Bayerisches Staatsschauspiel Paula Hans über „Ronja Räubertochter“ im Residenztheater

Niklas Mitteregger und Paula Hans in „Ronja Räubertochter“. Foto: Adrienne Meister

Paula Hans spielt „Ronja Räubertochter“ nach Astrid Lindgren im Residenztheater

 

Vom Weihnachtsstück wird nicht geredet, sondern man spricht lieber von einem Familienstück, das die Generationen zusammen führt. Mit Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ sind die Kinder der letzten 30 Jahre aufgewachsen, und der Roman taugt auch auf der Bühne für das „ganz große Kino“, freut sich Paula Hans. Als die wilde Ronja gibt sie heute ihr München-Debüt.

AZ: Frau Hans, wie alt waren Sie, als Ihnen Ronja zum ersten Mal begegnete?
Paula Hans: Ich glaube, das war in der Grundschule, etwa zweite oder dritte Klasse. Ich weiß auch nicht mehr so genau, ob ich zuerst das Buch gelesen und dann den Film gesehen habe oder umgekehrt. Auf jeden Fall war beides sehr präsent und diese Figur hat mich damals total beeindruckt. Sie war ein großes Vorbild. Ronja ist ja toll. Sie ist eine Figur, die man sofort liebhat. Da hat Astrid Lindgren ganze Arbeit geleistet, um junge emanzipierte Frauen zu zeigen. Als in den vierziger Jahren „Pippi Langstrumpf“ erschien, war das revolutionär. Die Kinderbücher damals beschäftigten sich mit dem braven Kind, das eine kleine Ungezogenheit begeht und über die man schmunzelt.

Wie unterscheiden sich Pippi und Ronja?
Pippi schiebt sich im Kopf ihre eigene Welt zurecht. Ronja ist anders frei. Sie geht raus, wo die Einflüsse auf sie zukommen, mit denen sie intuitiv und positiv umgeht. Sie lebt uns vor, angstfrei, mutig und interessiert zu sein an dem, was als Nächstes kommt. Anders als Pippi spinnt sich Ronja nicht Dinge aus, mit denen sie dann die anderen auf ihre Seite zieht. Es ist mehr so etwas wie „Wow! Jetzt kommen die Rumpelwichte und das lasse ich mal auf mich wirken“. Das macht auch das Naturthema aus, das dieses Stück trägt. Es gibt die Burg als das behütete Heim und dann diese Welt im Wald, die den Kindern völlig überlassen bleibt.

Im Gegensatz zu Pippi hat Ronja ein vergleichsweise intaktes Familienleben.
Das kommt noch dazu, wobei die Funktionen schon ein bisschen verschoben sind. Der Vater ist das große Kind, das nicht erwachsen wird, und Ronja ist die, die dann sagt: „Komm schon, Matti, stell dich nicht so an“.

Wie gruselig sind bei Ihnen der Zauberwald und der Höllenschlund?
Da das Stück ab sechs ist, kommen bestimmte Passagen aus dem Roman darin nicht vor. Es ist beispielsweise nicht drin, dass die Wilddruden die Kinder blutig kratzen oder sie töten, was im Buch ausgesprochen wird. Ich habe meinem fünfjährigen Sohn den Roman vorgelesen und musste ein wenig springen und ändern. Ich fand das schon sehr heftig. Wir haben tollen Nebel, tolles Licht, tolle gruselige Sounds und ganz tolle Kostüme, die mich richtig begeistern. Die Wilddruden und die Rumpelwichte sind beeindruckend.

Sie haben Rollen gespielt wie Antigones Schwester Ismene oder die Lucile in „Dantons Tod“. Wie erarbeiten Sie sich nun ein Mädchen aus dem Astrid-Lindgren-Universum?
Das habe ich mich anfangs auch gefragt. Muss ich mich verstellen? Muss ich mich in einem anderen Kosmos bewegen? Als ich mich dann mit Astrid Lindgren beschäftigte, fand ich es schön, wie sie ihre Figuren selbst findet und wie sie sie erfindet. Sie sprach immer von einer intuitiven Energie und die ist das, was Kinder ausmacht.

Ein Beispiel.
Kinder denken nicht darüber nach, welche Vorteile oder Nachteile etwas für sie hat, sondern sie reagieren. Leider verlieren wir das als Erwachsene, weil wir glauben, es stört unsere Fähigkeit zur Kontrolle. Dabei ist es eigentlich das Schönste auf der Welt, jeden Tag aus der Tür zu gehen und zu sagen: „Mal gucken, was passiert“. Diese Fähigkeit tragen wir alle in uns. Wir müssen sie nur wachrütteln. Letztendlich war das der Zugang, den ich zu Ronja fand: nicht wie ein Kind zu spielen, sondern mit dem Herzen eines Kindes.

Residenztheater, Vorstellungen bis 1. Januar, Telefon 2185-1940

 

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