Bayern Passagier: „Ich will sterben!“ Darauf der Pilot: „Ich nicht!“

Mit dieser Cessna hat der Selbstmörder noch andere mit in den Tod reißen wollen. Im Cockpit ist am Tag danach noch das Blut des Piloten zu sehen. Seine Verletzungen müssen im Krankenhaus genäht werden. Foto: Sebastian Gabriel

Ein Selbstmörder (26) chartert einen Rundflug und will die Cessna abstürzen lassen. Der Mann am Steuerknüppel, der sonst Tornado-Einsätze in Afghanistan absolviert, kann ihn überwältigen

 

MÜNCHEN/AUGSBURG Pilot Hans (42) ist ein erfahrener Kampfflieger. Normalerweise fliegt der Soldat Tornado-Einsätze über Afghanistan. Am vergangenen Samstag sitzt der Augsburger am Steuer einer kleinen Cessna 172 - eigentlich so etwas wie ein Sonntagsspaziergang über den Wolken für den Berufssoldaten. In seiner Freizeit fliegt der Pilot für das private Flugunternehmen MFA (Munich Flight Aviation) in Augsburg Charterflugzeuge. Doch der vermeintliche Spazierflug wird zum Kampf um Leben und Tod. Der Bundeswehrsoldat schafft es eine Katastrophe zu verhindern. Ein Selbstmörder will ihn und weitere unschuldige Menschen mit in den Tod reißen.

„An diesem Tag wurden alle Flüge gecancelt“, berichtet Peter Burghard, Flugbetriebsleiter der Firma MFA. „Das Wetter war zu schlecht.“ Nur ein Fluggast besteht auf seinen Flug: Marco F. (Name geändert). Er will unbedingt am Nachmittag des 16. Oktober fliegen. Der 26-Jährige aus Augsburg kommt mit einem Geschenkgutschein zum Flugplatz. 345 Euro kostet der Rundflug, er könnte für den Preis noch zwei Passagiere mitnehmen. Aber Marco F. kommt allein. Er setzt sich hinter den Piloten.

Der Mann am Steuer weiß nichts über seinen Passagier. Marco F. ist ein Messerfreak, er sammelt Degen und Stichwaffen. Außerdem konsumiert er harte Drogen, er wurde bereits zwei Mal wegen Drogenbesitzes von der Polizei festgenommen.

Der Pilot bringt seinen Passagier über den Wolken von Augsburg nach München, die Männer überfliegen die Theresienwiese und die Altstadt, streifen die Allianz-Arena in Fröttmaning, in die bereits die ersten von 70000 Menschen strömen, die das Spiel FC Bayern gegen Hannover 96 sehen wollen. Der Pilot fotografiert seinen einzigen Passagier während des Fluges. Das gehört mit zum Rundflug-Service.

„Am Anfang war der Passagier passiv und ruhig“, berichtet MFA-Chef Peter Burghard der AZ. Doch als der Pilot das Leichtflugzeug wieder gen Augsburg steuert, zückt der Passagier plötzlich ein Messer. Es ist 14.20 Uhr, als er es dem Piloten an den Hals hält. Die Maschine ist 500 Meter über dem Erdboden. Der Passagier verletzt den Piloten am Kinn. Dabei brüllt er: „Ich will sterben.“ Doch der Pilot behält die Nerven: „Ich nicht!“, antwortet er. Direkt über der A8 München-Augsburg geht es um Leben und Tod. Marco F. will offenbar nicht nur den Piloten mit in den Tod reißen, sondern wohl auch weitere Unschuldige. Laut Polizei versucht er, den Piloten zu zwingen, mit ihm und der Maschine abzustürzen.

Der Mann öffnet die Tür, stürzt sich in die Tiefe

Doch obwohl der Soldat die Gewalt über die Maschine nicht verlieren darf, gewinnt er den Zweikampf gegen den bewaffneten Mann. Es gelingt ihm, den Messerstecher abzuwehren. Da öffnet der Lebensmüde die rechte Tür der Cessna, stürzt sich aus dem Flugzeug in die Tiefe.

In dem Weiler Palsweis im Landkreis Dachau sehen zwei Reiterinnen das Flugzeug. Und sie sehen auch, wie etwas hinunterfällt und durch das Dach des Reiterstüberls schlägt. Eine Stunde später hätten die Reiterinnen hier beim Kaffee gesessen. Um diese Zeit wären auch viele Kinder im Reiterhof gewesen. Der Hof ist nur 20 Meter von der Autobahn entfernt.

Ein paar Minuten, nachdem die Reiterinnen den Mann in die Tiefe stürzen sahen, schließt der 24-jährige Sohn des Reiterhofbesitzers die Tür des Stüberls auf. Die Familie findet den Leichnam. Er hat das Dach und eine Decke durchschlagen. „Der Tote sah aus wie eine Puppe. Es war ein schlimmer Anblick.“ Der Vater alarmierte die Polizei: „Die wollten mir erst nicht glauben.“

Pilot Hans brachte die Cessna sicher zurück zum Augsburger Flugplatz. Am Montag, so sieht es sein Dienstplan vor, soll er wieder für die Bundeswehr fliegen. Nina Job

 

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