Bayern "An Brutalität kaum zu überbieten“- Jäger erschießt zwei Hunde

Die schneeweißen, kuscheligen Hunde in einem Sanskasten Foto: az

GAMMELSDORF - Am Montag muss sich der Schütze, der „Luna“ und „Ricardo“ tötete und heimlich verscharrte, vor Gericht verantworten – eine Zeugin sah, wie der 70-Jährige einen Hund durch den Ort jagte und in einen Vorgarten schoss.

 

„Luna und Ricardo waren für uns wie Familienmitglieder“, erzählt Christine Neumaier. „Vor allem für meine vier Pflegekinder. Die Buben und Mädchen haben ja alle schon ein Schicksal hinter sich. Die schneeweißen, kuscheligen Hunde waren ihre Freunde. Die Kinder erzählten ihnen alles. Sie fragen immer noch nach ihnen“, berichtet die 38-Jährige traurig. Christine Neumaier lebt mit ihrem Mann, den Kindern und einem Hängebauchschwein auf einem großen, umzäunten Hof in Gammelsdorf im Kreis Freising. Ricardo und Luna stammten aus einem italienischen Rettungsprojekt für verwahrloste Tiere.

Schon als Welpen kamen die Hunde zu der Familie, die sie liebevoll mit Fläschchen und Quark aufpäppelte. An einem Samstagvormittag büxten die beiden aus, als Christine Neumaiers Mann mit dem Traktor vom Hof fuhr. Kurz darauf wurden Luna und Ricardo von einem Jäger mit Schrot erschossen. Anschließend verscharrte er die Tiere heimlich.

Die Tat kam heraus, weil eine Zeugin gesehen hatte, wie der Jäger den Rüden mit seinem Auto durch den Ort verfolgte und in einen Vorgarten schoss! In befriedetem Gebiet zu schießen ist auch für Jäger streng verboten. Der Schütze begründete die Tat damit, die Hunde hätten gewildert.

Der Deutsche Tierschutzbund schätzt, dass jährlich mehrere tausend Hunde und mindestens 300.000 Hauskatzen mit dieser Begründung von Jägern getötet werden.

„Doch in den seltensten Fällen ist die Tötung von Hunden gerechtfertig. Dieser Fall ist an Brutalität kaum zu überbieten“, sagt Anwalt Dominik Storr. Er hofft, dass der Jäger zumindest seinen Jagdschein verlieren wird. Der Prozess soll um 11 Uhr im Amtsgericht Freising beginnen.

Nina Job

 

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