Bayerische Staatsoper Verdis "Un ballo in maschera" neu besetzt

Okka von der Damerau als Ulrica in Verdis "Maskenball". Foto: Wilfried Hösl

Ein Oscar für den Oscar: Verdis "Maskenball" in neuer Besetzung im Nationaltheater

 

Auf dem Papier versprach die Aufführungs-Serie von Verdis „Un ballo in maschera“ viel: Luca Salsi, der umwerfende Gerard in „Andrea Chenier“ als Renato, der von Riccardo Muti hoch geschätzte Francesco Meli als Riccardo. Und dann noch Adrianne Pieczonka als Amelia.

Aber leider werden Sänger auch krank – in diesem Fall die beiden Herren. Dann ist niemand wirklich schuld, wenn ein Opernabend sich zäh dahinzieht und nur die Ensemblemitglieder mit vollem Einsatz singen.

Ein erstaunliches Debüt

Zwei Oscars bei diesem „Maskenball“ mit Stummfilmtouch gehen eindeutig an den Oscar. Und zwar nicht nur für Gesang, sondern auch als Sonderpreis für Professionalität und den Respekt vor der ursprünglichen Inszenierungsidee. Elsa Benoit hält – im Unterschied zum eingesprungenen Tenor – das Spiel mit den Puppen nicht nur für eine lästige Pflicht. Sie gibt sich auch Mühe mit der flockig-leichten, eleganten Körpersprache der Inszenierung. Und zuletzt, wenn das Spiel mit den Geschlechterrollen in Ernst umschlägt, geht die junge Künstlerin mit ihrer Stimme und ihrer Darstellung aus sich heraus. Dazu passt ihr mehr lyrisch als technisch geführter Sopran. Eine runde Interpretation – und das bei einem Rollendebüt. Respekt!

Die Staatsoper zählt nicht nur diese famose junge Sängerin zu ihrem Ensemble. Der stets verlässliche und unglaublich wandlungsfähige Ulrich Reß macht aus dem Richter ein kleines Kabinettstück. Okka von der Damerau ist mit ihrem dramatisch flackernden Alt und ihrer machtvollen Erscheinung ohnehin das Zentrum der psychoanalytisch eingefärbten Geschichte, die Johannes Erath in Anlehnung an „Sunset Boulevard“ vor gut einem Jahr erzählt hat.

Uninspirierte Sänger

Und die Gäste? Adrianne Pieczonka brauchte eine Weile, um sich warm zu singen. Das Englischhorn des Bayerischen Staatsorchesters sang in der Romanze „Ecco l’orrido campo“ unvergesslich, die Kanadierin nicht. Im Duett und danach wirkte sie unterkühlt. Aber die Zerrissenheit zwischen ehelicher Treue, schlechtem Gewissen und Leidenschaft ist ihre Sache nicht. Nur beim Abschied von ihrem Kind wurde ihr Gesang eindringlich und persönlich.

Es mag auch an den herzlich uninspirierten Partnern gelegen haben. Dass es sich um ein Eifersuchtsdrama handelt, wurde als bekannt vorausgesetzt, aber kaum vergegenwärtigt. Die beiden Rivalen ähnelten wohlsituierten Sparkassenangestellten aus einer Offenbach-Operette. Und das ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was Verdi sich vorgestellt hat.

Zwei Phlegmatiker

Franco Vasallo sang seine Arien ziemlich phlegmatisch. Ein großer Gestalter ist er nicht – weder musikalisch noch als Darsteller. Der Riccardo wirkte in jeder Hinsicht wie ein Klon Renatos: Stefano Secco wirkte vor allem brav. Sein metallischer Tenor klingt durchaus ansprechend. Aber wenn die Höhe stumpf bleibt, setzt die Anteilnahme des Hörers aus.

Der von Teilen des Publikums ungeliebte Asher Fisch dirigierte routiniert, aber ohne besondere Akzente und unpersönlich. Das passte zu dieser Repertoirevorstellung. Aber manchmal wird das nur schwach glimmende dramatische Feuer bei den Wiederholungen in den nächsten Tagen noch richtig auflodern.

Wieder am 14. und 17. Juni 2017, 19 Uhr, einzelne Restkarten

 

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