Bayerische Staatsoper Christian Gerhaher singt Schubert und Dvorák

Christian Gerhaher und Gerold Huber beim Montagskonzert im leeren Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Christian Gerhaher und Gerold Huber im Montagskonzert der Bayerischen Staatsoper

 

Es lohnte sich schon immer, genau hinzuhören, wenn Christian Gerhaher singt. Daher ist ein Liederabend von ihm und seinem ständigen Begleiter Gerold Huber auch so gut für eine Live-Übertragung ohne Publikum aus der verlassenen Bayerischen Staatsoper geeignet.

Denn durch die dazwischengeschalteten Mikrophone sind wir der Stimme ganz nah und können wie unter dem Brennglas verfolgen, wie Gerhaher sein Legato entweder wie kostbares Tuch auslegt oder mit untergründiger Energie anspannt, wie er einen langen Ton ausschwingen lassen und in die Stille zurückführen kann, wie sich bei ihm Melodie und Text nie in die Quere kommen.

Besondere Freude hat er in den „Biblischen Liedern“ von Antonín Dvorák an der tschechischen Sprache mit ihren Zischlauten und gerollten Konsonanten, welche einzelne Wörter reizvoll aufrauen. Vor allem aber kann er diese oft sehr privaten, wie Gebete anmutenden Glaubensübungen gebührend schlicht singen – was bei einem so reflektierten Sänger schon etwas heißt.

Der perfekte Duo

Nur, wenn es die Musik wirklich hergibt, lässt Christian Gerhaher in seinen Vortrag religiöse Inbrunst einfließen, doch stets angenehm sparsam dosiert. Dazu erfüllt Gerold Huber die meist einfach gehaltene Begleitung mit rhythmischer Emphase, legt Herz hinein, Fülle und Sinnlichkeit. Haben die beiden Niederbayern durch die Grenznähe ihrer Geburtsregion eine besondere Beziehung zum Tschechischen?

Auch in den „Abendbildern“ von Hugo Wolf nach Gedichten von Nikolaus Lenau beweist Huber, dass er mehr ist als ein bloßer Begleiter: ein pianistischer Partner, der in den anspruchsvollen Zwischenspielen dieser kleinen Kantate eigenes Profil gewinnt. Die acht ausgewählten Lieder schließlich, die Franz Schubert auf Texte seines Freundes Johann Mayrhofer schrieb, präsentieren eine wahre Folge von interpretatorischen Wundern: wie etwa in „An die Freunde“ der starre Totenmarsch subtil an Bewegung gewinnt, wie die baritonale Höhe in „Sehnsucht“ vergnügt jubelt, wie im „Abendstern“ D 806 das zwielichtige Hell-Dunkel durch die sanfte Deklamation fast unheimlich wird. Und im „Gondelfahrer“ D 808 ahmen sich die Stimme und ihre Verdopplung in der schattenhaften Klavierbegleitung gegenseitig mit sensationeller Genauigkeit nach.

Wenn es angesichts der derzeitigen Situation nicht makaber klänge, könnte man sagen, dass die intime Liedkunst des Duos Gerhaher/Huber geradezu wie geschaffen ist für die Live-Übertragung aus dem menschenleeren Raum – auf die wir uns ja noch für eine gewisse Zeit einstellen müssen.

Den Mitschnitt des letzten Abends und den Livestream des nächsten Konzerts am 11. Mai um 20.15 Uhr auf www.staatsoper.tv. Die Staatsoper ruft zu Spenden auf, um freie Künstler in der Krise zu unterstützen. Die Bankverbindung unter www.staatsoper.de/news/spendenaufruf-corona.html
 

 

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