Bayern So unterstützt die Sparkasse CSU-Landräte

In der Kritik: Fürstenfeldbrucks CSU-Landrat Thomas Karmasin (re.) und der Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) Foto: dpa

In Fürstenfeldbruck half die Sparkasse im Wahlkampf bei einer umstrittenen Jubiläumsveröffentlichung, in Miesbach beim Geburtstag und dem repräsentativen Büro.

 

Miesbach/ Fürstenfeldbruck „Wenn’s um Geld geht – Sparkasse!“ Zwei CSU-Landräte können da nicht irren: Die Sparkasse ist gut für sie. In Miesbach sponserte die kommunale Bank teilweise die Geburtstagsfeier von Landrat Jakob Kreidl und auch die Renovierung und Ausstattung seines Büros. In Fürstenfeldbruck beteiligte sie sich an der Finanzierung der umstrittenen Sonderveröffentlichung „75 Jahre Landratsamt“. Bei dem Jubiläumsdatum beruft sich Landrat Thomas Karmasin auf ein Gesetz der Nazis (AZ berichtete).

„Der 1. Januar 1939 ist für den Bayerischen Landkreistag kein Grund zum Feiern“, erklärt der Geschäftsführer des Landkreistages, Johann Keller. „Dieses Datum ist mit nationalsozialistischem Unrecht verbunden, von dem sich der Bayerische Landkreistag in aller Form distanziert.“ Es stehe aber jedem frei, daran zu erinnern, beziehungsweise dies kritisch zu beleuchten.

Erinnert hat CSU-Mann Karmasin als einziger Landrat daran mit einer „Sonderveröffentlichung“ in den örtlichen Zeitungen – passend zum Auftakt des Kommunalwahlkampfes. Die Auflage beträgt 300 000 Exemplare. Dabei hat der Landkreis nur rund 205000 Einwohner.

Sein Landratsamt und vor allem sich selbst, stellt der CSU- Mann auf bis zu 40 Seiten dar. Herzstück ist ein mehrseitiges Interview mit dem Landrat. Das hat das Landratsamt selbst produziert. „Das Interview wurde von der Abteilung für Presse und Öffentlichkeit geführt“, räumt Karmasins Sprecherin Pia Schmal ein. Rund 10000 Euro hat das Landratsamt zu den Sonderveröffentlichungen beigetragen. Darunter 1800 Euro für eine Historikerin.

Kritisch auseinander gesetzt mit dem heiklem Datum 1. Januar 1939 allerdings hat sich der CSU-Mann nicht. Es dient nur als Anlass für die Veröffentlichung. Kein Wort darüber, dass dies auch der Stichtag für Hitlers Arisierung war, dass deutschen Juden das Betreiben von Einzelhandelsgeschäften, Unternehmen und Handwerksbetrieben untersagte. Offiziell gilt das Jahr 1862 als Geburtsstunde der Landratsämter. Vor zwei Jahren feierten Staatsregierung und Landkreistag „150 Jahre bayerische Landratsämter“.

Der Hauptteil der Kosten für die „Sonderveröffentlichung“ wurde über Anzeigen finanziert. Auch von Landkreis-Unternehmen. So zahlten etwa das Klinikum Fürstenfeldbruck, das tief in den roten Zahlen steckt, das Energieunternehmen GfA, der Abfallwirtschaftsbetrieb und sogar der „Jexhof“, das Bauernhofmuseum, mit. Und natürlich die Sparkasse Fürstenfeldbruck, die dem Landkreis und der Stadt gehört.

Über die Anzeigen-Summen, die damit indirekt der Steuerzahler übernommen hat, will das Landratsamt keine Auskunft geben. Auch die Sparkasse schweigt über die Kosten. Ihr Sprecher Dirk Hoogen: „Das sind ja Werbeaufwendungen, die geben wir nicht raus.“

 

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