Bayern Fuchsberger-Drama: „Das ist unser schwerster Gang“

Blacky Fuchsberger und sein Sohn Thomas Foto: dpa

MÜNCHEN - Am Montag fahren Tommy Fuchsbergers Eltern und seine Lebensgefährtin Cornelia nach Kulmbach, gehen die letzten Schritte des Diabetikers nach. „Er wollte bestimmt noch Hilfe holen“, sagen sie.

 

Die ersten Tage nach der schrecklichen Todesnachricht – Blacky Fuchsberger und seine Frau Gundel überstehen sie nur mit ärztlicher Hilfe. „Man kann es sich nicht vorstellen, den einzigen Sohn, für den man alles gemacht hat, zu verlieren. Mein Mann und ich sind einfach nur am Ende“, sagte Gundel Fuchsberger zur „Bild am Sonntag“. In der Nacht auf Freitag hatte das Ehepaar von dem rätselhaften Tod ihres Sohnes Tommy erfahren, der im fränkischen Kulmbach in einen Bach stürzte und dort ertrank (AZ berichtete).

Der 53-Jährige, der starker Diabetiker war, hat möglicherweise durch starken Unterzucker die Orientierung verloren. Doch ganz geklärt wird die Todesursache wohl nie. „Es wird immer ein Rätsel bleiben“, sagte ein Sprecher der Polizei in Bayreuth am Samstag. Womöglich sei Fuchsberger auch einfach gestolpert und in den Bach gestürzt.

Der 83-jährige Blacky selbst spricht davon, dass mit Tommy auch seine Lebensfreude gestorben sei. „Er war das Wertvollste, das wir hatten“, sagt der verzweifelte Vater. Freunde und Weggefährten machen sich große Sorgen, denn Blacky ist gesundheitlich sehr angeschlagen.

Doch einfach nur daheim sitzen will Blacky nicht: Er will begreifen, was passiert ist, er will wissen, wo Tommy seine letzten Stunden verbrachte. Deswegen hat die Familie sich einen qualvollen Weg auferlegt: Heute fahren Blacky, sein Bruder Otmar, seine Frau Gundel und Tommy Fuchsbergers langjährige Lebensgefährtin Cornelia Corba nach Kulmbach. Dort werden sie nicht nur die Gerichtsmedizin besuchen und den Toten identifizieren.

Die ganze Familie will zusätzlich den letzten Weg von Tommy nachgehen: vom Ende der Veranstaltung zu dem Restaurant, in dem er bis Mitternacht war. Und vom Hotel, an dem er nachts an der falschen Tür klopfte und nicht gehört wurde, entlang an dem Ufer, an dem Tommy in den Bach fiel. Zu der Stelle, an der die Polizei sein Handy fand und schließlich zu dem Ort, an dem der leblose Körper aus dem Wasser gezogen worden ist. „Das ist unser schwerster Gang“, sagt Tommys Freundin Cornelia der AZ. „Aber das sind wir Tommy schuldig. Wir machen das alle zusammen, das ist unsere Verpflichtung. Und wir hoffen, dass uns das bei der Trauerarbeit hilft.“

Corba ist immer noch ein Rätsel, wie es soweit kommen konnte. Tommy wusste um die Gefahren bei Diabetes. „Wenn er auf einer seiner Auslandsreisen war, war er nie allein. Er hatte dann immer einen Guide dabei – für den Fall, dass etwas ist. Aber hier in Deutschland denkt man doch, dass so etwas nicht passieren kann“, sagt sie.

Dass der Taxifahrer, der Fuchsberger nachts fuhr, nichts gemerkt hat, wirft sie ihm nicht vor. „Für Außenstehende wirkt Tommy dann wie betrunken.“ Trotzdem ist ihr Kopf voller Fragen. „Wieso hat niemand vom Veranstalter ihn begleitet? Wieso hat ihn niemand im Hotel gehört, als er nachts geklopft hat? Ich verstehe es einfach nicht.“

Nicht auf alle Fragen wird es in Kulmbach Antworten geben. Doch Cornelia Corba ist sich sicher: „Mit dem Handy, das an der Parkbank gefunden wurde, wollte Tommy bestimmt noch Hilfe holen. Aber er hat es nicht mehr geschafft.“ Cornelia, die erst Anfang Oktober das Zehnjährige mit Tommy gefeiert hat, hat in den schlaflosen Nächten seit seinem Tod versucht, ihre Trauer in Wort zu fassen.

Sie hat ein Lied geschrieben und es auf ihrer Homepage zusammen mit Bildern aus den gemeinsamen Jahren veröffentlicht. „Jetzt bist du fort von mir, weit oben, hoch im Sternenzelt“, singt sie. „Und nachts schau ich hinauf, und suche dich in dieser Welt.“

Es gibt wenig, was die Familie jetzt trösten kann. Doch Cornelia Corba kannte ihren Tommy genau, wusste, wie der Zustand des Unterzuckers für ihn war. „Er war dann total verwirrt, man musste ihn an der Hand nehmen. Und am nächsten Morgen konnte er sich an nichts erinnern. Deswegen, so hoffe ich, hat Tommy nicht sehr leiden müssen.“ kim/ta

 

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