AZ-Serie: Wilde Heimat Der Tannenhäher

Der Tannenhäher. Foto: Christoph Sieradzki

Landshut - Der Tannenhäher (Englisch: Nutcracker = Nussknacker) kommt rund um den Globus in den Nadelwäldern auf der Nordhalbkugel vor. Im Landkreis Landshut ist er nicht besonders häufig. Hin und wieder zieht er durch, wenn er im Winter aus den Bergen ins Flachland kommt, um Haselnüsse zu suchen, oder wenn im hohen Norden zu wenig Nahrung zu finden ist. Selten brütet er sogar bei uns. Der letzte sichere Brutnachweis im Landkreis, bei Mettenbach, stammt laut Landesbund für Vogelschutz aus dem Jahr 2002.

 

Der Tannenhäher ist etwa so groß wie sein Bruder, der Eichelhäher, aber mit seinem dunklen Gefieder im Nadelwald viel besser getarnt. Eigentlich sollte er Kiefernhäher heißen, da er sich größtenteils von den Samen der Zirbe, der Hochgebirgskiefer, ernährt. Der Baum kann sich kaum selbst verbreiten, da sich die Zapfen nicht selbst öffnen und die Samen, auch Zirbennüsse genannt, keinen Flugapparat besitzen. Daher ist die Zirbe auf Tiere angewiesen, die die Zapfen öffnen, die hartschaligen Nüsse herauspopeln und diese durch die Gegend tragen oder verstecken. Die Kerne in der Nuss ähneln den Pinienkernen, sind äußerst nahrhaft (bis zu 70 Prozent Fettgehalt) und auch beim Menschen sehr beliebt.

Bis zu 100 Nüsse passen in den Kehlsack des Tannenhähers

Der Tannenhäher holt sich also einen Zapfen, spannt ihn in eine Astgabel, entfernt die Schuppen und trägt die Nüsse in seinem Kehlsack weg. Ein Zapfen enthält bis zu 50, circa einen Zentimeter lange Nüsse, bis zu 100 Stück passen in den Kehlsack, dessen Öffnung unter seiner Zunge liegt.

Am vorderen Ende seines Unterschnabels liegt ein kleiner Höcker, vor den er die Nüsse einspannt und gegen einen festen Gegenstand schlägt, um sie aufzubrechen. Haselnüsse frisst er vor allem, wenn er sich im Flachland aufhält. Diese spaltet er mit wenigen Hieben genau in der Mitte.

Wie der Eichelhäher legt auch der Tannenhäher Nahrungsvorräte an, von denen er sich den gesamten Winter ernähren und sogar noch seine Jungen bis in den April großziehen kann. Jeder Vogel versteckt bis zu 100 000 Samen pro Jahr. Bis zu 80 Prozent der Nüsse findet er wieder und das sogar unter einer dicken Schneedecke. Der Rest, den er nicht mehr findet, reicht der Zirbe zur Fortpflanzung. Der Wappenvogel der Bayerischen Ornithologengesellschaft klopft übrigens alle Samen ab und dreht und wendet sie, bevor er sie mitnimmt. Durch diesen Test, mit dem er offensichtlich über den Klang feststellt, ob die Nuss gut ist, hat er eine Treffsicherheit von fast 100 Prozent.

Der Tannenhäher galt früher als Schädling und wurde fast ausgerottet

Bis in die 60er Jahre galt der Tannenhäher noch als Schädling. Der "gefräßige Geselle" und "gefährlichste Feind der Zirbe" wurde von Jägern und Förstern fast ausgerottet, da er vermeintlich alle Zirbensamen auffraß. Heute wird er von den Waidmännern gelobt und von den Schreinern und Wanderern verehrt, denn die Zirbe, ihr Holz und ihr Schnaps sind äußerst beliebt.

Zur Serie: Um uns herum sind so viele Naturphänomene versteckt, die eigentlich keiner kennt. Genau um diese kleinen (und großen) Geheimnisse von Tieren, Pflanzen und Insekten geht es in der AZ-Serie "Wilde Heimat" mit Naturexperte Philipp Herrmann. Er ist als "Vogelphilipp" ständig mit seinem Fernglas unterwegs und kennt alle Vogelstimmen auswendig. Doch auch für anderes hat er einen Blick. Und genau den teilt er in der "Wilden Heimat" mit den AZ-Lesern. Die Fotos stammen von Christoph Sieradzki aus Essenbach. Der Fotograf legt sich mit seiner Kamera und vielen verschiedenen Objektiven in Landshut, im Landkreis, aber auch weltweit auf die Lauer, um die spektakulären Aufnahmen für die "Wilde Heimat" zu liefern. Wer sich für mehr von Christoph Sieradzki interessiert, ist auf www.naturfotografie.la genau richtig.

 

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