Bayerische Staatsoper Opernarien und Duette mit Ekaterina Siurina und Charles Castronovo

Man achte auf die Logen am rechten Bildrand: Beim Konzert von Ekaterina Siurina, Charles Castronovo und Pianist Wolf-Michael Storz waren erstmals wieder Zuschauer dabei. Foto: Wilfried Hösl

Montagskonzert der Bayerischen Staatsoper als Live-Stream im Internet: Die Sopranistin Ekaterina Siurina und der Tenor Charles Castronovo singen Opernarien und Duette

 

Dem ersten Anschein nach passen Ekaterina Siurina und Charles Castronovo nicht wirklich zusammen. Sie singt sehnig, hell, ihr Sopran erreicht Schärfe der Linienführung durch schiere Deutlichkeit, strahlt aber auch mädchenhaften Idealismus aus: wie geschaffen für die Arien der Micaela aus Bizets „Carmen“ oder der Liù aus Puccinis „Turandot“. Er malt stimmlich mit breiterem Strich, sein dunkelgold gefärbter Tenor weist in der Tonproduktion mehr Flächigkeit auf: bestens geeignet für schwärmerische Arien aus Massenets „Werther“ und Verdis „Macbeth“.

Wenn die beiden, begleitet von Wolf-Michael Storz am Klavier, Duette singen, ist nicht der Verschmelzungsgrad das Ereignis, sondern wie die stark individuell klingenden Stimmen durch Reibung Energie erzeugen. Besonders in der großen Szene aus „Roméo et Juliette“ von Charles Gounod stellen sich Ekaterina Siurina und Charles Castronovo zunehmend aufeinander ein, nähern sich an, wachsen aneinander.

Ein Schritt in Richtung Normalität

Nach dem Duett aus „La bohème“ von Giacomo Puccini entschwinden die Liebenden sehr stimmungsvoll in den Weiten des Bühnenhintergrunds. Das geht in diesem Montagskonzert nur, weil sie durch Applaus zurückgeholt werden können. Ansonsten würde der Live-Stream im Internet schon ein arg melancholisches Bild aussenden. Doch zum ersten Mal sitzen wieder ein paar Hörer in der bislang leeren Bayerischen Staatsoper.

So müssen die Solisten des Staatsballetts in den Szenen aus „Spartacus“ und „La Bayadère“ nach ihren eleganten Bewegungen und akrobatischen Drehungen nicht in unbehaglicher Stille abtreten. Und die vorzüglichen Bläser des Staatsorchesters, der Fagottist Moritz Winker und der Oboist Giorgi Gvantseladze, können im Trio von Francis Poulenc ihr ironisches Duell, fabelhaft begleitet von der Pianistin Nino Chokhonelidze, an ein Publikum richten. Der Staatsoper ist mit dieser Öffnung für eine kleine Hörerschaft ein gewaltiger Schritt in die Normalität gelungen.

Den Mitschnitt und den Livestream des nächsten Konzerts am 22. Juni um 20.15 Uhr kann man auf www.staatsoper.tv ansehen. Die Staatsoper ruft zu Spenden für freie Künstler  auf: www.staatsoper.de/news/spendenaufruf-corona.html

 

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