Bayerisches Staatsorchester Vladimir Jurowski dirigiert Mozart und Bruckner

 Foto: Robert Braunmüller / TV/Medien

Vladimir Jurowski, der künftige Musikchef der Bayerischen Staatsoper, dirigiert Bruckner und Mozart im Nationaltheater

 

Dass sich ein Dirigent mit dem Nachnamen Jurowski und dem Vornamen Vladmir auf Tschaikowsky oder Prokofjew versteht, ist wenig überraschend. Aber Bruckner und Mozart?

Werke der beiden Österreicher dirigierte der designierte Nachfolger von Kirill Petrenko nun im Nationaltheater, und weiter verdichtet sich, was sich spätestens im Dezember nach „Dornröschen“ mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin im Gasteig abzeichnete: Es wird spannend, um es vorsichtig zu sagen.

Der komplette Bruckner

Der künftige Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper nahm sich im Akademiekonzert des Bayerischen Staatsorchesters die selten gespielte Zweitfassung der Symphonie Nr. 3 von Anton Bruckner vor. Sie verzichtet auf einige Abschweifungen der Urfassung, enthält aber vor allem im Finale noch viel vom Besten dieses Komponisten: die schroff hingewuchtete Irritation.

Darauf konzentrierte sich Jurowski. Aber eben nicht nur. Es gab den kompletten Bruckner mit Leidenschaft und Selbstzweifel, nicht nur die vor allem von älteren Herrn am Dirigentenpult entfaltete monumentale Gelassenheit.

Jurowski ist, wie sein Vorgänger, ein Gestalter. Er nimmt nichts selbstverständlich. Bei Bruckner arbeitet er so das aus einer fast impressionistischen Trompetenfanfare und einem lakonischen Orchestertutti zusammengesetzten Hauptthemas heraus.

Die Wagner gewidmete Symphonie versteht er zwar als inneres Drama, aber Jurowski stellt heraus, wie sehr sich Bruckners Musik durch Zäsuren und blockhafte Wirkungen von der gleitenden Kunst des Übergangs des Musikdramatikers unterscheidet. Dem späten Mariss Jansons gelangen bisweilen ähnlich aufregende Aufführungen der Siebten und Neunten. Aber sonst war eine ähnlich komplette, die ganze Vielschichtigkeit Bruckners hörbar machende Aufführung in München lange nicht zu hören.

Mozart als musikalisches Gespräch

Noch erstaunlicher ist aber: Jurowski kann auch Mozart. Die Luxus-Solisten Isabelle Faust (Violine) und Antoine Tamestit (Viola) praktizierten zusammen mit dem Bayerischen Staatsorchester groß dimensionierte Kammermusik mit wechselseitigem Aufeinander-Eingehen und Zuhören. Jurowksi moderiert das Gespräch nicht nur, er gestaltete es auch, indem er Streicher und Bläser aufeinander antworten ließ.

Das mag – als Münchner hat man da so seine Erfahrungen – bei einem Dirigenten mit einem russischen Namen überraschen. Aber Jurowski hat als Dirigent nicht nur durch seinen Vater eine russische Prägung bekommen, er wurde auch von Rolf Reuter und Colin Davis ausgebildet. Eine spannende Mischung und spannende Zeiten, die da auf uns zukommen.


 
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