Bayerische Staatsoper Montagskonzert mit Günther Groissböck

Der Bassist Günther Groissböck mit dem Pianisten Gerold Huber beim Montagskonzert im leeren Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Der Bassist Günther Groissböck, Pianist Gerold Huber sowie Solisten des Staatsballetts und des Staatsorchesters im Montagskonzert

 

Es ist ein schade, dass bei den sehr ansprechend gefilmten Live-Streams aus der Bayerischen Staatsoper die Umbaupausen nicht gezeigt werden. Wie Sänger oder Spieler auftreten, ihre Pulte richten, sich in Position bringen, gehört zum Konzert eigentlich dazu, selbst wenn, wie momentan, keine Besucher da sind, die sich noch eine Zugabe erklatschen.

Die gibt es dieses Mal trotzdem, auch, wenn Günther Groissböck bei der Ankündigung sichtlich traurig anmerkt, dass er die Zuhörer vermisst. In den großen Monolog von Philippe II. aus „Don Carlo“ von Giuseppe Verdi steigert er sich so hinein, dass man nicht nur des Königs Liebesbedürfnis erlebt, sondern auch die Sehnsucht des Sängers nach Publikum.

Naturgewalt aus Niederösterreich

Überhaupt geht der Niederösterreicher, der seinen naturgewaltigen Bass normalerweise maßvoll zügelt, an diesem Abend aufs Ganze: stimmlich wie emotional. Zwar kann er in den russischen Liedern von Peter Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow auch sanft und nobel deklamieren. Dann formt er mit den Händen, mit den Fingerspitzen, einzelne Toneinsätze mit, um deren Stimmung noch genauer zu treffen, spricht etwa in „Snova, kak prezhd’e“ op. 73/6 des späten Tschaikowsky beschwörend einen imaginären Partner an, schaut in „Ne poj, krasavitsa pri mne“ op. 4/4 des jungen Rachmaninow visionär in die Ferne.

Aber mittlerweile ist bei Groissböck auch eine gewisse Rauheit im Tonansatz möglich, etwa in Rachmaninows „Ständchen des Don Juan“ op. 38/1, die diesen Miniaturen gut ansteht, ebenso wie das kehlige Auskosten der russischen Sprache. Dazu hält Gerold Huber die in die Tiefe abgesunkenen Klaviersätze mit seinem kernigen Ton nicht nur überraschend transparent, sodass sie nie klumpen; er gestaltet sie darüber hinaus artikulatorisch interessanter als die meisten seiner Kollegen. Der russische Bär – hier wird er sängerisch und pianistisch gezähmt.

Dass es keine Pause gibt, liegt in der Natur der Montagskonzerte. So wirkt der Kontrast zwischen dem halben Liederabend und dem Kammermusikteil, den ein aus Musikern des Bayerischen Staatsorchesters gebildetes Streichquintett beisteuert, noch unvermittelter.

Im Serenadenton

Dennoch ergeben sich Verbindungslinien zwischen den russischen Elegien und den kurzweiligen „Nachtstücken“ des 1926 geborenen Friedrich Cerha, vor allem im vergleichbaren Widerstreit von dunkler Erregung und kühler Konstruktivität. Das orchestereigene Quintett realisiert diese Spannungen so aufmerksam wie den Serenadenton der „Kleinen Nachtmusik“ G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, in der die Tutti schön rustikal erscheinen: mit lustig schrummendem Kontrabass.

Es herrscht unter den Musikern soviel spürbare Chemie wie in den an den Anfang gestellten Auftritten des Bayerischen Staatsballetts. Die beiden Ersten Solisten Laurretta Summerscales und Yonah Acosta, im Privatleben Eheleute, tanzen den Pas de deux aus „Don Quixote“ von Léon Minkus in telephatischer Übereinstimmung. Wunderbar, wie die beiden sich auf der Opernbühne zunächst voneinander entfernen und dann wie magnetisch wieder zusammenfinden: sie quirlig, er stolz, beide mit akrobatischer Leichtigkeit.   

Den Mitschnitt des letzten Abends und den Livestream des nächsten Konzerts am 8. Juni um 20.15 Uhr auf www.staatsoper.tv. Außerdem ruft die Staatsoper zu Spenden auf, um freie Künstler in der Krise zu unterstützen (Bankverbindung auf www.staatsoper.de/news/spendenaufruf-corona.html)
 

 

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