Bayern-Basketballer im AZ-Interview Danilo Barthel: "Wir sind jetzt die Gejagten"

Danilo Barthel: "Wir haben eine gute Teamchemie und uns mit viel Euroleague-Erfahrung verstärkt." Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Bayerns neuer Kapitän spricht im AZ-Interview über den Saisonstart in der BBL, seine neue Rolle, die Euroleague und die mögliche Rückkehr von Kumpel Paul Zipser: "Ich hätte ihn immer gerne im Team."

 

Forward Danilo Barthel (26) spielt seit 2016 für die Bayern und ist nun Kapitän.

AZ: Herr Barthel, wo steht der FC Bayern Basketball vor dem Saisonstart heute Abend (19 Uhr, Sport1 und Telekom Sport) in Ulm?
DANILO BARTHEL: Wir sind an einem soliden Standpunkt, haben aber auf jeden Fall noch einiges zu verbessern. Das erste Saisonspiel wird kein einfaches. Wir können uns da jetzt aber voll darauf fokussieren und wollen mit voller Intensität reingehen.

Konnten Sie in der Pause den Basketball auch mal ein paar Tage weglegen?
Das war die längste Sommerpause, die ich seit langem hatte. Ich habe drei Wochen lang keinen Basketball angefasst, konnte wirklich mal ausspannen und mich erholen.

Wie sah das aus?
Einfach mal entspannen, mit Freunden die Freizeit genießen, mal andere Orte und Länder kennenlernen, viel draußen und in der Sonne sein. Ich habe auch drei Wochen Urlaub mit meiner Freundin verbracht.

Danilo Barthel: "Gesamtpaket bei Bayern hat einfach gestimmt"

Abschalten konnten Sie auch deshalb, weil Sie sich schnell für eine Vertragsverlängerung bei Bayern entschieden haben. Gab es für den Finals-MVP nicht auch andere interessante Optionen?
Natürlich gab es Interesse von anderen Vereinen. Mir war aber relativ schnell klar, dass für mich in München weiter die beste Situation ist, ich mit dem Verein weiter wachsen möchte und mich hier auf die neuen Aufgaben und Ziele freue.

Was hat den Ausschlag für Bayern gegeben? Auch die emotionale, umkämpfte Meisterschaft?
Dadurch sind wir sicherlich zusammengewachsen. Der Kern der Mannschaft ist geblieben. Da hängt also schon eine sehr emotionale Sache mit dran. Das Gesamtpaket bei Bayern hat einfach gestimmt. Ich hoffe, dass auch ich dem Verein weiter helfen kann, gerade jetzt als Kapitän.

Ist das etwas Besonderes für Sie?
Auf jeden Fall. Es ist eine große Ehre für mich, den Verein und die Mannschaft jetzt als Kapitän vertreten zu dürfen. Das ist auch eine Bestätigung für meinen Charakter, dass ich vorangehe, kämpfe und alles für die Mannschaft tue. Die Attribute, die ich schon ins Spiel gebracht habe, waren, denke ich, ausschlaggebend dafür, dass ich gewählt wurde.

Danilo Barthel: "Wir haben eine gute Teamchemie"

Welche Aufgaben kommen als Kapitän jetzt noch auf Sie zu?
Vielleicht noch ein bisschen mehr mit dem Trainer zu kommunizieren, wie es der Mannschaft geht, welche Eindrücke ich vom Training oder von Spielen habe. Ein bisschen etwas Organisatorisches außenrum, was wir zum Beispiel zum Essen anziehen.

Wie groß ist der Respekt davor, Anton Gavel, der seine Karriere beendet, als Kapitän zu beerben?
Ich trete da in große Fußstapfen. Anton hat das herausragend gemacht mit seinem Charakter und seiner Art, wie er kämpferisch vorangegangen ist und immer alles gegeben hat.

Wie ist Ihr Eindruck vom neuen Team?
Das sind alles gute Jungs, mit denen es großen Spaß macht. Wir haben eine gute Teamchemie und uns mit viel Euroleague-Erfahrung verstärkt. Wir sind ein sehr stimmiges Team, das noch jung ist und viel Potenzial hat, aber auch schon Erfahrung, um auf dem Niveau, auf dem wir jetzt spielen wollen, zu bestehen.

In Jared Cunningham und Reggie Redding hat Bayern seine beiden besten Schützen verloren. Ein Problem?
ei erfolgreichen Teams gehen immer auch Spieler von Bord. In Petteri Koponen haben wir aber einen der besten Dreierschützen der Euroleague dazubekommen. Maodo Lo ist auch ein sehr guter Schütze. Ich denke, dass wir das auffangen können. Wie gut unser Team zusammenpasst, wird sich zeigen, wenn die Saison losgeht. Ich habe aber ein gutes Gefühl.

Danilo Barthel leidet mit verletztem Kollegen Milan Macvan 

Wie hart war der Rückschlag durch Milan Macvans schwere Verletzung?
Als ich das mitbekommen habe, war ich am Boden. Er ist auch vom Charakter her einer der besten Mitspieler, die man haben kann, immer für die Mannschaft da. Nach seinem ersten Kreuzbandriss hat er sich so gut zurückgekämpft. Dass das dann noch mal passiert, ist wohl mit das Bittereste, was einem im Sportlerleben passieren kann. Ich habe ihm geschrieben: Egal, was ist, wenn er irgendetwas braucht, stehen wir als Team voll hinter ihm. Letztes Jahr konnten wir seinen Ausfall wegstecken und können es jetzt hoffentlich wieder. Aber es tut mir einfach sehr leid für ihn.

Sind Sie in Kontakt mit Ihrem Kumpel Paul Zipser? Nach zwei Jahren bei den Chicago Bulls ist er aktuell vertragslos und eine Rückkehr zu Bayern ist im Gespräch.
Wir haben uns gerade bei der Nationalmannschaft getroffen. Er ist ein Spieler, der ein extrem gutes Niveau hat. Deshalb würde ich immer sagen, dass ich ihn gerne in meiner Mannschaft hätte. Aber ob das noch mal zusammenkommt, weiß man nicht. Wir haben vor allem über seine Gesundheit und nicht groß über seine vertragliche Situation und was da in der Zukunft sein kann geredet.

Die Erwartungen und Ziele sind beim Double-Titelverteidiger jetzt sicher andere, oder?
Der Druck steigt natürlich nach der erfolgreichen letzten Saison. Wir sind jetzt die Gejagten. Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Titel verteidigen können, wissen aber auch, dass es wieder sehr eng sein wird und wir alles dafür tun müssen. Letztes Jahr haben wir eine fast perfekte Saison gespielt. Es wird extrem schwer, das zu toppen. Aber wir geben unser Bestes dafür. Wie groß ist die Vorfreude auf die Euroleague? Riesig. Für unseren Verein, München und Basketballdeutschland werden das großartige Events sein. Ich persönlich freue mich auch auf meine erste Euroleague-Saison, mich mit den Besten in Europa messen zu können.

 

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