AZ-Test: Elektro-Mobilität Mit dem Strom fahren

AZ-Reporter Tim Wessling auf dem Sessel-Trike. Foto: Petra Schramek
 

Heute beginnt in München die Messe eCarTec, bei der sich alles um elektrische Mobilität dreht. Die AZ hat verschiedene Vehikel, die mit Strom fahren, im Verkehrszentrum einem Test unterzogen.

München -Strom. Das sind diese Elektroden aus der Steckdose, die unsere Toaster und Fernseher am Laufen halten. Und Strom, das hat man mittlerweile bemerkt, taugt auch hervorragend dazu, sich von A nach B zu bewegen. So ziemlich alles wird mittlerweile elektronisch bewegt: E-Autos, E-Bikes, E-Roller, E-Dies und E-Das — was alles heute und künftig mit Strom angetrieben wird, lässt sich ab heute auf der Messe München bestaunen. Noch bis Donnerstag findet da die Fachmesse eCarTec statt.

Neben Strom-Autos und E-Rollern stehen so genannte Pedelecs hoch im Kurs. Pedelec steht für „Pedal-Elektrisch“ und beschreibt ein Fahrrad mit elektronischer Unterstützung. Treten muss man zwar noch selbst, das ist aber längst nicht mehr so anstrengend wie ohne den Hilfsmotor. Im Verkehrszentrum des Deutschen Museum konnte man sich jetzt selbst auf die E-Geräte setzen und ausprobieren was es heißt, sich ganz lautlos und strombetrieben über die Straßen zu bewegen. Die AZwardort und hat anlässlich der Leitmesse für E-Mobilität die Fahrgeräte einem Realitäts–Check unterzogen:

Segway: Wie durch Zauberhand in der Balance

Er ist einfach überall. Man sieht ihn bei Stadtführungen, auf Messegeländen und sogar auf Golfplätzen: Der Segway. Und wer einmal drauf steht, versteht sofort, warum das Zweirad so beliebt ist. Es macht einfach Spaß! Wie durch Zauberhand hält das Gerät das Gleichgewicht automatisch. Es beschleunigt, wenn man sich nach vorne lehnt und bremst, wenn der Hebel nach hinten gezogen wird. Bis 25 Sachen geht das problemlos. Mit Straßenzulassung darf jeder, der einen Mofa-Führerschein und einen Helm besitzt den Segway auf Fahrradwegen bewegen. Auf der Straße ist es ebenfalls erlaubt — da stellt man allerdings eher ein Verkehrs-Hindernis dar.

Wenn da nicht der Preis wäre: 9500 Euro kostet allein die Basis-Version. Das Gelände-Modell schlägt mit 9800 Euro zu Buche. Übrigens: Der ehemalige Segway-Chef Jimi Heselden stürzte mit seinem eigenen Zweirad einst von einer Klippe und starb.

E-Geschosse: Diese Autos legen richtig los

Sie sehen ganz unscheinbar aus — wie ein normales Motorrad oder ein normales Auto. Doch dreht man den Zündschlüssel, passiert — nichts. Bis man das Pedal drückt oder den Griff dreht. Dann schießen E-Motorrad und E-Sportwagen los. Und wie! Einen Porsche lässt man da gerne mal an der Ampel stehen. Die volle Power ist sofort da und kein Gangwechsel stört den Vortrieb. Der Sportwagen Tesla Roadster zum Beispiel ist in 3,7 Sekunden auf 100. Auch das Motorrad zieht ordentlich an. Lautlos natürlich. Die Zukunft? Nicht ganz. Solche Modelle beweisen zwar, dass Strom auch sportlich kann, kosten aber (noch?) Unsummen. 110 000 Euro sind für den Tesla fällig, 15 000 für das E-Motorrad. Wer trotzdem so viel Geld ausgeben möchte, hat aber immer noch das unbezahlbare Gesicht des Porsche-Fahrers an der Ampel als Ausgleich.

Ein Trike – ganz leicht im Gleichgewicht

Dreiräder können nicht umkippen. Das ist vor allem für Menschen mit Gleichgewichtsproblemen oder im fortgeschrittenen Alter von Vorteil. Das Sessel-Bike fühlt sich eigentlich an, wie ein Auto und dank des Hilfsmotors kann es ganz leicht und ohne Schwitzen bewegt werden — wie alle Pedelecs etwa 40 Kilometer weit. Dann müssen die knapp 25 Kilo mit Muskelkraft weiter bewegt werden.

