Bayerische Staatsoper Schönberg wird schön mit Kirill Petrenko

Patricia Kopatchinskaja, Kirill Petrenko und das Bayerische Staatsorchester im Nationaltheater. Foto: Robert Braunmüller / TV/Medien

Kirill Petrenko, Patricia Kopatchinskaja und das Staatsorchester mit Brahms und Schönberg im Nationaltheater

 

Niemand verliebt sich so leicht in das Violinkonzert von Arnold Schönberg. Aber es kann passieren, wenn dieses sperrige Werk mit vollem Engagement und exakter Vorbereitung so hinreißend aufgeführt wird wie von Patricia Kopatchinskaja und dem Bayerischen Staatsorchester unter Kirill Petrenko im Nationaltheater.

Eigentlich ist ganz einfach, was die Geigerin und der Dirigent da anstellen. Sie legten sich im Vorfeld über jeden Takt Rechenschaft ab. Dann wurde sorgfältig geprobt – was in München nicht alle Dirigenten für notwendig halten. Und schon klingt Schönberg nicht mehr nach einem diffusen Grau in Grau. Sondern die Musik hat etwas zu sagen.

Im ersten Satz arbeiteten Petrenko und die Kopatchinskaja das rhytmische Moment heraus. Sie entdeckten Schönbergs grimmigen Humor. Düsteres umgab lyrische Inseln, einschließlich der Andeutung eines Walzers in den tiefen Streichern, den die Solistin mit champagnerartig moussierendem Pizzicato begleitete. Auch der überraschende Schluss kam pointiert heraus. Vergleichbare Sorgfalt galt dem langsamen Satz und dem grotesken Marsch im Finale, wo bisweilen eine kleine Trommel die Violine untermalt.

Genauigkeit lohnt sich

Petrenko, die Kopatchinskaja und das Orchester haben dieses Stück nicht nur bewältigt, sie haben es so weit im Griff, dass sie es interpretieren und deuten können. Und das teilte sich auch dem so gut wie ausverkauften Nationaltheater mit: Es wurde Bravo geschrien, als sei eben das Tschaikowsky-Konzert erklungen.

Für die Zugaben von Jörg Widmann und Darius Milhaud holte sich die Kopatchinskaja zwei Musiker aus dem Orchester. Nach der Pause folgte die Symphonie Nr. 2 von Johannes Brahms. Und siehe da! Die langsame Einleitung lässt sich sehr wohl so leise und verhalten spielen, wie es in den Noten steht. Das Staatsorchester spielte nicht im Dauervollsaft. Plötzlich wurden Entwicklungen, Zuspitzungen und Dramatiserungen der Themen deutlich. Und es wurde hörbar, wie sich der Klang verhärtet, wenn die Posaunen im Tutti hinzutreten.

Petrenko arbeitete heraus, dass jeder Satz eine konflikthafte Zuspitzung erfährt, ehe im Finale ein ekstatischer Jubel losbricht. Und auch der entwickelte sich in Steigerungen. Petrenko vermied beim Largamente-Thema den üblichen Speckrand, ehe dann eine dionysische Lebensfeier einsetzte, die man Brahms normalerweise nicht zutraut.

Petrenko und das Bayerischen Staatsorchester führten vor, welche Differenzierungen möglich sind, wenn sie den Musikern abverlangt werden. Man muss nur wollen. Und natürlich auch herumtüfteln. Eine Arbeit, die sich manche seiner Kollegen leider sparen. Und dabei war das hier im Nationaltheater nur ein ganz normales Akademiekonzert. Und nicht etwa das Festkonzert zum 125. Geburtstag eines Orchesters.

 

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