Bayerische Staatsoper Benjamin Bernheim als Herzog in Verdis "Rigoletto"

Verdis "Rigoletto" im Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Der französische Tenor Benjamin Bernheim debütiert an der Bayerischen Staatsoper in Giuseppe Verdis "Rigoletto"

 

Lässig steht dieser Herzog herum, gelangweilt gar. Er verzieht kaum eine Miene, produziert aber wunderschöne Töne. So salopp könnte man Benjamin Bernheims Debüt an der Bayerischen Staatsoper beschreiben. Wohlgemerkt passt seine Ungerührtheit gut zur Rolle des verantwortungslosen Verführers, der Giuseppe Verdi in seiner Oper "Rigoletto" nicht einmal einen Namen gegeben hat. Auch von der sieben Jahre alten Inszenierung (Árpád Schilling) gehen keine Impulse mehr aus. Wer also bei dieser Figur Leidenschaft erwartet, wird enttäuscht.

Rein sängerisch jedoch bietet Bernheim höchstes Niveau. Sein Tenor ist sehr angenehm timbriert, weich und von klarer Kontur, eher lyrisch, aber durch die substanzvolle Tiefe durchaus männlich. Er muss sich nicht groß anstrengen, um sich zu den Spitzentönen emporzuschwingen, geschmackvolle Phrasierung ist auch in der hohen Lage möglich.

Dunkelheit, südländische Dämonie, den typisch italienischen Zungenschlag hat der in Paris geborene und in der Schweiz aufgewachsene Bernheim nicht, doch das ist für sich genommen kein Manko. Es ist dies eben ein eher mitteleuropäisch maßvolles Porträt der Rolle, die eine solche Anlage durchaus hergibt.

Erin Morleys Gilda behauptet sich mit graziler Leichtigkeit 

Geht man nach dem Schlussapplaus im Nationaltheater, steht Ludovic Tézier in der Gunst des Publikums allerdings ein wenig höher. Auch ganz ohne körperliche Deformierung – Rigoletto ist ja eigentlich ein buckliger Hofnarr – macht er die Außenseiterrolle der Titelfigur unmittelbar erfahrbar. Tézier gelingt dies allein mit sängerischer Intensität. Sein glatter Bariton ist dicht geführt und von der knackigen Tiefe bis zur schmelzenden Höhe makellos ausgeglichen. Ohne jedes Forcieren oder gestische und stimmliche Zutaten erzeugt Tézier eine geradezu knisternde Spannung, weil er die Sorge um seine Tochter und die Angst vor dem leitmotivischen Fluch eher unterdrückt zum Ausdruck bringt: eine gesanglich wie psychologisch meisterliche Charakterisierung.

In der Rolle der Gilda schafft es Erin Morley, sich zwischen dem schönen Leichtsinn des Herzogs und der Unterdrückung durch den Vater zu behaupten. Mit ihrem mädchenhaft zierlichen, doch kraftvoll geschlossenen Sopran bewegt sie sich in der durchgehend hohen Lage dieser Figur, die ständig abzuheben scheint, mühelos und kann sogar die leicht angesetzten Spitzentöne noch mit einem kontrollierten Vibrato beleben. Wie das im Ganzen hervorragende Ensemble das Drama dieses Stückes auf die Bühne bringt, ist um so höher zu bewerten, je weniger Akzente aus dem Graben kommen.

Paolo Carignani leitet das Bayerische Staatsorchester nicht nur nachlässig, sondern vermag es darüber noch nicht einmal, den Sängern aufmerksam zu folgen, wenn sie sich kleine Freiheiten nehmen.

Weitere Vorstellungen in dieser Besetzung am 10. und 13. November, Karten unter Telefon 21 85 19 20 und auf www.staatstheater-tickets.bayern.de. Soeben ist Benjamin Bernheims Debüt-Album mit italienischen und französischen Arien erschienen (Deutsche Grammophon)


 
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