Bande vor Gericht Falsche Polizisten zocken Senioren 61 000 Euro ab

Die Angeklagten (v. l.) Alexander G., Walter M., David M., Markus M. und Danny M. sollen Rentner um mehrere tausend Euro abgezockt haben. Foto: Daniel von Loeper

Sie sollen sich als Falschgeldfahnder ausgegeben und ihren Opfern so das Bargeld aus der Tasche gezogen haben. Jetzt stehen die fünf Männer vor Gericht.

München - Sie geben sich als Polizeibeamte oder Bankangestellte aus, locken Senioren am Telefon in die Falle und zocken sie dann um mehrere Tausend Euro ab. Fünfzehn Mal sollen die fünf Männer, die seit Mittwoch im Landgericht München auf der Anklagebank sitzen, so vorgegangen sein, zehn Mal erfolgreich. Zu den Taten schweigen sie – bis auf einen.

Die Betrüger täuschen vor, nach Falschgeld zu suchen

Der Trick, den vier der Männer laut Anklage angewandt haben sollen, war meist nach demselben Muster gestrickt. Walter M. (40) und David M. (29) kontaktierten Rentner per Telefon. Mal gaben sie sich als Polizeibeamte aus, als Herr "Obermeyer", "Meyer" oder "Schreiber", mal als Bankangestellte. Sie brachten die älteren Männer und Frauen dazu, die Seriennummern ihres Bargelds vorzulesen. Angeblich, weil sich darunter Falschgeld befinden könnte.

Sie machten den Geschädigten weis, dass es sich bei allen Scheinen, in denen in der Seriennummer ein "X" vermerkt war, um Blüten handele, die man abholen müsse. "X" ist jedoch einfach das Länderkennzeichen für Deutschland. Kurz darauf klingelte Danny M. (26) bei den Geschädigten und ließ sich die Scheine aushändigen.

Hatten die Betroffenen kein Bargeld, sollen die Angeklagten sie dazu gebracht haben, mehrere Tausend Euro bei ihrer Bank abzuheben und einem "Polizisten", also einem Mitglied der Bande, zu übergeben. Einer Frau aus Laim sollen die Männer so einmal 7.000 und bei einer zweiten Tat 10.000 Euro abgenommen haben, einer weiteren aus Brannenburg sogar 17.200 Euro auf einmal.

Insgesamt sollen 61.000 Euro erbeutet worden sein. Andere Male glückte es nicht, weil Bankangestellte verhinderten, dass die Senioren die Summen abhoben oder weil eine Frau Danny M. die Tür vor der Nase zuschlug. Alexander G. (40) soll die Taten koordiniert, Markus M. (32) soll einen Teil des erbeuteten Geldes angenommen haben.

Vier schweigen, einer packt aus

Im Gerichtssaal herrscht am Mittwochmorgen die Atmosphäre eines Familientreffens. Auf der Anklagebank sitzen Onkel und Cousins, die Angeklagten sind familiär verbandelt, im Zuschauerraum ihre Mütter, Väter und andere Verwandte. Es ist ein wahres Unterstützerkomitee, das es sich im Saal B275 bequem gemacht hat. Der Vater von Walter M. gerät sogar mit dem Vorsitzenden Richter aneinander, weil der ihm zu leise redet: Auf der Zuschauerbank verstehe man nichts.

Das bringt dem Familienoberhaupt beinahe 200 Euro Bußgeld ein. Doch dann bröckelt der Familienfrieden etwas, als der Richter beginnt, den letzten Angeklagten, Danny M., zu befragen. Seine Onkel und Cousins haben die Aussage verweigert, Danny M., der Geldabholer, packt aus. Als er aussagt, verlassen mehrere Familienangehörige den Zuschauersaal.

 

Die Opfer verlieren mehrere tausend Euro

Er sei Autohändler und habe "ein bisschen Geldprobleme gehabt". Das habe auch seine Familie erfahren, als er ein, zwei Monate vor den ersten Taten seine Mutter besucht hat. Mit seinen Verwandten hatte er davor lange keinen Kontakt. Warum, will er nicht sagen. Alexander G. habe ihm dann den Plan mit den falschen Polizisten vorgeschlagen.

Die Adressen der Opfer habe er dann immer per SMS oder telefonisch bekommen. Das ging einige Male gut, bis zum 9. Juli 2015, als Danny M. bei einer Frau in Laim 16.300 Euro abholen sollte. Dazu kam es nicht mehr. Noch vor der Geldübergabe wurde Dany M. verhaftet – und das Betrügergeschäft so beendet. Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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