Bayerische Staatsoper Alte und neue Musik mit Julian Prégardien und dem Opernstudio

Julian Pregardien (3. von links) und die Musiker des Staatsorchesters auf dem coronabedingt erweiterten Orchestergraben. Foto: Wilfried Hösl

Julian Prégardien, Mitglieder des Opernstudios und des Staatsorchesters mit alter und neuer Musik im Montagskonzert der Bayerischen Staatsoper

 

Sehr viel verschiedenartiger könnten die Montagskonzerte der Bayerischen Staatsoper kaum mehr werden: Es beginnt mit Barockmusik, dann tauchen wir in die Welt des romantischen Tanztheaters ein – in den Szenen aus „Le Corsaire“ wirbeln die Solisten des Bayerischen Staatsballetts grazil über die Bühne –, schließlich trägt der sängerische Nachwuchs zeitgenössische Klavierlieder vor. Würde sich dieser Trend zur Diversität fortsetzen, stünden wohl bald mittelalterliche Motetten am Anfang und würden in Free Jazz münden.

Doch leider enden die Montagskonzerte dieser Saison nächste Woche, übrigens mit einem gemäßigt modernen Programm. Obwohl die einzelnen Programmpunkte stilistisch auseinanderstreben, steht am Ende nicht bloß ein Kessel Buntes. Was alle Musiker dieses Abends verbindet, ist ihre spielerische Leichtigkeit. So lässt Katharina Kutnewsky die Piccolo-Blockflöte, das höchste, wie entleibt wirkende Blasinstrument, das es gibt, im Konzert C-Dur RV 443 von Antonio Vivaldi aus der Vogelperspektive tirilieren, unbeschwert, doch nicht kopflos, locker begleitet von Streichern des Bayerischen Staatsorchesters.

Dazu passt der schlanke Tenor von Julian Prégardien. Seine Stimme ist eher glatt als materialreich widerständig, doch büxt er in den frühbarocken Arien nicht in die Neutralität aus, weil er deren Affekte im Vortrag sehr anschaulich mitteilen kann: Geduld in der Arie von Philipp Heinrich Erlebach, tänzerische Leidenschaft in derjenigen aus Monteverdis „L'Orfeo“.

Eine schöne Notlösung

Fast noch individueller wirken die drei jungen Menschen aus dem Opernstudio. Juliana Zara kann mit ihrem koloratursicheren Sopran mühelos in die Höhe hinaufgleiten oder gleich tupfend dort einsetzen und von oben herunterlachen. Ihre lebhafte Mimik macht die eher unpersönlich gehaltenen Lieder „Ophelia Sings“ von Wolfgang Rihm ungeahnt ansprechend.

In drei französischen Mélodies von Ernest Chausson verbreitet Noa Beinart in der Tiefe zartbittere Melancholie, ihre Alt-Stimme wird im Verlauf noch geschmeidiger und gewinnt an Obertönen. Schon mit den ersten Tönen aufhören lässt Caspar Singh, nur hätte man ihm ein interessanteres Repertoire gewünscht als die bloß nett volkstümlichen „Shakespeare Songs“ von Roger Quilter. Sein Tenor ist schön timbriert, vor allem aber fokussiert, strebt kraftvoll in eine Richtung, ohne sich je zu verspannen.

Auch, wenn die Montagskonzerte eine Notlösung für Coronazeiten sind, hat es die Staatsoper doch verstanden, sich dort in ihrer ganzen Buntheit zu präsentieren.
        
Den Mitschnitt des letzten Abends und den Livestream des nächsten Konzerts am 29. Juni um 19.30 Uhr kann man auf www.staatsoper.tv ansehen. Weiterhin ruft die Bayerische Staatsoper zu Spenden auf, um freie Künstler in der Krise zu unterstützen (Bankverbindung auf www.staatsoper.de/news/spendenaufruf-corona.html)

 

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