AZ-Telefonaktion Startbahngegner: "Regelmäßig ein schwarzer Schmierfilm"

Immer unterwegs gegen die dritte Startbahn: Doris Kraeker und Helga Stieglmeier vom Bündnis „Aufgemuckt“. Foto: Feindt

Die Startbahn-Gegnerin am AZ-Telefon über Anwohner-Klagen und ein Luxusproblem.

 

München Doris Kraeker ist gegen die dritte Startbahn. Die Sprecherin des Bündnisses „Aufgemuckt“ hat sich bei der AZ-Telefonaktion den Fragen der Leser gestellt. Hier das Protokoll:

Hans Dieter Klumpe, Rechtsanwalt aus München: Können am Bürgerentscheid auch die Bürger teilnehmen, die in München ihren Zweitwohnsitz haben?

DORIS KRAEKER: Nein, leider nicht. Stimmberechtigt sind nur die Bürger mit Hauptwohnsitz in München.

Hilde Berger, Rentnerin aus München: Ich kaufe regelmäßig auf den Münchner Wochenmärkten ein. Das Gemüse dort stammt großteils aus dem Münchner Norden. Warum haben Sie die Münchner bei Ihren Protesten nie darauf hingewiesen, dass ihr Gemüse dort wächst, wo der ganze Dreck vom Himmel kommt?

DORIS KRAEKER: Es ist tatsächlich so, dass im nahen Flughafenumland weiße Wäsche, die herausgehängt wird, nicht lange rein bleibt. Auf Fenstersimsen und Gartenmöbeln liegt regelmäßig ein schwarzer Schmierfilm. Schon vor Jahren berichteten dort einige Bürger von schwarzen Flecken auf ihrem Obst im Garten. Das wurde damals untersucht. Es konnte aber nicht nachgewiesen werden, dass dies vom Flughafen verursacht wurde.

Irene Dangel, Rentnerin aus München: Ich habe gehört, dass das Abstimmungsverfahren am Sonntag recht kompliziert ist. Wenn man gegen die Startbahn stimmen möchte, wie muss man ankreuzen?

DORIS KRAEKER: Das kann tatsächlich verwirrend sein. Es gibt drei Fragen. Die erste ist das Ratsbegehren, dort müssen Sie mit Nein stimmen. Die zweite Frage ist das Bürgerbegehren, hier kreuzen Sie Ja an. Die dritte Frage ist die Stichfrage. Dort sollten Sie „Ablehnung“ ankreuzen.

Simone Schneider, Lehrerin aus München: Ich habe das Gefühl, dass viele Münchner immer noch kaum über das Projekt informiert sind. Finden Sie nicht, Sie hätten die Münchner noch mehr mobilisieren können?

DORIS KRAEKER: Wir tun wirklich, was wir können. Sie müssen bedenken, dass wir – anders als die Startbahnbefürworter – Laien sind und unser Engagement ehrenamtlich und in der Freizeit stemmen. Fast jeder von uns ist voll berufstätig, ich zum Beispiel bin Lehrerin. Da stößt man, was Kräfte- und Kapazitäten betrifft, an Grenzen. Es stehen aber jeden Morgen ab 6 Uhr Startbahngegner an den S-Bahnen. Es gehen Menschen auch in München von Haus zu Haus – und es gibt jeden Tag einen Infostand in Sendling.

Gerhard Franz, Angestellter aus München: Glauben Sie nicht, dass die dritte Startbahn den Regionen Freising und Erding auch viele Vorteile bringt? Zum Beispiel eine bessere Verkehrsanbindung in die Stadt?

DORIS KRAEKER: Eine bessere Anbindung vom Flughafen in die Innenstadt wäre wünschenswert, unabhängig davon, ob die dritte Startbahn gebaut wird. Wir in der Region warten aber erst einmal auf ganz andere Maßnahmen – wie den Erdinger Ringschluss. Der soll Erding über den Flughafen mit Freising verbinden und wurde beim Bau des Flughafens versprochen. Wir warten noch heute darauf.

Christian Mayer, IT-Manager aus München: Warum wollen Sie Passagieren die Verbesserungen durch die dritte Startbahn, wie kürzere Wartezeiten und weniger Verspätungen, nicht zugestehen?

DORIS KRAEKER: Herr Kerkloh (Flughafen-Chef, d. Red.) möchte die Verspätungen bei den Abflügen unter vier Minuten halten, nur dafür plant er die dritte Startbahn. Würde man dieses Zeitfenster nur auf fünf oder sechs Minuten erhöhen, könnte man das mit zwei Bahnen bewältigen. Zwei Minuten mehr machen selbst Geschäftsreisenden nichts aus. Das ist ein Luxusproblem, für das wir nicht bereit sind, unsere Heimat aufzugeben. Im Übrigen entstehen Wartezeiten am Flughafen nicht nur durch Engpässe am Boden, sondern auch durch solche in der Luft.

 

4 Kommentare