Bayerische Staatsoper "Norma" mit Carmen Gianattasio und Joseph Calleja

Carmen Gianattasio als Norma in der Wiederaufnahme von Jürgen Roses Inszenierung der gleichnamigen Oper von Vincenzo Bellini im Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Carmen Gianattasio, Annalisa Stroppa und Joseph Calleja in Vincenzo Bellinis Oper „Norma“

Das große Duett von Norma und Adalgisa gegen Ende des ersten Aktes der „Norma“ beginnt freundschaftlich und endet tragisch. In dieser Aufführung der berühmtesten Oper von Vincenzo Bellini setzt diese Szene aber auch interpretatorische Maßstäbe. Carmen Gianattasio ist mit ihrem ausladenden Sopran eine durchaus attraktive Titelfigur.

Ihr deutlich vernehmbares Vibrato lädt die unglückliche Priesterin mit packendem Agitato auf, in der Arie „Casta Diva“ verführte sie vorher mit anrührend leisen Melodiebögen. Doch zumindest punktuell perlen die Koloraturen nicht ganz mühelos. Vergleiche zwischen Sängern sind immer unfair, doch man kommt nicht umhin, daran zu erinnern, wie makellos Edita Gruberova das noch vor einigen Jahren gestaltet hat.

Dazu kommt, dass Annalisa Stroppa, die mit dieser kurzfristig übernommenen Rolle an der Staatsoper debütiert, in dieser Szene eine außerordentlich starke Adalgisa verkörpert. Ihr dunkel silbriger Mezzosopran strotzt vor unterdrückter Dramatik. Das Publikum ist gebührend begeistert, dass es zwei gleichberechtigte Darstellerinnen verfolgen kann.

Gut, aber nicht überragend

Schließlich ist Joseph Calleja als Pollione für Gianattasio ein ernstzunehmender Gegenspieler, zumal es dem Malteser besser noch als vor einiger Zeit in Salzburg gelingt, seinen nicht zuletzt in der Mitte und sogar in der Tiefe prachtvollen Tenor in sinnvollen Phrasierungen zu führen. Er reiht die Töne nicht mehr nur gleichmäßig auf, sondern drückt durch sie echte Leidenschaft aus.

Am wenigsten kommt der Titelfigur Mika Kares als Haupt der Druidenpriester Oroveso in die Quere, weil er sich mit seinem imposanten Bass in einer anderen Stimmlage bewegt. Aber im Ganzen verfestigt sich der Eindruck, daß Carmen Gianattasio zwar eine sehr gute Norma ist, aber das Ensemble nicht wie eine „Primadonna assoluta“ überstrahlt.

Die Hitzigkeit des Dramas äußert sich in der aktuellen Besetzung dieser fast dreizehn Jahre alten Inszenierung von Jürgen Rose vornehmlich auf der Bühne. Denn im Graben fühlt sich der italienische Dirigent Daniele Callegari eher für die subtilen Töne zuständig: Das Bayerische Staatsorchester schmeichelt sich mit weich abgerundeten Holzbläserfarben ins Ohr und begleitet ansonsten sorgfältig, bisweilen sogar fast zu schüchtern. Ebenso gepflegt, aber eben nie stolz nach Außen wirkend, tritt der Chor auf. Wenn es jedoch darauf ankäme, die musikalische Handlung einmal zu raffen, Lunten anzuzünden und in Explosionen zu entladen, verharrt Callegari in bedächtiger Gediegenheit. 

Wieder am 9. und 12. Januar im Nationaltheater (Telefon 2185 1920 und unter www.staatstheater-tickets.bayern.de). Die Adalgisa singt in diesen beiden Vorstellungen, wie ursprünglich vorgesehen, Angela Brower

 

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