Theaterübertragungen BR: Es ist ein Haufen Geld da, aber leider dafür nicht

Weil das Bayerische Fernsehen in seiner Quotenfixierung kaum Vorstellungen überträgt, hat die Staatsoper selbst das Internetformat staatsoper.tv entwickelt. Foto: Wilfried Hösl

Warum der BR nicht mehr Vorstellungen aus den Staatstheatern in ganz Bayern überträgt.

 

Bei der öffentlichen Vorstellung der kommenden Spielzeit des Gärtnerplatztheaters fragte ein Abonnent nach Fernsehaufzeichnungen des Bayerischen Rundfunks aus dem Haus. Staatsintendant Josef E. Köpplinger stimmte dem Fragenden zu und erinnerte daran, dass es auch schon wieder drei Jahre her sei, dass die Gala zur Wiedereröffnung im Bayerischen Fernsehen gezeigt wurde.

Seitdem wurde die eine oder andere Premiere im Hörfunk übertragen, so zuletzt Thomas Pigors "Drei Männer im Schnee". Aber eben nicht mit bewegten Bildern. Köpplinger nutzte die Gelegenheit für einen Appell: Er fände, dass es dem Bayerischen Fernsehen gut anstünde, viermal im Jahr die Aufzeichnung einer Aufführung aus einem der Bayerischen Staatstheater in München, Nürnberg und Augsburg "zur besten Sendezeit" zu zeigen.

Der Kulturauftrag darf nichts kosten

Dagegen spricht naturgemäß das Diktat der Einschaltquote. Aber das ließe sich durch den Kulturauftrag des Senders aufwiegen. Die vom scheidenden Intendanten Ulrich Wilhelm durchgesetzte Regionalisierung des Senders liefert Argumente, auch die städtischen Münchner Kammerspiele, das Volkstheater und die beiden Staatstheater in Augsburg und Nürnberg einzubeziehen. Im Staatstheater der fränkischen Metropole dirigiert die Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz bemerkenswerte Aufführungen, das Augsburger Theater bringt sowohl ambitioniertes Sprech- wie Musiktheater.

Für das Bayerische Fernsehen erschöpft sich das Theater des Freistaats im "Komödienstadel". Eine wirklich nachvollziehbare Antwort auf die Frage des Abonnenten und den Wunsch des Gärtnerplatz-Intendanten ist aus dem Sender nicht zu erhalten. Reinhard Scolik, der neue trimediale Programmdirektor für Kultur schickte Oswald Beaujean vor, den Programmbereichsleiter für BR Klassik. Der verwies in seiner schriftlichen Antwort auf bestehende Medienpartnerschaften und Hörfunkübertragungen, um abschließend zu erklären: "Aus finanziellen Gründen ist die Zahl aufwändiger Opernübertragungen im Bild sehr begrenzt. Für eine einzelne Landesrundfunkanstalt ist das heute gar nicht mehr zu stemmen. So sind etwa die jährlichen Bild-Übertragungen aus Bayreuth oder der Bayerischen Staatsoper nur als Koproduktion mit 3sat bzw. Arte möglich." 

Hochwertig und nicht so hochwertig

Das alle sei furchtbar teuer. "Um aufwändige, in der Vergangenheit nie geplante und deshalb auch nie etatisierte Bild-Übertragungen aus bayerischen Opernhäusern realisieren zu können, müssten zwangsläufig spürbare Einschnitte im gesamten Programmangebot vorgenommen werden – zugunsten weniger sehr kostenintensiver Projekte", so Beaujean. "Unterm Strich wäre das weniger Vielfalt zugunsten einzelner Highlights. Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass BR-Klassik dies nicht für eine sinnvolle Perspektive hält."

Es liegt also am Geld. Das fließt dank Gebühren recht zuverlässig, aber der BR mag es nun einmal nicht für die Übertragungen aus den Staatstheatern verwenden. Auf die Gegenfrage, dass es so teuer auch wieder nicht sein dürfte, wenn die Bayerische Staatsoper mit Hilfe von Sponsoren einen Großteil ihrer Neuinszenierungen kostenlos streamen könne, bat uns eine Sprecherin um Verständnis, dass der Sender keine Summen kommunizieren könne. Ein Videostream sei "nicht gleichzusetzen mit einer hochwertigen Fernsehübertragung". Diese sei deutlich aufwändiger und teurer als ein Stream.

Seltsam nur, dass die Qualität dieser Streams der Staatsoper für die Veröffentlichung als DVD ausreicht. Es scheint also primär am guten Willen zu fehlen, die (Musik-) Theaterlandschaft Bayerns im Programm abzubilden. An der künstlerischen Qualität liegt es nicht. Auch was die kleineren Theater in Regensburg oder Würzburg oder Passau zeigen, wäre hin und wieder im Bayerischen Fernsehen vorzeigbar, wenn dies seinen Kulturauftrag wirklich ernst nehmen würde.


 
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