AZ-Serie: Wilde Heimat Das Reh

Das Reh im Winter. Foto: Christoph Sieradzki

Landshut - Das Reh ist das Wildtier des Jahres 2019. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat es auserwählt, um damit auf seine aktuellen Probleme mit der intensiven Land- und Forstwirtschaft hinzuweisen.

Das Reh ist eine eigene Art und näher mit dem Rentier und dem Elch verwandt als mit dem Hirsch. Der Körper von Kitz, Ricke und Rehbock ist perfekt an das Dickicht im Wald angepasst. Die Schnauze ist spitz, das Hinterteil liegt höher als die Schultern und der Rehbock besitzt ein kleines Geweih mit maximal 20 Zentimetern Länge und drei Enden. Von Kopf bis Fuß und von Schnauze bis Schwanzspitze misst das Reh etwa einen Quadratmeter.

Rehe springen sogar durch Weidezäune

So kommen die Tiere im Wald überall durch, was bei einem Zwölfender-Hirsch schwierig wird. Rehe können im vollen Galopp sogar gestreckt durch Weidezäune, die nur einen Litzenabstand von 20 Zentimetern haben, hindurchhechten.

Im Juli beginnt die Brunftzeit, in der die Rehböcke ihre Reviere (etwa 10 Fußballfelder groß) über Duftmarkierungen abgrenzen.

Im August kommt es zur Paarung. Spannend ist, dass die befruchteten Eizellen im Bauch der Ricken von da an eine Keimruhe durchmachen. Das heißt, sie entwickeln sich erst vier Monate später ab Dezember. Diese Anpassung scheint unter den Huftieren einzigartig zu sein.

Im Herbst schließen sich die Rehe in Gruppen zusammen. Diese Ansammlungen werden als "Sprünge" bezeichnet. Größere Ansammlungen von Rehen in der Feldflur kann man bei uns im Winter im Isarmoos zwischen Landshut und Dingolfing nördlich der Autobahn beobachten.

Im Frühjahr gehen die Rehe wieder ihren eigenen Weg und der Nachwuchs, meistens zwei Kitze, werden an einem geschützten Ort im Dickicht abgelegt. Mit wenigen Tagen werden sie raus in die Wiesen zum Äsen geführt.

Ihr Ruf erinnert an das Bellen eines Hundes

Mit ihren Augen, die in der Jägersprache Lichter genannt werden und eine quer liegende Pupille besitzen, können Rehe ohne Kopfdrehen fast die gesamte Umgebung wahrnehmen. Wittern Rehe Gefahr, dann rufen, beziehungsweise "schrecken" sie. Dieser Ruf, der bei Männchen und Weibchen gleich klingt, erinnert an das kurze Bellen eines Hundes.

Disney hat´s erfunden

Als "Bambi-Irrtum" bezeichnet man übrigens die weit verbreitete Annahme, dass das Reh die Frau vom Hirsch ist. Die Grundlage für den bekannten Disney-Film "Bambi" schuf der österreichische Schriftsteller Felix Salten mit seinem Buch "Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde" über das Reh im Jahr 1923. Da es in den USA keine Rehe gibt, verwandelte Disney den Vater von Bambi, den Fürst des Waldes kurzum in einen Weißwedelhirsch, der den amerikanischen Zuschauern vertraut ist.

Wunderbare Aufnahmen vom Reh und seinem Lebensraum gibt es in dem Naturfilm "Die Wiese - Ein Paradies nebenan" von Nautilusfilm zu sehen, der ab dem 4. April in den deutschen Kinos läuft. Der Hauptdarsteller des Filmes ist ein junges Reh, das ein Leben zwischen Waldrand und Wiese führt und den Zuschauer mitnimmt auf seine Abenteuer.

Zur Serie: Um uns herum sind so viele Naturphänomene versteckt, die eigentlich keiner kennt. Genau um diese kleinen (und großen) Geheimnisse von Tieren, Pflanzen und Insekten geht es in der AZ-Serie "Wilde Heimat" mit Naturexperte Philipp Herrmann. Er ist als "Vogelphilipp" ständig mit seinem Fernglas unterwegs und kennt alle Vogelstimmen auswendig. Doch auch für anderes hat er einen Blick. Und genau den teilt er in der "Wilden Heimat" mit den AZ-Lesern. Die Fotos stammen von Christoph Sieradzki aus Essenbach. Der Fotograf legt sich mit seiner Kamera und vielen verschiedenen Objektiven in Landshut, im Landkreis, aber auch weltweit auf die Lauer, um die spektakulären Aufnahmen für die "Wilde Heimat" zu liefern. Wer sich für mehr von Christoph Sieradzki interessiert, ist auf www.naturfotografie.la genau richtig.

 

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