Bayerisches Staatsballett Die Polizei besucht das Training

Igor Zelensky, der Direktor des Bayerischen Staatsballetts. Foto: Tobias Hase/Archivbild

Das Bayerische Staatsballett bekommt am Platzl  im Probengebäude Besuch von der Polizei

 

Am Dienstag fiel einem Passanten auf, dass im Probengebäude des Bayerischen Staatsballetts am Platzl trainiert wurde. Er holte daraufhin die Polizei – offenbar, weil er einen Verstoß gegen die bayernweiten Ausgangsbeschränkungen und das Veranstaltungsverbot vermutete.

Allerdings ist es nicht verboten, zu arbeiten, und für einen Tänzer ist Tanz nicht nur Arbeit, sondern körperliche Schwerstarbeit.

„Das Ensemble führte das Training in Zeiten der Corona-Pandemie gemäß aller uns bekannten behördlichen Vorgaben und in Absprache mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst durch“, erklärt dazu das Staatsballett. Dem Vernehmen nach wurden auch Aufenthaltstitel der Tänzer kontrolliert. Die Polizei hielt Rücksprache mit den Behörden, konnte aber keinen Verstoß gegen die geltenden Vorschriften feststellen.

Ist das Training notwendig?

Das Staatsballett steht wegen des fortgesetzten Trainings und der Teilnahme an den Livestreams der Staatsoper vor allem auf sozialen Medien in der Kritik. Außerdem verbreitet sich das Gerücht, Ballettchef Igor Zelensky würde seine Tänzer unter Druck setzen.

Dem widerspricht man beim Staatsballett. Das Training in den Räumen am Platzl sei absolut freiwillig, so die Sprecherin Annette Baumann. Es sei notwendig, um die körperliche Leistungsfähigkeit der Tänzer zu erhalten. Ein Gutachten des Betriebsarztes vom 30. März habe ergeben, dass die Ensemblemitglieder aufgrund der Einhaltung der vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen keiner besonderen Infektionsgefahr ausgesetzt seien.

Das Staatsballett hat nach dem Besuch der Polizei das freiwillige Trainingsangebot für die Tänzer bis zu einer erneuten Rücksprache mit dem Kunstministerium ausgesetzt. Auch das Ballett des Gärtnerplatztheaters trainiert – allerdings zu Hause und per Onlinekonferenz, was dem Staatsballett auch dringend anzuraten wäre und nach der Betriebsschließung nun auch nicht mehr anders möglich ist.

Es kann ungemütlich werden

Grundsätzlich gilt zwar, dass in den Theatern nur der Vorstellungsbetrieb und der Publikumsverkehr beendet wurde, nicht aber die nichtöffentliche Arbeit. Proben sind trotz Sicherheitsvorkehrungen eine heikle Sache, weshalb sie an allen Staatstheatern mittlerweile abgebrochen wurden. Auch die städtischen Philharmoniker und die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks haben alle Aktivitäten eingestellt, was allerdings nicht heißt, dass Musiker nicht zu Hause proben dürfen.

Wenn beim Staatsballett auch nur ein Corona-Fall auftritt, der sich mit dem fortgesetzten Training seit Mitte März in Verbindung bringen lässt, muss sich Kunstminister Bernd Sibler einen neuen Ballettchef suchen. Und auch für ihn selbst könnte es ziemlich ungemütlich werden.

 

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