AZ-Serie: Wilde Heimat Die Schnatterente

Die Schnatterente. Foto: Christoph Sieradzki

Die Schnatterente ist eine Gründelente. Bei der Nahrungssuche taucht sie nicht vollständig unter, sondern nur mit "Köpfchen unters Wasser, Schwänzchen in die Höh'".

Landshut - Ist die Nahrung etwas knapper, klaut sie aber auch sehr gerne die Nahrung von anderen Vögeln, besonders gern von schwarzen Blesshühnern.

Die Schnatterente ist eine nahe Verwandte der bekannten Stockente und Männchen und Weibchen der beiden Arten sind im Schlichtkleid zum Verwechseln ähnlich. Bestes Unterscheidungsmerkmal ist der "Spiegel", dieses Flügelfeld ist vor allem im Flug gut zu sehen. Bei der Schnatterente ist es weiß und bei der Stockente blau.

Die Mauser, der Gefiederwechsel, findet bei den Schnatterenten zwei Mal im Jahr statt. Im Frühjahr mausern sie ins Schlichtkleid, damit beide Eltern auf dem Nest gut getarnt sind, und im Herbst mausern sie ins Prachtkleid.

Jetzt im Oktober sind alle Federn durchgewechselt, die Männchen erstrahlen in vollem Glanz (siehe Bild) und können mit der Balz beginnen. Ein Teil der Balz ist eine Flugjagd, bei der mehrere Männchen ein Weibchen jagen.

Schnatterenten fliegen mehrere hundert Kilometer zum Speichersee

Über die Mauser der Schnatterente hat meine Gebietsbetreuerkollegin vom Starnberger See, Andrea Gehrold, ihre Doktorarbeit geschrieben. Sie hat mehrere Jahre Schnatterenten im Natura2000-Gebiet Ismaninger Speichersee gefangen und mit GPS-Sendern ausgestattet und herausgefunden, dass Schnatterenten extra aus mehreren hundert Kilometern zum Speichersee fliegen, um dort zu mausern. Im Juli schmeißen sie nämlich ihre kompletten Flügelfedern ab und sind einen guten Monat flugunfähig. Dafür brauchen sie einen geschützten Ort mit viel Deckung, viel Nahrung, wenig Störung und langsam fließendem Wasser. Für diese gefährliche Phase ist der Ismaninger Speichersee genau richtig.

"1820", das ist der Artcode der Schnatterente für die Internationale Wasservogelzählung, die kommendes Wochenende - wie jeden Monat weltweit zur Monatsmitte - stattfindet. Die Wasservogelzählung wurde vor 50 Jahren von der Organisation "Wetlands International" ins Leben gerufen, findet in 150 Ländern statt und ist eins der wichtigsten Zählprogramme im Naturschutz.

Die Zählungen werden deutschlandweit koordiniert und fast ausschließlich von Ehrenamtlichen gestemmt. Mit den Daten können wichtige Erkenntnisse erlangt werden, zum Beispiel wann wie viele Wasservögel in Deutschland durchziehen, überwintern oder welche Gewässer für den Vogelzug besondere Bedeutung haben und geschützt werden müssen. Für unseren Landkreis leistet das Team um Christian Brummer vom Landesbund für Vogelschutz Landshut Monat für Monat diese Arbeit. Vergangenen Monat zählten die Vogelkundler an Moosburger und Echinger Stausee 15 000 Wasservögel, darunter 1 200 Schnatterenten.

Zur Serie: Um uns herum sind so viele Naturphänomene versteckt, die eigentlich keiner kennt. Genau um diese kleinen (und großen) Geheimnisse von Tieren, Pflanzen und Insekten geht es in der AZ-Serie "Wilde Heimat" mit Naturexperte Philipp Herrmann. Er ist als "Vogelphilipp" ständig mit seinem Fernglas unterwegs und kennt alle Vogelstimmen auswendig. Doch auch für anderes hat er einen Blick. Und genau den teilt er in der "Wilden Heimat" mit den AZ-Lesern. Die Fotos stammen von Christoph Sieradzki aus Essenbach. Der Fotograf legt sich mit seiner Kamera und vielen verschiedenen Objektiven in Landshut, im Landkreis, aber auch weltweit auf die Lauer, um die spektakulären Aufnahmen für die "Wilde Heimat" zu liefern. Wer sich für mehr von Christoph Sieradzki interessiert, ist auf www.naturfotografie.la genau richtig.

 

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