Bayerische Theaterakademie Ein bisschen Bieito, eine Spur Sellars - und fabulöse Sänger

Pressekonferenz in Nahost: Szene aus Tilman Knabes Inszenierung von "Adelasia ed Adelermo" Foto: A.T. Schaefer

Johann Simon Mayrs "Adelasia ed Aleramo" an der Theaterakademie im Prinzregententheater

 

Vor fast einem Vierteljahrhundert erschien am Anfang von Händels "Giulio Cesare" der amerikanische Präsident, begleitet von einem leicht überforderten Sicherheitsberater und erklärte die Lage in Nahost. Die von Peter Sellars inszenierte Szene kann man sich auf DVD immer wieder anschauen, ohne dass ihr Reiz verloren geht.

In ganz ähnlicher Weise lässt auch Tilman Knabe im Prinzregententheater einen Präsidenten auftreten. Militär marschiert auf, der Sicherheitsberater verteilt Winkelemente an Kinder, die Presse ist anwesend. Aber leider fehlt der Szene die schwebende Ironie ihres Vorbilds.

Und die Musik ist leider auch nicht von Händel, sondern vom wackeren Johann Simon Mayr. Der schrieb "Adelasia ed Aleramo" 1806 für die Mailänder Scala. Erzählt wird die Geschichte einer Tochter des deutschen Kaisers Otto, die mit ihrem Geliebten Aleramo durchbrannte und nach Jahren wieder auf ihren unversöhnlichen Vater trifft.

Die Musik vermittelt zwischen Mozart und Rossini, aber Geniales wie die Beschwörung der Unterwelt aus der zuletzt im Nationaltheater gespielten "Medea in Corinto" ist nicht dabei.

Frauke Burg meistert die seltsamerweise für einen dramatischen Koloratursopran komponierte Hosenrolle des Aleramo sängerisch wie darstellerisch hervorragend: eine bravouröse Leistung. Auch an Jaewon Yuns Adelasia gibt es nichts auszusetzen. Keith B. Stonum leistet sich als Ottone ein paar flache Töne. Die gesündere Tenorstimme hatte eindeutig Bonko Karadjov als Roberto. Die übrigen Studenten der Hochschule für Musik und Theater bewegen sich auf dem erstaunlich hohen Niveau, an das man sich bei ihren Aufführungen im Prinzregententheater gewöhnt hat.

An den dramatischen Schlüsselstellen lässt der Dirigent Andreas Spering die mit Studenten verstärkte Hofkapelle etwas zu derb dreinhauen. Sonst wird sehr ansprechend historisierend begleitet, was die Musik von ihrer klassizistischen Glätte befreit. Ähnliches hat auch Tilman Knabe mit seinem blutverschmierten Hyper-Realismus im Sinn. Dazu nur so viel: Der Rat der Theaterleitung, vor dem Besuch der Aufführung den 16. Geburtstag abzuwarten, macht seine von Calixto Bieito und anderen geklauten Einfälle interessanter, als sie sind.

Wieder am 26. 2., 3. 3., 6. 3. und 8. 3. im Prinzregententheater, Karten Tel. 21 85-28 99

 

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