Bayerische Staatsoper Die Kinderoper „Spring doch“ von David Bösch und Gordon Kampe

Ein Standbild aus der Verfilmung von „Spring doch“. Foto: Bayerische Staatsoper

Die Kinderoper „Spring doch“ von David Bösch und Gordon Kampe als Online-Uraufführung

 

Der erste Zweck jeder Kinderoper ist es, Kindern zu gefallen. Für einen Kritiker empfiehlt es sich daher immer, auch das Publikum im Saal zu beobachten und zu befragen. Da das in diesem Fall nicht geht, wird die eigene siebenjährige Tochter engagiert, die sich gegen Zusage eines stolzen Teils des Honorars bereiterklärt, die Kinderoper „Spring doch“ auf dem Computerbildschirm anzusehen und danach zu bewerten.

Der Film, seit kurzem auch im Netz verfügbar, ist eine auf 35 Minuten verkürzte Vorabfassung der Uraufführung, die coronabedingt auf Dezember dieses Jahres verschoben wurde. In Auftrag gegeben wurde das Stück von der Bayerischen Staatsoper, entstanden ist es nach einer Idee des Regisseurs David Bösch, des Bühnenbildners Patrick Bannwart und des Kostümbildners Falko Herold nach einem Libretto von Andri Beyeler.

Kinderoper im Kindertest

Die Handlung findet bei der kindlichen Kritikerin Zustimmung. Es gefällt ihr gut, dass das Mädchen Lena „am Anfang schüchtern ist und schlecht in Sport“, dann aber ihre Ängste überwindet und vom „Dreier“, dem furchteinflößenden Dreimeterbrett, springt. Ein „bisschen langweilig“ fand die Tochter die Szene, in welcher Lenas Vater (Martin Snell) die Wäsche macht, gestört haben sie lange schrille Töne, und wenn man im Film echte Menschen zeige, dann solle bitteschön auch alles echt sein.

Was sie damit meint, ist die Kombination von Realverfilmung und Animation. Tatsächlich kann die eher ungelenke Art, mit der Anna-Lena Elbert als Lena in die noch dazu kruden Zeichnungen eingefügt ist, mit vergleichbaren Fernsehproduktionen nicht mithalten.

Ein paar Anmerkungen hat aber auch der Vater noch. Gute Kinderfilme schaffen das Kunststück, auch die erwachsenen Begleitpersonen anzusprechen, meist, indem sie für diese interessante Anspielungen einbauen. Eine solche Ebene fehlt aber dem Film sowie der Musik von Gordon Kampe.

Womöglich zu sehr gekürzt?

Der Soundtrack liefert mit Klavier und Schlagzeug kaum mehr als einen unbeteiligten Hintergrund, eine Kulisse, in der Anna-Lena Elbert mit ihrer an sich schönen Stimme ihre Figur auf vielen wiederholten Tönen, formelhaften Motivfetzen und in ungelenker Textvertonung singt. Zentrale Momente der Handlung, etwa die Unsicherheit des Mädchens vor dem Sprung und ihre Erleichterung danach, die nach Musik schreien würden, werden verschenkt. Das ist eigentlich bei einer Komposition für die Oper unentschuldbar. Wenn Kampe hingegen Bekanntes von Mozart und Puccini zitiert, tut er dies beliebig, ohne dass eine Pointe dabei herausspringen würde.

Die Nagelprobe, ob die Tochter sich den Film vielleicht noch einmal anschauen möchte, besteht „Spring doch“ denn auch nicht: „Nein, Danke“. Bei der eigentlichen Uraufführung im Dezember muss man sehen, ob das Stück in der ungekürzten theatralischen Version einen stärkeren Eindruck macht – und zwar auf Kinder wie Erwachsene.

Der Film ist noch bis Dezember auf www.staatsoper.tv verfügbar. Die Premiere der Kinderoper ist für den 4. Dezember um 17 Uhr im Rennert-Saal angesetzt

 

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