Baiesi selbstkritisch Analyse nach dem frühen Aus: Die Fehler der Bayern-Basketballer

Bayerns Sportdirektor Daniele Baiesi hinterfragt nach dem frühen Aus der Basketballer seine eigene Kaderplanung. Foto: imago images / BBL-Foto

Die FC Bayern Basketballer planen nach dem Aus die Zukunft. Baiesi will "aus meinen Fehlern lernen".

 

München - Nach den regnerischen vergangenen Tagen waren die dunklen Wolken über dem Audi Dome verschwunden. Bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen entschied sich Daniele Baiesi, die Presserunde, zu der der Sportdirektor des FC Bayern Basketball am Dienstagvormittag eingeladen hatte, spontan von der Business Lounge der Halle ins Freie und in den direkt benachbarten Biergarten zu verlegen. In Zeiten der Corona-Krise konnte er dort ungestört und natürlich auch unter Einhaltung der notwendigen Abstandsregeln seine Analyse des verpatzten Meisterturniers präsentieren.

"Wir haben ein paar Spieler exekutiert. Der Coaching-Staff steht heute vor Gericht. Und morgen bin ich dran", begann er mit beißendem Sarkasmus und lachte. Das erste Viertelfinalaus der Bayern seit 2012 und das damit nun titellose Jahr wird dennoch nicht ohne – wenn auch weniger dramatische – Folgen bleiben. Eins der größten Versäumnisse sieht der Kaderplaner bei sich selbst.

Ausfall von Djedovic war nicht zu kompensieren

"Der Fehler war, einen Kader zu bilden, der klar von einem Spieler abhängt", sagte Baiesi. Nihad Djedovic sei als "Eckpfeiler" vorgesehen gewesen, der Finals-MVP von 2019 fehlte jedoch ab Februar und auch beim Meisterturnier. "Er ist der einzige, bei dem wir uns nicht erlauben konnten, dass er sich verletzt. Einer meiner klaren Fehler war, dass wir uns niemals davor geschützt haben." Einen gleichwertigen Eins-zu-eins-Ersatz gibt es im aktuellen Kader sowieso nicht.

Und auch als Mannschaft konnten die Bayern Djedovics Abwesenheit genauso wenig kompensieren wie die von Topscorer Greg Monroe. "Da müssen eigentlich andere für sie eintreten. Wenn das nicht passiert, läuft etwas schief." Was genau, das müsse man nun analysieren. "Wir waren gesegnet von den Erfolgen der vergangenen Jahre", merkte Baiesi selbstkritisch an: "Daraus hätten wir etwas Stabileres aufbauen müssen, an dem man sich anlehnen kann."

Auch Oliver Kostic, der nach der Entlassung von Dejan Radonjic im Januar vom Co- zum Cheftrainer aufgerückt war, schaffte es nicht, das Team mit seinem Konzept wieder auf Kurs zu bringen. Das, räumte Baiesi ein, sei bis zuletzt nur eine Ansammlung von individuell starken Einzelspielern geblieben und nie eine richtige Mannschaft geworden.

FC Bayern: Die Trainerfrage ist kein Tabu

Auch auf der Trainerposition stehen die Zeichen klar auf Neuausrichtung. "Es ist zu früh. Wir müssen zuerst verstehen, was wir machen wollen", sagte Baiesi auf AZ-Nachfrage zu Kostics Zukunft. "Wir müssen eine klare Idee entwickeln, wofür wir stehen und wohin wir wollen", führte er aus: "Ansonsten haben wir am Ende ein Auto mit sechs Rändern, das aber nicht richtig fährt, weil vielleicht der Motor fehlt."

Der Italiener sprach von einem physisch und mental frustrierendem und ermüdendem Jahr und blieb im Bild: "Wir sind superschnell gefahren und plötzlich hat jemand die Handbremse gezogen." Er sei "zuversichtlich, dass ich aus meinen Fehlern lerne, wir aus unseren Fehlern lernen – und wir nächstes Jahr wieder über ganz andere Dinge reden werden".

Zukunft von Leistungsträgern ungewiss

Monroe, dessen Vertrag genau wie der von Mathias Lessort, Danilo Barthel und Maodo Lo ausläuft, wird kein Teil des bayerischen Rennwagens mehr sein. "Ich glaube nicht, dass er zurückkommt", sagte Baiesi über den Ex-NBA-Profi: "Er ist ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können." Während bei Lessort die Tendenz ebenfalls Richtung Abschied geht, soll Barthel gehalten werden. "Wir haben die ganze Zeit über mit unserem Kapitän gesprochen", sagte Baiesi.

Aufgrund des noch ungewissen Budgets müsse er dabei "jeden Cent zählen". Barthels Saison-Exit-Interview, das Baiesi mit jedem Spieler führt, steht am Mittwochvormittag an. Unmittelbar nach dem Pressetermin erwartete er dazu bereits gestern Lo. Und zwar ebenfalls bei entspannter Atmosphäre unter Kastanienbäumen im Biergarten.

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