Bayerische Staatsoper Lise Davidsen in Wagners "Tannhäuser"

Lise Davidsen in Wagners "Tannhäuser" im Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Lise Davidsen als neue Elisabeth in Wagners „Tannhäuser“ mit Simone Young am Pult

 

Beim Schlussapplaus sieht man erst so richtig, wie Lise Davidsen sämtliche ihrer Kollegen, gestandene Männer, deutlich überragt. Die Leichenpuppe, die der Regisseur und Ausstatter Romeo Castellucci im dritten Akt seiner umstrittenen Inszenierung von Richard Wagners „Tannhäuser“ eindrucksvoll verwesen lässt, scheint fast zu mickrig, um die Sängerin ganz symbolisieren zu können.

Ihrer imposanten körperlichen Statur entspricht nicht nur eine mächtige, dunkel dramatische Stimme von selten fester Konsistenz, die zu der bisherigen Elisabeth dieser zwei Jahre alten Produktion, der fraulich schwebenden Anja Harteros, ein reizvolles Gegenbild abgibt. Davidsen, die diese Rolle heuer auch in Bayreuth singen wird, kann die „Hallenarie“ überschwänglich vibrieren lassen, fügt aber dieser Figur sonst eine hochinteressante moderne Facette hinzu.

Denn die Dänin denkt nicht daran, das brav opferbereite Wagner-Mädchen zu geben. Vielmehr lässt sie selbst noch in ihrem Gebet im dritten Akt eine untergründige Wut hören, Wut über ihren jederzeit verführbereiten Herzbuben Tannhäuser, bei dem die sinnlich tönende Venus von Elena Pankratova allzu leichtes Spiel hat. Diese Elisabeth ist eine starke Frau, ihr Opfer eine letzte Anklage.

Ein unreifer Gymnasiast auf dem Weg in sein Verderben

So verschiebt die aktuelle Neubesetzung die Verhältnisse, weil Klaus Florian Vogt mit seinem knabenhaften Tenor in der Titelrolle nun noch unreifer wirkt, wie ein Gymnasiast, der mit unermüdlicher, fast naiver Kraftausübung konsequent seinem Verderben entgegenarbeitet. Auch die übrigen Herren, Stephen Milling etwa mit seinem gediegenen Bass als Landgraf, können Davidsen wenig entgegensetzen. Einzig Ludovic Tézier als Wolfram – sein Vorgänger war Christian Gerhaher – verströmt einen solchen kernig schönen Belcanto und deklamiert so charismatisch, dass er auf ähnliche Weise die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann wie Davidsen.

Die Neuzugänge hätten eine packendere Begleitung verdient gehabt. Simone Young jedoch verbreitet im Graben freundliche Langeweile. Ihre Tempi hängen oft leicht durch, stellenweise tritt die Musik auf der Stelle, ohne dass sich daraus eine nennenswerte Detailfülle ansammeln würde.

Dem Bayerischen Staatsorchester gibt Young zu wenige Impulse, es fehlen Akzente, die rhythmische Dimension der Partitur wird unterbelichtet. Die Ensembles im zweiten Akt, in der Premiere unter Kirill Petrenko präzise und durchhörbar, klingen so unübersichtlich, wie es man von mittelmäßigen Aufführungen gewohnt ist.

Wieder am 9. Mai (17 Uhr, teure Restkarten) und am 12. Mai (16 Uhr, ausverkauft). Infos an der Kasse unter Telefon 2185 1920

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading