AZ-Serie: Wilde Heimat Die Landshuter Lachmöwe

Die Landshuter Lachmöwe. Foto: Christoph Sieradzki

Landshut - Seit Oktober sitzen die Landshuter Lachmöwen auf den Geländern entlang der Isar. Wie in fast keiner anderen Stadt in Bayern kann man bei uns die wilden Vögel so nah beobachten. Einige eingesessene Landshuter kennen die Lachmöwen schon seit ihrer Kindheit und es gibt sogar Fotos von der Isar aus den 50er Jahren mit Möwen auf dem Geländer beim Ländtor.

 

Die Lachmöwen sind nur in den Wintermonaten in Landshut

Vielen fällt aber gar nicht auf, dass die Möwen nur ihren Winterurlaub hier verbringen. Von März bis Oktober sind die Geländer möwenleer. Um die 1000 Lachmöwen kommen jedes Jahr in die Region Landshut zum Überwintern - einige hundert von ihnen treibt es in die Stadt.

Momentan kann man im Dreieck Grieserwiese, Erlöserkirche und Hauptbahnhof, etwa 300 verschiedene Lachmöwen beobachten.

Sie kommen aus Litauen, Polen, Tschechien, Kroatien und vielen anderen europäischen Ländern, aus bis zu 1500 Kilometer Entfernung, rasten bei uns oder bleiben mehrere Monate.

Woher man das so genau weiß? Man muss den Möwen auf die Beine schauen, dann kann man es herausfinden. Etwa ein Prozent der Möwen trägt nämlich einen Ring, manche nur einen bescheidenen kleinen Metallring und andere einen auffälligeren Plastikring (siehe Bild).

Die Ringe stammen aus der wissenschaftlichen Vogelberingung, werden also von Vogelforschern um die Beine geklemmt und sind mit einer individuellen Zahlen-Buchstaben-Kombination versehen.

Da die Möwen überhaupt nicht scheu sind, kann man mit einer Kamera mit Zoom versuchen, die Ringkombination zu fotografieren. Darüber kann man dann feststellen, wo und wann die Möwe geboren wurde und wo sie sich sonst noch gerne herumtreibt.

Jede Möwe hat eine eigene Persönlichkeit und einen Lieblingsplatz

Im Projekt "Landshuter Lachmöwen" hat man herausgefunden, dass jede der einzelnen Möwen ganz eigene Persönlichkeiten haben und jede ihren Lieblingsplatz.

Die tschechische Möwe mit der Ringkombination "ETO8 - 115" sitzt am Liebsten beim Ländtor, "HV 20.624" fast nur auf dem Geländer vom Marschallsteg und "FS14.428" aus Polen sitzt auf der Elginbrücke in der Podewilstraße.

Warum die Möwen auf den Schuldächern lauern

Die Möwen sind sehr schlau und wissen genau, wann es wo etwas zu essen gibt. An Wochentagen um Punkt 9.30 Uhr sitzen sie Möwen auf zahlreichen Schuldächern, denn dann beginnt die große Pause.

Gehen die Kinder nach der Pause ins Gebäude, stürzen sich die Möwen in den Pausenhof und fallen über die Essensreste her - ein Spektakel.

Weitere Informationen zum Lieblingsprojekt vom Vogelphilipp gibt es unter www.landshuterlachmöwen.de.

Zur Serie: Um uns herum sind so viele Naturphänomene versteckt, die eigentlich keiner kennt. Genau um diese kleinen (und großen) Geheimnisse von Tieren, Pflanzen und Insekten geht es in der AZ-Serie "Wilde Heimat" mit Naturexperte Philipp Herrmann. Er ist als "Vogelphilipp" ständig mit seinem Fernglas unterwegs und kennt alle Vogelstimmen auswendig. Doch auch für anderes hat er einen Blick. Und genau den teilt er in der "Wilden Heimat" mit den AZ-Lesern. Die Fotos stammen von Christoph Sieradzki aus Essenbach. Der Fotograf legt sich mit seiner Kamera und vielen verschiedenen Objektiven in Landshut, im Landkreis, aber auch weltweit auf die Lauer, um die spektakulären Aufnahmen für die "Wilde Heimat" zu liefern. Wer sich für mehr von Christoph Sieradzki interessiert, ist auf www.naturfotografie.la genau richtig.

 

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