In schnellen Kurven wirken die Fliehkräfte allerdings recht stark und es gibt keine Möglichkeit, das Gewicht zu verlagern. Abhilfe verschaffen da die Swing-Trikes. Hinten stehen beide Reifen fest auf dem Boden, der vordere Teil jedoch ist frei schwenkbar. Beim Fahren fühlt sich das an wie ein echtes Fahrrad — mit Unterstützung eben. Einige Modelle bieten sogar eine Anfahrhilfe. Bis 6 Stundenkilometer beschleunigt der Elektromotor ohne Treten. Preis: Dreiräder ab 1500 Euro, Swing- und Sessel–Lösungen ab 2500 Euro.

Zwei Pedelecs – eins mit, eins ohne Falten

Pedelec: Sieht aus wie ein Fahrrad mit einer zu großen Getränkeflasche am Rahmen. Doch das, was dort an der Stelle des Flaschenhalters angeschraubt ist, ist der Akku für den Hilfsmotor. Der unterstützt den Radler in der Regel bis 25 Stundenkilometern — erhältlich sind aber auch Modelle, die bis 45 Sachen Vortrieb liefern. Dafür braucht es dann aber eine Straßenzulassung und einen Helm. Das Treten ist auf den Pedelecs natürlich deutlich einfacher. Vor allem aber kommt man schnell in Schwung. Setzt der Motor ein, ist man in wenigen Augenblicken auf Touren. Der Akku hält in der Regel 40 bis 60 Kilometer und kann an der normalen Steckdose in einigen Stunden wieder aufgeladen werden. Ist der Akku auf der Tour leer, hilft nur noch reine Muskelkraft für den Heimweg. Einige Modelle haben aber eine Energie-Rückgewinnung. Mit Strampeln wird der Akku wieder geladen. Preis: ab etwa 900 Euro.

Falt-Pedelec: Die Pendler-Version des Pedelec. Mit etwa 15 Kilo Gewicht, sind diese Zweiräder deutlich handlicher als ihre Artgenossen. Der große Vorteil ist aber die U-Bahn Tauglichkeit: Zusammenfalten, mitnehmen — und mit Reifengrößen unter 20 Zoll ist noch nicht einmal das MVV-Fahrradticket nötig. Wie auch die normalen Pedelecs unterscheiden sich die E-Falträder deutlich in Gewicht und Preis. Auch der Hilfsmotor kann vorne oder hinten angebracht sein. Da kommt es auf den Geschmack an: Probefahren. Preislich beginnen Falt-Pedelecs bei etwa 1000 Euro.

E-Scooter – klein & schwer

Das Fun-Zweirad mit cleveren Hintergedanken. Für den Vortrieb sorgt hier ein kleiner Motor, der mit einer Akku-Ladung etwa 30 Kilometer weit kommt. Auf Radwegen — mit Straßenzulassung. Positiv zu erwähnen ist vor allem der niedrige Einstieg und die bequeme Sitzposition. Für seine kompakten Maße ist der Kleine aber erstaunlich schwer. Mit einem Hexenschuss bekommt man den Scooter wohl kaum einen Bordstein hinaufgehoben. Außerdem ist das Fahrgefühl ein wenig wackelig. In Israel sind diese kleinen Scooter allerdings schon ein Hit — hier vielleicht bald auch? Preis: ab 1000 Euro und aufwärts.

E-Roller: Gut für die City:

Das mag sie sein, die Zukunft der Stadt-Mobilität. Der E-Roller ist praktisch, wendig und erstaunlich günstig: Ab etwa 1300 Euro sind die elektrischen Mofas zu haben. Der Akku bringt den Fahrer etwa 50 Kilometer weit. Das ist völlig ausreichend für den Betrieb in der Stadt. Danach muss der Akku an eine normale Steckdose. In der Regel ist der Akku sogar herausnehmbar und kann mit in die Wohnung genommen werden. Fahren darf man den 45 Stundenkilometer-Roller mit einem normalen Führerschein. Das Schönste: Das leise Surren beim Dahingleiten durch die engen Straßen der Stadt.

Pfundiges E-Bike

Nicht verwechseln: Ein E-Bike ist kein Pedelec! Dieses Zweirad beschleunigt auch ohne Treten bis 45 Stundenkilometer. Wer dann noch nicht genug Tempo hat, kann noch extra Strampel-Power drauf legen. Mit 30 Kilo Gewicht braucht man sich aber keine Illusionen machen, auf die Endgeschwindigkeit noch ein paar Stundenkilometer drauf zu legen. Ist der Akku leer, ist das Radl kaum noch zu bewegen. Ferner braucht man eine Straßenzulassung, hat Helmpflicht und muss mindestens, (festhalten!) 3000 Euro auf den Tisch legen. Dann doch lieber der E-Roller.

 

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