Bayern Auch Missbrauchsfälle in Studienseminar der bayerischen Kapuziner

Die Zentrale der Kapuziner in der Kapuzinerstraße: Auch in diesem Orden gab es Missbrauch Foto: Martha Schlüter

MÜNCHEN - Schon wieder neue Missbrauchsfälle durch Geistliche: Pater M. missbrauchte Schüler im Studienseminar der Kapuziner in Burghausen. Der Orden schob ihn nach München ab und schwieg.

 

Der Sex-Skandal erfasst immer mehr Klöster. Ein Kapuzinerpater des Studienseminars in Burghausen (Kreis Altötting) hat über Jahre seine Schüler sexuell missbraucht. Der Mönch wurde klammheimlich als Pfarrer nach München versetzt, der Fall vertuscht.

Pater M. leitete das Studienseminar der Kapuziner in Burghausen an der Salzach. Zwischen 1984 und 1985 machte er sich an Jugendliche heran. „Die Schüler berichteten ihren Eltern von den Übergriffen“, erzählt Pater Josef Mittermaier, „die stellten den Schulleiter zur Rede und bewirkten seine Ablösung“.

Die Öffentlichkeit wurde über den sexuellen Missbrauch nicht informiert. Pater M. kam 1985 nach München. Er dufte nicht mehr mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten. Ihm wurde verboten, die Beichte abzunehmen. Pater M. musste eine Therapie machen.

Pater M. wurde Seelsorger im Krankenhaus DritterOrden. Wieder gab es Ärger. Die Schwestern rebellierten. „Er ging zu forsch an manche Sachen heran, spaltete die Gemeinschaft in Jung und Alt“, heißt es bei den Kapuzinern.

Für den sexuellen Missbrauch seiner Schüler musste sich der heute 68-Jährige nie vor Gericht verantworten. Zwar wurde 1991 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Doch die Fälle waren verjährt. Grund: die Opfer des Paters waren Jugendliche und keine Kinder unter 14 Jahre.

Am Donnerstag brachen die Kapuziner ihr Schweigen: „Dies geschieht aus Respekt und tiefer Achtung vor den Opfern“, heißt es in einer Erklärung. „Wir bitten diese Menschen von ganzem Herzen und in Aufrichtigkeit um Verzeihung für all das, was ihnen Böses angetan wurde.“

Pater M. war bis März 2009 Wallfahrsseelsorger in Würzburg. Dann nahm er eine Auszeit. Sie läuft im April aus. Dann entscheidet sich, wie es mit Pater M. weitergeht.

Unterdessen zeichnet sich für die Benediktiner in Ettal ein Hoffnungsschimmer ab. Kloster und Schule können auf einen Neuanfang hoffen. Die Bitte der Mönche, Papst Benedikt XVI. möge ihnen bei der Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe helfen, wurde im Erzbistum München-Freising mit Erleichterung aufgenommen. Generalvikar Peter Beer sagte: „Ich begrüße es ausdrücklich, wie die Klostergemeinschaft und Schulleitung in Ettal eine rückhaltlose Aufklärung aller Verdachtsmomente und Vorgänge vorantreibt.“ Damit werde die Basis für eine gute Zukunft der Abtei sichergestellt.Ralph Hub

 

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