AZ-Telefonaktion Tagesgeld, Aktien & Co.: Das raten Bankexperten

Am AZ-Telefon: Dirk Firnges und Bernhard Löschenbrand vom Deutschen Bankenverband. Foto: Petra Schramek

Geld-Anlage in Zeiten des Zins-Tiefs? Lesen Sie hier, welche Tipps die Bankexperten am AZ-Telefon gegeben haben

München - Sparer und Anleger sind verunsichert: Wohin mit dem Ersparten bei den Minizinsen? Die Experten Bernhard Löschenbrand und Dirk Firnges vom Bundesverband deutscher Banken gaben bei unserer Telefonaktion rund um die Geld- und Vermögensanlage Auskunft. Hier eine Auswahl der vielen Fragen unserer Leser (alle Namen geändert, d. Red.):

Christiane M.: Auf dem Sparbuch gibt es praktisch keine Zinsen mehr. Wie kann ich mehr für mein Geld erzielen?

Tipp: „Wenn Sie Ihr Geld sicher und schnell verfügbar anlegen möchten, müssen Sie sich mit niedrigen Zinsen begnügen. Mehr Rendite geht nur mit mehr Risiko.“

Susanne K.: Ich habe 70.000 Euro auf dem Girokonto, weil ich nicht so recht weiß, wie ich es anlegen soll? Was raten Sie mir?

 „Suchen Sie ein Beratungsgespräch mit Ihrer Bank. In einem persönlichen Gespräch kann Ihnen der Berater Anlagevorschläge machen, die zu Ihnen und Ihrer Risikoneigung passen.“

Volker G.: Ich möchte einen Teil meines Geldes in Aktien anlegen. Lohnt sich das noch?

Tipp: „Aktien bieten langfristig gute Renditechancen. Sie müssen aber Wertschwankungen aushalten können und haben keine Garantie auf hohe Erträge. Kaufen Sie nur Aktien, wenn Sie das Geld langfristig investieren können.“

Nachfrage: Wie lange sollte der Anlagehorizont bei Aktien sein?

„Ihr Halteziel sollte schon bei mindestens fünf Jahren liegen, besser länger.“

Hans B.: Ich bin 76 Jahre alt und möchte 5000 Euro für zwei bis drei Jahre anlegen. Kann ich 400 Euro Zinsen pro Jahr bekommen?

„Nein, eine Verzinsung von acht Prozent ist unrealistisch. Mehr als etwa ein Prozent ist mit sicheren Anlagen derzeit nicht möglich.“

Senta L.: Mir wurde eine Anlage in der Schweiz mit 12 Prozent Rendite angeboten. Was meinen Sie dazu?

„Vorsicht, so hohe Renditen sind mit sicheren Anlagen nicht möglich. Eine zehnjährige Bundesanleihe bringt derzeit beispielsweise nur 1,5 Prozent. Entweder ist das Angebot unseriös oder es handelt sich um eine unternehmerische Beteiligung bei der auch ein Kapitalverlust möglich ist.“

Karl O.: Sind Unternehmensanleihen eine Alternative, um höhere Zinsen zu bekommen?

„Bei Unternehmensanleihen müssen Sie auf die Bonität achten. Bei guter Bonität bieten auch Unternehmensanleihen derzeit nur niedrige Zinsen. Eine höhere Verzinsung ginge zu Lasten der Sicherheit.

Roswitha L.: Aus meiner Lebensversicherung werden 250.000 Euro fällig. Die Versicherungsgesellschaft bietet mir eine Verrentung an. Soll ich das tun?

„Wenn Sie an einer lebenslangen privaten Rente interessiert sind, sollten Sie das Angebot ernsthaft prüfen. Sie können sich natürlich auch das Geld einmalig auszahlen lassen und es nach eigenen Wünschen anlegen oder auch von anderen Gesellschaften Angebote für eine Sofortrente einholen.“

Peter S.: Soll man Anleihen mit fünf- bis siebenjähriger Laufzeit kaufen?

„Bei den historisch niedrigen Zinsen, die wir derzeit haben, ist eine kürzere Laufzeit in der Regel besser. Denn wenn die Zinsen eines Tages steigen, ärgern Sie sich, wenn Ihr Geld über so lange Zeit an die niedrigen Zinsen gebunden ist. Sie können zwar Anleihen oft über die Börse verkaufen, müssten dann aber mit Kursverlusten rechnen, wenn die Zinsen steigen.“

Berthold M.: Meine Frau und ich verfügen über gut eine Million Euro. Da die gesetzliche Einlagensicherung höchstens 100000 Euro pro Person schützt, müssten wir das Geld wohl auf mindestens sechs Banken verteilen, oder?

„Neben der gesetzlichen Einlagensicherung verfügen die meisten Geldinstitute über weitere Sicherungseinrichtungen. So sind die meisten privaten Banken in Deutschland dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angeschlossen, der auch weit höhere Beträge schützt. Wie hoch die Sicherungsgrenze im Einzelnen ist, können Sie auf www.bankenverband.de erfahren. Wichtiger als eine Verteilung des Geldes auf mehrere Banken ist jedoch eine breite Streuung des Vermögens auf verschiedene Anlageprodukte.“

Michael T.: Aus einem Hausverkauf bekomme ich 2,2 Millionen Euro. Ich dachte, etwa ein Viertel in Aktien, einen Teil in Immobilien und einen Teil festverzinslich mit verschiedenen Laufzeiten anzulegen. Was meinen Sie?

„Eine breite Streuung ist grundsätzlich richtig. Bei der Aufteilung ist auf eine Gewichtung zu achten, die zu Ihnen passt. Bei dieser Größenordnung wäre auch eine Vermögensverwaltung eine geeignete Alternative.“

Stephan K.: Soll ich mit 20.000 Euro einen Teil meines Hypothekendarlehens zurückzahlen, dessen Zinsbindung erst 2017 ausläuft, oder soll ich das Geld für drei Jahre festverzinslich anlegen? 

„Sprechen Sie mit Ihrer Bank und lassen Sie sich ausrechnen, wie hoch die Vorfälligkeitsentschädigung ist, die Sie zahlen müssten. Dann können Sie vergleichen, ob sich das lohnt.“

Martha H.: Ich bin Kassiererin eines gemeinnützigen Vereins. Wie lege ich 10.000 Euro für maximal zwei Jahre fest an?

„Sinnvoll ist ein Spar- oder Festgeldkonto, kein Wertpapier. Holen Sie sich Angebot ein und vergleichen Sie diese. Fragen Sie, ob die Konditionen auch für Vereine gelten.“

Rainer S.: Die Inflation ist höher als die Verzinsung meiner Sparkonten. Was soll ich tun?

„Ein realer Kaufkrafterhalt geht derzeit nicht ohne Risiko. Mit Risiko ist dabei kein Totalausfall gemeint, sondern Wertschwankungen, wie sie es beispielsweise bei Investmentfonds gibt. Sprechen Sie mit Ihrer Bank.“

Leo W.: Ich bin 78 Jahre alt und habe 100.000 Euro geerbt. Ich möchte das Geld nur kurzfristig anlegen. Was empfehlen Sie mir?

„Für eine kurzfristige Anlage kommen nur Tagesgeld- und Festgeldkonten in Frage. Der Preis für die schnelle Verfügbarkeit sind allerdings niedrige Zinsen.“

 

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