Bayerische Staatsoper Lorenzo Viotti dirigiert Schnittke und Schostakowitsch

Adrian Mustea, der Solobratscher des Bayerischen Staatsorchesters, mit seinen Kollegen und dem Dirigenten Lorenzo Viotti im Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Das Staatsorchester unter Lorenzo Viotti mit Werken von Schnittke und Schostakowitsch im Nationaltheater

 

Als der Dirigent Marcello Viotti 2005 starb, war sein Sohn Lorenzo noch nicht 15 Jahre alt – und damit zu jung, um von seinem Vater zu lernen, selbst, wenn er damals schon gewusst hätte, dass er einmal in dessen Fußstapfen treten würde. Um so interessanter ist es, heute zu beobachten, ob der mittlerweile bald 30-jährige Lorenzo Viotti Eigenschaften seines Vaters an den Tag legt.

Nach seinem Debüt mit dem Bayerischen Staatsorchester hat man überraschenderweise genau diesen Eindruck nicht. Marcello Viotti war für seine zupackende Art bekannt gewesen, dafür, wie er etwa eine Belcanto-Oper einen ganzen Abend lang unter Hochspannung hielt. Zwar kann auch Lorenzo Viotti energisch den Takt schlagen und bekommt damit das Staatsorchester in der Symphonie Nr. 10 von Dmitri Schostakowitsch ausreichend in den Griff.

Mehr Säure wagen

Besonders die Gewalt des Scherzos, das als Porträt des Diktators Josef Stalin gilt, bringt er in der Staatsoper eindrucksvoll auf den Punkt. Mit den vielen langatmigen Passagen der übrigen Sätze aber kommt Lorenzo Viotti nicht so gut klar. Es gelingt ihm nicht immer, die Formelhaftigkeit der Motive expressiv aufzuladen – woran übrigens vor ein paar Jahren schon Andris Nelsons gescheitert war.

Auch im Violakonzert von Alfred Schnittke interessieren Lorenzo Viotti die stillen Passagen ungleich mehr als die nach Außen wirkenden. Er zeichnet hier das Zeitmaß meist nur vorsichtig vor und animiert so die Orchestersolisten dazu, den ausgesuchten Instrumentalmischungen gedankenverloren nachzulauschen. Wenn sich der junge Dirigent nun noch angewöhnen würde, diesen starken Klangsinn in eine zielgerichtete formale Dramaturgie zu überführen, wäre es perfekt.

Bildhaftes Maskenspiel

Einen gewissen Hang zur Passivität teilt Viotti mit seinem Solisten Adrian Mustea. Dem Solo-Bratscher des Bayerischen Staatsorchesters stoßen die einzelnen Episoden eher zu, als dass er sie, gleichsam neugierig nach vorne drängend, aufsuchen würde. Selbst bei schroffen Dissonanzen wahrt er unbeirrt die Gediegenheit seines Tones und vermeidet so das Klobige, das die Bratsche in der tiefen Lage, sowie das Säurehaltige, das sie in der Höhe haben kann.

Doch Schnittke hat in diesem polystilistischen Werk von 1985, wie häufig, mit komponierten Masken gearbeitet, von frühromantischen Melodiefloskeln bis hin zur unheimlich verfremdeten Salonmusik. Es würde darauf ankommen, dieses Maskenspiel bildhaft vor den Augen der Zuhörer erstehen lassen, nicht alles gleich schön, damit aber eben auch – gleich zu spielen.

 

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