Bayerisches Landesjugendorchester Mahlers Symphonie Nr. 2 im Gasteig

Der Dirigent Jonathan Nott. Foto: dpa

Gasteig: Das Bayerische Landesjugendorchester mit Mahlers Zweiter unter Jonathan Nott

 

Auch in der Musik gibt es Größenwahn. Selbst Jugendorchester kommen inzwischen auf die Idee, großbesetzte Spätromantik auf die Bühne zu hieven. Die Macher im Hintergrund können sich das leisten, weil die Jugendtalente nichts kosten und für Workshops teilweise zahlen. Sie freuen sich, solche Werke zu spielen. Der Grat zwischen Pädagogik und Ausbeutung ist äußerst schmal.

Beim Bayerischen Landesjugendorchester (BLJO) ist das anders. Zwar hat die Truppe aus Regensburg jetzt die riesenhafte, hochkomplexe „Auferstehungs“-Symphonie Nr. 2 von Gustav Mahler mit Chor und Solisten einstudiert, aber: Seit 15 Jahren ist das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks dabei. Die Stimmproben werden von BR-Musikern geleitet, und beim Finalkonzert in München spielen weitere Profis mit.

Im vorigen Jahr hatte das BLJO die Achte von Anton Bruckner gestemmt, und jetzt die Zweite von Mahler. Offenbar tendiert das BLJO zu derartigen Großprojekten. Der Orchestergründer Andreas Burger lässt das nicht gelten. Für solche Großprojekte würden sich besonders viele Jungtalente anmelden. Man könne aus einem riesigen Pool an Musikern auswählen – auch dank der Betreuung durch die BR-Profis und den Dirigenten.

Ein Mahler-Könner am Pult

Für das jetzige Mahler-Projekt wurde vor anderthalb Jahren Mariss Jansons angefragt, der das BLJO bereits geleitet hatte. Der BR-Chefdirigent sagte ab, zumal er sich schonen muss. Dafür aber dirigierte der Jansons-Assistent Joseph Bastian die ersten drei Konzerte in Oberbayern und Franken. Mit Jonathan Nott stand beim großen Finale im Münchner Gasteig ein veritabler Mahler-Könner am Pult.

Bei den Bamberger Symphonikern hatte er einen herausragenden Mahler-Zyklus auf CD realisiert. Gegenwärtig wirkt Nott beim Orchestre de la Suisse Romande. Das BLJO kennt er bestens. Es war eine Freude zu beobachten, wie Nott die Youngsters sicher durch den tragikomischen Humor Mahlers führte – schon allein mimisch. Auch die Gesangssolisten Lioba Braun (Alt) und Juliane Banse (Sopran) verstanden es, sich in den jungen Klangkörper umsichtig einzubringen.

Wer noch das „Urlicht“-Altsolo beim BR von Gerhild Romberger im Ohr hatte, vermisste jene tiefe Wortausdeutung. Umso ergreifender war die Wirkung, als der Bayerische Landesjugendchor mit Unterstützung des BR-Chores die finale Auferstehung anstimmte. Mag sein, dass die Fernorchester nicht gut ausbalanciert waren. Dafür aber wurde durchwegs an der Stuhlkante musiziert, ernsthaft und kenntnisreich. Die Betreuung durch die BR-Symphoniker war einmal mehr tipptopp.

Eine symphonische Riesenschwarte wie Mahlers „Symphonie der Tausend“ Nr. 8 wird es als nächstes nicht geben. Auf Nachfrage kündigte Burger die Erste von Edward Elgar an sowie das neoklassizistische Violinkonzert Nr. 2 von Béla Bartók – mit BR-Geigerin Jehye Lee als Solistin. Sie hatte jetzt die zweiten Violinen unterstützt.

Das Probespiel für das nächste Projekt steigt am 25. Mai in Regensburg (Infos unter: www.bljo.de).

 

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