BA-Chef im AZ-Interview Andreas Klose: "Alexander Miklosy war mein politischer Mentor"

 Foto: Daniel von Loeper

Andreas Klose von der Rosa Liste ist der neue schwule „Bürgermeister" des Glockenbachviertels. Damit tritt der bekennende Single die Nachfolge von dem vor zwei Monaten verstorbenen Alexander Miklosy an.

 

München - Andreas Klose stammt aus Bonn, arbeitet ehrenamtlich im Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum Sub – und ist bekennender Single. Der Mann von der Rosa Liste ist der neue Vorsitzende des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Am Dienstag wählte das BA-Gremium den 52-jährigen Kreditanalysten zum Nachfolger von Alexander Miklosy, der vor zwei Monaten an Krebs starb (AZ berichtete).

Im weißen Hemd, in der Hand einen gespitzten Bleistift, leitete Andreas Klose seine erste Sitzung in der Gaststätte „Zunfthaus" in der Thalkirchner Straße: freundlich, neutral und strukturiert. Die Kollegen schätzen an Andreas Klose zum Beispiel „dass er niemals blank ist bei einem Thema, fast schon überinformiert...". Ein Mitstreiter von der Rosa Liste meint anerkennend: „Als Analyst ist er natürlich sehr präzise und akkurat."

AZ: Herr Klose, Gratulation zum neuen Amt. Nur: Wie sehr fehlt Alexander Miklosy?

ANDREAS KLOSE: Er fehlt mir. Ein großer Teil von mir ist noch in Trauer, aber er ist nicht unerwartet gestorben. Alexander war mein politischer Mentor und ein guter Freund. Seit 2000 haben sich unsere Wege über die Rosa Liste häufig gekreuzt.

Der ausgleichende Alexander Miklosy war extrem beliebt: Als bekannter Münchner Aktivist der Schwulenbewegung und als Chef des BA 2. Wie ist es, seine Nachfolge anzutreten?

Alexander war ein sehr charismatischer und positiver Mensch. Für ihn war das Glas immer halbvoll, er hat viele Leute ermutigt. Das Menschliche stand bei ihm im Vordergrund. Denn er hat die Menschen genauso genommen, wie sie waren. Meine erste Sitzung als Vorsitzender war vertraut – aber auch komplett neu. Wie Alexander werde ich ein Mikrofon für die Leitung der Sitzung brauchen, denn ich schreie die Leute ungern an. Ich bin ein Mann der leisen Töne.

Sie haben 20 von 22 Stimmen bekommen: Wie finden Sie es, dass als neuer Chef des Stadtviertelparlaments wieder ein Mitglied der Rosa Liste gewählt worden ist?

Es macht mich stolz, dass die Rosa Liste erneut den Bürgermeister des Viertels stellt. Dieses Mandat hat Leuchtturmcharakter für die schwul-lesbische Community im Viertel. Unsere schwul-lesbische Wählerinitiative in München ist weltweit wirklich einmalig. Das möchte ich betonen. Paris hat zwar einen schwulen Bürgermeister, auch deutsche Städte hatten mit Klaus Wowereit oder Ole von Beust schon schwule Bürgermeister – die kommen aber immer von etablierten Parteien, nicht von einer eigenen Liste.

Gleichstellung und Diversity werden selbstverständlicher. Braucht es heute noch die extra Rosa Liste?

Ja sicher, wir sind nicht dort, wo wir sein möchten. Wenn ich mir weltweit und hier die politische Situation ansehe, mit den rechten Strömungen und dem Erstarken des rechten Rands, ist es für mich wichtig, Gegenpol zu sein. Wir von der Rosa Liste fordern nicht nur Toleranz, wir geben sie auch. Jeder soll im Glockenbachviertel leben können. Leider nimmt gesellschaftlich die Aggression gegen LGBT zu. Wir kämpfen weiter für Gleichberechtigung, gerade für ein verbessertes Adoptionsrecht für lesbische Frauen.

Was wünschen Sie sich für Ihren Stadtteil?

Ich bin Fahrradfahrer, habe seit 20 Jahren kein Auto. Mein größter Wunsch für das Glockenbachviertel ist eine sehr gute Fahrraddurchquerung. Im Quartier sollen Räume an die Bürger und Fußgänger zurückgegeben werden. Unser Bezirk soll gemütlicher werden. Ich setze auf friedliche Begegnungen und guten Austausch, wie beim Stadtteilfest IsarLudwig.

Sie lieben Sport und haben lange Turniersquash gespielt. Außerdem sind Sie großer Eisenbahnfan – und das, wie zu hören ist, nicht nur von echten, großen Zügen

Im Urlaub bin ich mit der Bahn unterwegs, nach Barcelona oder nach Oslo. Und ja, ich habe eine Modelleisenbahn Märklin HO digital. Wenn sie aufgebaut ist, füllt sie den ganzen Boden meines Arbeitszimmers.

 

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