Bayerisches Staatsschauspiel Was Andreas Beck plant

Andreas Beck, die Chefdramaturgin Almut Wagner und allerlei Getier bei der Vorstellung der neuen Saison des Residenztheaters. Foto: Adrienne Meister

Die Pläne des Intendanten Andreas Beck für die kommende Spielzeit am Residenztheater

 

Als er im vergangenen Jahr seine erste Spielzeit als Intendant der Presse vorstellte, konnte Andreas Beck zu einem großen Frühstück laden. Die Pressekonferenz für die Saison 2020 / 2021 im Marstall fand frugaler statt. Nicht einmal Wasser oder Kaffee erlauben die Hygienevorschriften im Kampf gegen das Virus. Beck und seine soeben erst aus Basel zum Münchner Team gestoßene Chefdramaturgin Almut Wagner zeigten sich im tierreichen Bühnenbild von „Der Preis des Menschen“.

Die Uraufführung dieses Texts von Thiemo Strutzenberger gehört zu den Kollateralschäden der Corona-Krise. Die Produktion ist eine von vier, die bereits für die laufende Spielzeit geplant waren, die sogar das Saisonmotto gab und deren Premiere nun für den 11. Oktober vorgesehen ist. Mit seiner Geschichtsschreibung der Sklaverei und seiner „DNA der Macht“ sei es inzwischen noch brisanter geworden.

Fünf Stunden Hamsun

Thema der kommenden Saison ist nicht mehr der Wert des Menschen, sondern wie der Mensch mit Katastrophen und Krisen umgeht. Das betreffe auch das verschobene „Spiel des Lebens“ nach Knut Hamsun, dessen zentrale Figur sich in Zeiten einer Seuche politisch radikalisiert. Zur Zeit ist der 23. Oktober anvisiert. Ob, und wenn ja, in welcher Form Stephan Kimmigs ursprünglich auf mehr als fünf Stunden projektierte Bühnenadaption der Roman-Trilogie (Beck: „Ich bin ein epischer Mensch und liebe lange Theaterabende“) dann bereits aufführbar sein wird, ist noch offen. Diese Unsicherheit prägt nach wie vor alle Planungen im Theaterbereich.

Alles, was an Repertoire wie an Neuproduktion während der ersten Hälfte der nächsten Spielzeit auf die Bühnen des Staatsschauspiels kommen soll, muss kompatibel für die stark einschränkenden Arbeitsbedingungen des künstlerischen Personals wie der Gewerke hinter den Kulissen. Als eine „Demarkationslinie“ nannte Beck den 31. Dezember. Es handelt sich um eine zwar inoffizielle Marke, die dennoch unter vielen seiner Kollegen angepeilt werde, berichtet Beck.

Sie ist ein Ziel, ohne das „wir morgens gar nicht mehr aufstehen müssten“, gestand der Resi-Chef. Zwar gebe es in der Silvesternacht zunächst nur eine konzertante Vorpremiere von Georg Ringsgwandls Oper „Lola M.“, aber im neuen Jahr lauern die ganz großen Brocken. Schon im Januar steht „Hamlet“ unter der Regie von Robert Borgmann auf der Premierenliste. Im Februar soll Simon Stone endlich seine Horváth-Montage „Unsere Zeit“ zeigen, die nicht wegen der Pandemie, sondern wegen eines Filmprojekts auf Eis gelegt wurde.

Seuchenbedingte Bescheidenheit

Zu den insgesamt 25 Neuproduktionen, unter denen 13 Uraufführungen sind, gehört aber auch Münchnerisches. So kommt im März eine Theaterversion des Drehbuchs „Herz aus Glas“, das Herbert Achternbusch 1976 für Werner Herzog geschrieben hat, sowie „Marienplatz“ (19. Dezember), in dem Beniamin Bukowski von einer realen Selbstverbrennung im Jahr 2017 auf dem Marienplatz erzählt.

Angesichts der seuchenbedingt verordneten Bescheidenheit überrascht es, dass ausgerechnet der für seine monströs überwältigende Theatermaschinen bekannte Ulrich Rasche (im Resi Schillers „Räuber“, Hofmannsthals „Elektra“ und zuletzt Büchners „Woyzeck“) die Spielzeit am 25. September eröffnen wird. Aber Andreas Beck kündigt an, dass „Das Erdbeben in Chili“ nach der Novelle von Heinrich von Kleist „im leeren Raum“ stattfinden werde. 

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading