AZ testet Alternativen Putzen mit Hausmitteln statt Chemie - so gut geht's

Manche Hausmittel können die Substanzen aus den Flaschen ersetzen. Foto: dpa

Die AZ hat Alternativen zu herkömmlichen Putzmitteln getestet – vom Backpulver für den Abfluss bis zur Zitrone fürs Waschbecken.

 

München - Wie viele Putzmittel haben Sie im Schrank? Bei vielen dürften sich zig Flaschen und Tuben aneinander reihen. Fakt ist: Jährlich werden in Deutschland mehr als 1,3 Millionen Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel an private Haushalte verkauft. Davon gelangen 630.000 Tonnen ins Abwasser (Zahlen des Umweltbundesamtes 2015). Tenside, Phosphate, Korrosionsinhibitor – die Liste der Inhaltsstoffe ist meist lang. Aber wie schlimm sind die Stoffe wirklich für die Umwelt?

Das Umweltbundesamt schreibt dazu: "Die in den Reinigungsmitteln enthaltenen Tenside sind inzwischen vollständig biologisch abbaubar." Anders schaut es bei Phosphonaten, optischen Aufhellern, Polycarboxylaten, Koservierungsmittel, Siliconen, Paraffinen, Duft- und Farbstoffen aus – sie sind "häufig biologisch schwer oder nicht vollständig abbaubar".

Diese Alternativen reinigen ebenfalls gut

Deswegen solle man auf sie verzichten – wenn möglich. Und das geht. Denn Hausmittel tun es (meist) auch. Das hat zusätzlich einen Vorteil für den Putzenden, so der Allergie- und Asthmabund: "In vielen Putzmitteln stecken Substanzen, die Kontaktallergien verursachen können. Duftstoffe, Konservierungsmittel und Tenside sind die bekanntesten Auslöser."

Die AZ hat sechs Alternativen von der Online-Plattform Helpling daheim ausprobiert. Kann man wirklich mit Essig statt mit Weichspüler waschen? Hilft Zitrone gegen Kalk? Und ist Backpulver und Essig die Lösung bei verstopftem Abfluss? Der AZ-Test:

Backpulver und Essig statt Rohrreiniger

Inhalt meines Rohrreinigers: Natriumhydroxid, Aluminium, Hilfsstoffe – mehr Inhaltsstoffe stehen auf dem 08/15-Rohrreiniger nicht drauf. Wie gefährlich dieser Chemie-Mix ist, merkt man an einem kleinen Zusatz-Hinweis: schwere Haut- und Augenschäden möglich.

Der Tipp ohne Chemie: Erst ein Päckchen Backpulver in den Abfluss schütten, eine Flasche Essig hinterher. Das Ganze zehn Minuten stehen lassen und derweil drei Liter Wasser erhitzen. Das heiße Wasser in den Abfluss gießen – so reagieren Essig und Backpulver noch intensiver, so Helpling.

Der AZ-Check: Oha, das Gemisch zischt und schäumt ordentlich im Abfluss – die weiße Schaumkrone erinnert an ein sauber eingeschenktes Bier. Und siehe da: Die Essig-Backpulver-Mischung rutscht geschmeidig durchs Rohr und reißt Haare und Verschmutzungen mit. Beim nächsten Mal duschen staut sich kein bisserl Wasser in der Dusche.

Das freie Rohr hält eine gute Woche an. Ein weiteres Plus: Der Mix ist sehr leicht herzustellen und günstig.

Ergebnis: Top, unbedingt nachmachen!

Kaffeepulver statt Raumspray


Kaffee auf einem Teller. Fotos: rom

Inhalt meines Raumsprays: Auf dem Etikett wird nur "extrem entzündbares Aerosol" angegeben.

Der Tipp ohne Chemie: Gemahlener Kaffee kann eine Alternative sein. Die Plattform Helpling rät: "Füllen Sie einen Teller mit dem Pulver und stellen ihn in den betroffenen Raum, denn: Gerüche halten sich in der Luft, da sie sich mit Feuchtigkeitsmolekülen verbinden. Da Kaffeepulver stark feuchtigkeitsbindend wirkt, werden die Gerüche auf natürliche Weise absorbiert."

Der AZ-Check: Es liegt eine sehr, sehr leichte Kaffee-Note in der Luft. Ein bisserl mehr wäre aber nicht verkehrt. Gut gelüftet und frische Blumen auf dem Tisch duften wohl mehr und besser.

Ergebnis: Das bringt nicht die erwünschte Wirkung.

Spiritus statt Glasreiniger

Inhalt meines Glasreinigers: weniger als fünf Prozent anionische Tenside (Sie sind laut Umweltbundesamt die Hauptkomponente der Waschaktivsubstanzen in heutigen Waschmitteln); Duftstoffe.

Der Tipp ohne Chemie: Spiritus (gibt es in Drogeriemärkten zu kaufen). Spiritus sorgt laut Helpling dafür, "dass das Wasser auf dem Fenster schneller verdunstet, sodass keine Wasserflecken zurückbleiben."

Die Empfehlung: "Geben Sie einfach einen Spritzer ins Reinigungswasser."

Der AZ-Check: Wer auch nicht unbedingt ein Fensterputz-Profi ist und sich immer wieder über lästige Streifen und Wasserflecken ärgern muss, wird sich freuen: Die Spiritus-Mischung macht glänzend sauber (und riecht auch nicht unangenehm). Es reicht ein kleiner Spritzer – sprich: Die Flasche hält sehr lange. Auch beim Spiegel funktioniert das Ganze bestens.

Ergebnis: Top, unbedingt nachmachen!

Zitronensäure statt Badreiniger


Eine halbe Zitrone fürs Bad.

Inhalt meines Badreinigers: Unter fünf Prozent nicht-ionische Tenside, Duftstoffe (Linalool, Limonene), anorganische Säuren, Korrosionsinhibitor (das sind Silikate, organische Salze, Tenside oder Fettsäuren)

Der Tipp ohne Chemie: Kalklösend wirkt die Zitronensäure. Helpling empfiehlt: "Den Saft auf ein feuchtes Tuch geben, über die Armaturen wischen und trocken polieren." Für Kalkränder am Wasserhahn: "Tränken Sie ein Küchentuch in Zitronensaft und legen es um die betroffene Stelle." Einwirkzeit: 30 Minuten.

Der AZ-Check: Erst ist es befremdlich, mit der Zitrone im Bad zu hantieren. Eine Halbe reicht fürs Waschbecken aus. Das Ergebnis: Es glänzt und funkelt ganz wunderbar.

Auch in der Küche bringt die Zitrone Glanz. Und: Zum Entkalken des Wasserkochers kann sie auch verwendet werden. Das Gerät innen mit einer Hälfte einreiben, mit Wasser auffüllen und erwärmen.

Ergebnis: Top, unbedingt nachmachen!

Essigessenz statt Weichspüler

Inhalt meines Weichspülers: In dem handelsüblichen Produkt sind fünf bis 15 Prozent Kationische Tenside, Benzisothiazolinone, Duftstoffe, Alpha-isomethylionone, Benzyl-Salicylate, Cinnamyl-Alkohol, Citronellol, Hexylcinnamal, Limonene, Linalool.

Der Tipp ohne Chemie: Essigessenz. Der Rat von Helpling: "Geben Sie zum Waschgang etwa 20 ml ins Weichspülerfach – anschließend ist Ihre Wäsche wieder kuschelweich."

Der AZ-Check: Sogar das schwarze Lieblingskleid muss für diesen Waschgang herhalten. Das Ergebnis: Richtig schön weich ist das kleine Schwarze danach auf jeden Fall, aber beim Trocknen braucht man Geduld. Es duftet anfangs nämlich schon noch nach Essig. Deswegen auf keinen Fall mehr Essig dazugeben!

Ergebnis: Funktioniert, aber mit Abstrichen

Bier-Falle statt Fliegenfänger


Die selbstgebastelte Bierfalle.

Inhalt meines Fliegenfängers: Der bislang verwendete Fliegenfänger hat das Umweltzeichen Blauer Engel. Es besagt, dass keine Biozide drin sind. Diese können in großen Mengen laut Umweltbundesamt biologische Kläranlagen beeinträchtigen. Negativ können sie sich auch auf Wasserlebewesen und auf die Trinkwasseraufbereitung auswirken.

Der Tipp ohne Chemie: Fruchtfliegen lassen sich mit Bier locken. Helplings Tipp: "Füllen Sie eine Schale mit Bier und spannen Frischhaltefolie über die Öffnung. Fixieren Sie das Ganze mit einem Gummi und stechen mit einer Gabel kleine Löcher hinein." Durch die Öffnungen können die Fliegen rein, aber nicht mehr raus.

Der AZ-Check: Zugegeben, in diesem Jahr ist die Zahl meiner Fruchtfliegen-Mitbewohner noch überschaubar, wahrscheinlich der strikten Befolgung dieser Regeln sei Dank: kein überreifes Obst, keine offenen Saft- oder Alkoholflaschen, keine Essensreste frei in der Wohnung.

Das Bier-Experiment verläuft daher eher ernüchternd: Keine einzige Fliege ist biertrunken. Aber es ist auch sonst nur noch eine einzige zu sehen – sie thront im frisch gefüllten Obstkorb. Wer sein Bier lieber selber trinkt und auch auf die Frischhalte-Folie verzichten will, kann auch eine Schüssel mit Wasser, Essig und Spülmittel aufstellen. Die selbstgebastelte Bier-Falle.

Ergebnis: Ja, kann man schon mal probieren!

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