägers.

Vielmehr war es eine Warnung, ja sogar eine Drohung, die Guardiola – vor allem zwischen den Zeilen – in Lewandowskis Richtung feuerte. „Ich analysiere meine Stürmer nicht nur, ob sie Tore schießen“, sagte der Coach, als er zu Lewandowskis Bankrolle zuletzt gegen Benfica gefragt wurde. Warum also hatte er ihn dann draußen gelassen?

An anderer Stelle, als Guardiola den Auftritt seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit gegen Schalke kritisierte („Heute bin ich nicht zufrieden. Wir haben nur 35 Minuten gut gespielt. Es tut mir leid für die Fans, wir waren nicht auf dem Platz.“), wurde das klar: „Es geht um die Körpersprache“, sagte Guardiola, „sie macht den größten Unterschied im Fußball aus“. Offensichtlich war Guardiola in diesem Punkt mit Lewandowski in den vergangenen Wochen ganz und gar nicht einverstanden. Denn auch eine weitere Aussage war als Botschaft an Lewandowski zu verstehen: „Wir haben hier keinen Spieler, der 50, 60 Tore schießt wie Cristiano Ronaldo. Es geht um Laufen und Kämpfen. Der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Halbzeit war sehr groß.“

Auch bei Lewandowski, der lange Zeit unzufrieden wirkte (Körpersprache!), dann aber mit einem Linksschuss aus der Drehung (54. Minute) und einem überlegten Kopfball ins rechte Eck (65.) den Sieg einleitete. Den 3:0-Endstand besorgte Arturo Vidal (73.). „Ich freue mich sehr über die Tore“, sagte Lewandowski später. „Natürlich war ich Mittwoch nicht zufrieden, auf der Bank zu sein. Jeder Spieler will immer spielen. Aber manchmal muss man auch mal stoppen und dann neu Gas zu geben.“

Diese Einstellung wird er brauchen, um im Saisonendspurt der Bayern jene Hauptrolle zu spielen, die Lewandowski selbst von sich erwartet. Denn obwohl er nun schon 27 Tore in der Liga erzielt hat – so viele wie zuletzt der Kölner Dieter Müller 1976/77 nach 30 Spielen –, obwohl er kurz davor steht, Klaas-Jan Huntelaar als besten ausländischen Torschützen in einer Saison abzulösen (29 Treffer 2011/12), hat er seinen Platz bei Guardiola alles andere als sicher.

Pep: "Mit dieser Leistung haben wir keine Chance am Dienstag"

Der strenge Pep duldet bei der Jagd nach dem Triple keine Nachlässigkeiten mehr – egal wie der Spieler heißt. „Ich weiß, es ist schwer, drei Tage nach der Champions League wieder zu spielen. Ich war selbst Spieler. Aber wir müssen jeden Tag Vollgas geben“, forderte der Trainer. „Die erste Halbzeit war sehr gefährlich für uns. Mit dieser Leistung haben wir keine Chance am Dienstag, keine Chance in der Champions League. Ich hoffe, das ist eine große Lektion für uns.“ Nur 38 Prozent gewonnene Zweikämpfe und ein „viel zu langsames“ Offensivspiel (Philipp Lahm) gaben Guardiola recht.

Es ist dem scheidenden Coach in diesen Tagen anzumerken, dass er die Fehler der Vergangenheit nicht noch einmal machen will. „In meinem ersten Jahr hier haben wir die Bundesliga vergessen“, sagte er, „letzte Saison hatten wir nicht den Kader. Jetzt sind wir dort, wo wir letztes Jahr waren. Ich hoffe, wir erreichen die beiden Finals“.

Am Dienstag, im Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen, können die Bayern Peps erste Vorgabe erfüllen. Und schon am Samstag, mit einem Sieg bei Hertha und einer Niederlage von Dortmund gegen Stuttgart, stünde Bayern als Meister fest. Zum vierten Mal in Folge. „Das ist speziell, keine Mannschaft hat das geschafft“, sagte Pep. Lewandowski dachte schon weiter. „Unsere Form muss auch in der Bundesliga gut bleiben. Für die Champions League.“ Immerhin das dürfte Pep gefallen haben.

 

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