Bayern Alles verspielt? Tipps gegen die Spielsucht

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Knapp 100.000 Bayern leiden unter dem Glücksspielzwang. Vor allem junge Männer sind gefährdet. Jetzt klärt eine neue Kampagne auf. Das Motto: „Verspiel’ nicht dein Leben“.

 

MÜNCHEN Günther K. (Name geändert) aus München hat sein Leben verzockt. Sechs Jahre lang war er spielsüchtig. „Der Automat hat mich von meinen Sorgen abgelenkt. Nicht mal die Geburt meines Sohnes hab’ ich mitbekommen“, berichtet der 32-jährige Geschäftsmann.

Günther K. ist kein Einzelfall: Bis zu 44.000 Menschen im Freistaat sind nach Angaben der „Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern“ süchtig nach dem Spiel um Geld. Weitere 50.000 sind extrem gefährdet. Tendenz steigend.

Mit der gestern gestarteten Kampagne „Verspiel’ nicht dein Leben“ will die „Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern“ deshalb auf rund 50 Beratungsstellen bayernweit aufmerksam machen. Eine halbe Million Euro kostet die Marketing-Aktion. 300 Riesenposterwurden bayernweit geklebt, eine Internetseite sowie Radio- und TV-Spots geschaltet.

Auch um den Münchner Hauptbahnhof, wo Spielhallen zum Stadtbild gehören, hängen die Plakate. Ein Roulette-Tisch ist darauf zu sehen, nur werden dort statt Jetons Frau und Kinder gesetzt.

„Der Wegfall der Familie ist eine häufige Folge der Sucht“, weiß Andreas Czerny, Chef der „Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern.“ Die Einrichtung wurde im Juni 2008 gegründet, sie wird vom Bayerischen Gesundheitsministerium finanziert.

„Die Spielindustrie boomt bundesweit“, sagt Czerny. Demnach stieg der Jahresumsatz von Spielhallen und Gaststätten mit Geldspielautomaten von 2006 auf 2007 von 6,88 Milliarden auf 7,75 Milliarden Euro. Eine Steigerung von 12,7 Prozent. Kein Wunder, etwa 80 Prozent der Spielsüchtigen zocken am Automaten. Die Tendenz bei den 18- bis 25-jährigen Männern ist steigend. Anne Hund

 

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