Bayern Georg Ratzinger wusste Bescheid: „Absolute Frechheit“

Der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen: Georg Ratzinger Foto: dpa

REGENSBURG - Der musikalische Leiter der Schauburg München und ehemalige Regensburger Domspatz Toni Matheis attackiert Ex-Domkapellmeister Georg Ratzinger: „Er hätte was tun müssen.“

 

Die Enthüllungen über brutale „Erziehungsmethoden“ bei den Regensburger Domspatzen haben für Entsetzen gesorgt. Gewalt, sexuelle Übergriffe und Demütigungen – lange Jahre war es kein Thema, was die Schüler damals ertragen mussten.

Dabei hatten die Opfer schon einmal den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt. „Prügelorgien bei den Domspatzen?“ – so betitelte die Abendzeitung schon 1989 einen Artikel. Damals hatten Sängerknaben berichtet, dass in den 1960er Jahren vor allem in der Vorschule in Etterzhausen Stockschläge an der Tagesordnung waren.

Bekannt geworden waren die Prügeleien durch einen Prozess um einen Mordversuch. Ein Karatelehrer stand vor Gericht, weil er seine Schüler sadistisch gequält hatte. Er berief sich darauf, als ehemaliger Domspatz selbst geprügelt worden zu sein. Dabei habe er einen seelischen Knacks erlitten. Als das Internat aber jeglichen harten Drill dementierte, meldeten sich die Ex-Domspatzen zu Wort.

Mehr als 20 Jahre ist das her. Doch erst jetzt beginnt die Aufklärung. Die Diözese Regensburg hat einen Rechtsanwalt eingesetzt – eine Art Sonderermittler.

Auch Papstbruder Georg Ratzinger, von 1964 bis 1994 Domkapellmeister, gibt inzwischen zu, von den Prügeln gewusst zu haben. Schüler hätten ihm davon erzählt. „Aber ihre Berichte sind bei mir nicht so angekommen, dass ich glaubte, etwas unternehmen zu müssen.“

Für Toni Matheis, den musikalischen Leiter der Schauburg München, ist diese Aussage „eine absolute Frechheit“. Er war zwischen 1959 und 1964 bei den Domspatzen, erlebte die Gewalt am eigenen Leibe. „Georg Ratzinger hatte eine Verantwortung, er hätte etwas tun müssen.“lj

 

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