Bayerische Staatsoper Axel Ranisch über "Mavra/Iolanta"

Regisseur Axel Ranisch. Foto: dpa

Axel Ranisch inszeniert mit dem Opernstudio einen Doppelabend mit Einaktern von Tschaikowsky und Strawinsky im Cuvilliéstheater

 

Das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper fördert hochtalentierte junge Sänger und bereitet sie praxisbezogen auf eine Karriere als Opernsänger vor. Einmal im Jahr stellt sich der Nachwuchs mit einer eigenen Produktion im Cuvilliéstheater vor. Axel Ranisch, bekannt und ein wenig berüchtigt wegen zweier halbimprovisierter Ludwigshafener „Tatort“-Folgen mit Laiendarstellern, bringt Peter Tschaikowskys Einakter „Iolanta“ mit Igor Strawinskys „Mavra“ zusammen.

AZ: Herr Ranisch, viele Regisseure fremdeln mit dem Prunk im Cuvilliéstheater. Sie auch?
AXEL RANISCH: Ich habe keine Angst vor Kitsch. Es ist viel Zier und Gold, aber das schockt mich nicht.

Sie haben als Jugendlicher begonnen, Klassik-Platten zu sammeln. War da Tschaikowskys „Iolanta“ auch dabei?
Nein. Diese Oper ist erst in letzter Zeit durch konzertante Aufführungen mit Anna Netrebko bekannter geworden. Ich selbst habe Tschaikowsky erst nach Strawinsky für mich entdeckt. Mit 13, 14 packte mich der Expressionismus, vor allem der russische von Prokofjew, Schostakowitsch und Strawinsky. Das war mein Metallica oder Rammstein. Tschaikowsky hat dann die späteren Jahre meiner Pubertät begleitet.

Gibt es die beiden Opern nacheinander oder ineinander?
Wir teilen „Mavra“ in drei gleiche Teile und benutzen sie als Prolog, Intermezzo und Epilog für die Geschichte der Prinzessin Iolanta. Die hat ein großes Pathos, das noch schöner wird, wenn man es unterbrechen kann – wie die Zitrone auf einem schönen Dessert. Es gibt auch zwei Orchester: das große im Graben und sechs Musiker für „Mavra“ auf der Bühne.

Wie verbinden Sie die beiden Opern?
Iolanta ist gefangen in einem goldenen Käfig. Es fehlt ihr an nichts außer der Freiheit und dem Wissen, dass sie blind ist. Ich lasse sie mit Puppen spielen. In diesem Spiel erkennt man, dass sie in die Pubertät geraten ist, einem Alter, in dem man nicht mehr alles schluckt.

Und das Puppenspiel ist dann „Mavra“?
Die Liebesgeschichte zwischen Wassili und Parascha ist komisch und anzüglich – kein Kinderspiele mehr. Ich habe auch einige Rollen doppelt besetzt: Die Amme der Iolanta spielt auch Mavras Mutter.

Sie haben an der Staatsoper erst ein Kinderstück inszeniert, dann Haydns „Orlando paladino“. Nun arbeiten Sie mit dem Opernstudio. Gibt es da Unterschiede?
Einerseits sind das fertige Sänger mit atemberaubend guten Stimmen. Aber sie haben noch nicht so viel Bühnenerfahrung. Auf der einen Seite muss man manches noch üben, auf der anderen ist vieles noch nicht so festgefahren. Die jungen Sänger sind bereit, in Puppenkostüme zu schlüpfen und akrobatische Dinge zu machen. Diese Offenheit und Lust ist ganz erstaunlich.

Drehen Sie noch mal einen „Tatort“?
Es gibt momentan keine aktuelle Anfrage. Ich verfilme meinen Roman „Nackt über Berlin“ als Sechsteiler, außerdem arbeite ich für die Kindersendung „Löwenzahn“. In einem Jahr inszeniere ich „Rigoletto“ in Lyon. Momentan könnte ich meinen Terminkalender mühelos bis 2023 mit Opern füllen. Aber ich möchte auch weiter Filme drehen und Bücher schreiben.

Die Oper hat einen unersättlichen Hunger nach Quereinsteigern.
Das kommt aus einer tiefen Sehnsucht nach einem anderen Ansatz, nach mehr Sinnlichkeit. Wir haben 50 Jahre lang im Theater eher Distanziertes erlebt, und das verschreckt jüngere Zuschauer eher. Ich denke, Oper muss wieder verspielter, sinnlicher werden und nicht das Licht anmachen, wenn Mimì gerade ihre schönste Arie singt.

Die heutige Premiere von „Mavra“ und „Iolanta“ um 19 Uhr ist ausverkauft, ebenso am 18., 20., 22., 25. und 28. April. Infos unter Telefon 2185 1920

 

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