AZ-Stadtspaziergänger Landesamt für Denkmalpflege: Fünf Monate Feinstarbeit

Feinste Handarbeit: Die Restauratorinnen arbeiten im Landesamt für Denkmalschutz an einem Bild. Foto: Sigi Müller

AZ-Stadtspaziergänger Sigi Müller ist zu Gast im Landesamt für Denkmalpflege und bekommt dort faszinierende Einblicke.

 

Altstadt - Erst im Oktober, am Tag der Restaurierung, besuche ich zum ersten Mal das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege am Hofgraben. Ehemals Marstall und Kunstkammer, dann Münzprägestätte, ist es von außen ein eher unscheinbares Gebäude. Tritt man durch das große Tor, ändert sich das – man steht in einem wundervollen Renaissance-Innenhof.

Brand im Kloster Maria Medingen

Jetzt bin ich wieder hier. Von Barbara Staudacher und Amelie Stange werde ich empfangen, die mir ihre aktuelle Arbeit zeigen: Ein Altargemälde aus dem Jahre 1758, gemalt von Johann Anwander.

Das Bild stammt aus der Klosterkirche des Klosters Maria Medingen aus Mödingen im Landkreis Dillingen. Bei einem Brand in der Kirche 2015 wurde das Bild arg in Mitleidenschaft gezogen. Anfang 2019 war das Konzept für die Restaurierung fertig. Am 1. November begannen die beiden Damen mit ihrer Arbeit – und Ostern 2020 soll es wieder in der Klosterkirche in den Altar eingefügt werden.

Altargemälde von Johann Anwander

Als ich vor dem Gemälde stehe, ist mein erster Gedanke, dass ich sicher niemals die Geduld hätte, so eine Arbeit zu machen. Dann aber erzählen Frau Staudacher und Frau Stange, wie die Vorgehensweise für so eine Restauration ist. Es wird richtig spannend, fast wie bei einem Krimi wird ermittelt. Nach dem Brand wird das Gemälde zunächst genau untersucht.

Was ist verbrannt, was "nur" rußbedeckt? Welche Schäden entstanden durch das Löschwasser. So gab es bei diesem Gemälde viele Baustellen und der ermittelte Zustand von Proben aus dem Bild galt meist nur für den unmittelbaren untersuchten Teil. Schon wenige Zentimeter weiter links oder rechts ergab sich oft schon wieder eine völlig neue Situation.

Schäden durch Ruß und Löschwasser

Erstaunt stellte man fest, dass die Firnis (der Schutzanstrich) in großen Teilen im Originalzustand war, und man wollte diese natürlich weit möglichst erhalten. Auch soll das Bild nach der Aufarbeitung zum goldenen Altarrahmen passen, so wird auch der Rahmen nach der Restaurierung mit dem Bild abgestimmt. Oft werden in Kirchen oder Museen die Rahmen grell neu vergoldet und die sich darin befindlichen Bilder wirken somit noch düsterer. Hier wird ein Gesamtkonzept erstellt.

Dann kann ich zuschauen, wie akribisch die beiden Damen an dem Bild arbeiten. Viele Glasfläschchen mit Flüssigkeiten werden benötigt, ich sehe Wattestäbchen und Pinsel in unterschiedlichsten Ausführungen. Speziallicht erleichtert die Arbeit. Wenn das Gemälde fertig ist, werden die beiden Spezialistinnen über fünf Monate lang ihr ganzes Können bei der Restaurierung unter Beweis gestellt haben.

Original wird manchmal durch Fotografie ersetzt

Wie es denn mit dem Applaus an die Künstlerinnen sei, ist meine Frage. Werden sie erwähnt, wenn ihre Arbeiten wieder an den jeweiligen Heimatort gegeben werden? Gibt es große Feierlichkeiten, zu denen sie eingeladen werden? "Meistens nicht", sagen Frau Staudacher und Frau Stange. Oft merken die Leute nicht mal, dass das Original weg ist und manchmal sogar durch eine Fotografie ersetzt wurde. "Irgendwann ist’s einfach wieder da und das war’s."

In diesem Fall aber wird das Gemälde aus dem Jahre 1758 sicher mit großer Freude zu Ostern wieder begrüßt werden.

Ein lehrreicher und hochinteressanter Vormittag endet für mich, und ich kann Ihnen nur empfehlen, da auch einmal vorbeizuschauen. Die nächste Möglichkeit besteht am 11. Oktober, zum Tag der Restaurierung 2020.

Lesen Sie auch: Maxvorstadt: Mehr Kunst geht nicht

Lesen Sie auch: Giasing, Oida! Blauer Kosmos in München

 

2 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading