AZ-Serie: Wilde Heimat Der Eichelhäher

Der Eichelhäher. Foto: Christoph Sieradzki

Der Eichelhäher, der Heger der Eiche, "Waldpolizei" oder nach Dichter Hermann Löns der "Wächter des Waldes".

Landshut - Der Vogel ist weithin bekannt und auch im Landkreis Landshut häufig anzutreffen. Es bringt Glück, wenn man eine seiner wunderschönen, kleinen blauen Federn findet.

Man sagt, der Eichelhäher war einst am ganzen Körper mit blauen Federn geschmückt, bis er eines Tages das Versteck Jesu an seine Verfolger verriet. Zur Strafe wurde ihm die ganze Pracht genommen und als Mahnung nur das kleine blaue Flügelfeld gelassen.

Der Eichelhäher nimmt gerne ein Bad in der Menge. Er setzt sich nämlich gelegentlich auf einen Ameisenhaufen, wenn es ihm unter dem Gefieder juckt. Dann breitet er seine Flügel aus und lässt sich von den aufgebrachten Ameisen mit ätzender Ameisensäure besprühen. Reicht das nicht aus, klemmt er sogar einzelne Ameisen in den Schnabel und fährt damit durch seine Federn. Eine sehr wirksame Parasitenabwehr, die als "Einemsen" bezeichnet wird.

Meister im Verstecken und Wiederfinden

Der Eichelhäher ist ein wahres Genie und Meister im Verstecken und Wiederfinden. Er ernährt sich überwiegend vegetarisch, nur in der Brutzeit werden auch tierische Produkte an die Jungen verfüttert.

Bis zu 5 000 Eicheln sammelt und versteckt ein Vogel pro Saison als Wintervorrat. Das entspricht dem Gewicht eines fünfjährigen Kindes (20 Kilogramm) und damit dem 125-fachen seines Eigengewichts (160 Gramm). Bis zu zwölf Eicheln verstaut er gleichzeitig in seinem Schlund, transportiert sie teilweise über mehrere Kilometer, um sie danach wieder einzeln zu verstecken. Da er nicht alle Eicheln wieder findet, trägt er in großem Umfang zur Verbreitung der Eiche und zu ihrer Naturverjüngung bei.

In Bayern wird der Eichelhäher gejagt

Förster loben den Vogel als wichtigsten Samenverbreiter der Eiche; bei den Bayerischen Staatsforsten wurde er deshalb 2007 sogar zum "Mitarbeiter des Jahres" gekürt. Obwohl er so hoch geschätzt wird, werden bei uns in Bayern noch jährlich bis zu 25 000 Eichelhäher geschossen. In den meisten anderen Bundesländern ist er ganzjährig geschont.

Die ursprünglichen Vorwände für eine Eichelhäherjagd, zum Beispiel dass er als Nesträuber den Singvogelbestand stark reduziert, haben sich als üble Nachrede herausgestellt. Warum wird er dann überhaupt gejagt? Das lässt sich kaum beantworten…

Angeblich wird er als Suppe geschätzt, doch sind wohl eher seine blauen Flügelfederchen der Grund für die Bejagung. Sie sind ja als Hutschmuck sehr beliebt.

Ist dies wirklich ein Grund diese Vögel zu schießen, wo doch sein Nutzen für den naturnahen Waldumbau so groß ist? Die Bayerische Staatsregierung und der oberste Jagdbeirat meinten 2014 jedenfalls, dass es zum Thema Eichelhäherbejagung weder Diskussions- noch Handlungsbedarf gibt.

Zur Serie: Um uns herum sind so viele Naturphänomene versteckt, die eigentlich keiner kennt. Genau um diese kleinen (und großen) Geheimnisse von Tieren, Pflanzen und Insekten geht es in der AZ-Serie "Wilde Heimat" mit Naturexperte Philipp Herrmann. Er ist als "Vogelphilipp" ständig mit seinem Fernglas unterwegs und kennt alle Vogelstimmen auswendig. Doch auch für anderes hat er einen Blick. Und genau den teilt er in der "Wilden Heimat" mit den AZ-Lesern. Die Fotos stammen von Christoph Sieradzki aus Essenbach. Der Fotograf legt sich mit seiner Kamera und vielen verschiedenen Objektiven in Landshut, im Landkreis, aber auch weltweit auf die Lauer, um die spektakulären Aufnahmen für die "Wilde Heimat" zu liefern. Wer sich für mehr von Christoph Sieradzki interessiert, ist auf www.naturfotografie.la genau richtig.

 

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