AZ-Serie "Von der Straße" Die Georgenstraße: Nobel, witzig und vegan

 Foto: Google Earth/AZ

37 Baudenkmäler, eine alte Tankstelle und gleich zwei tierproduktfreie Cafés hat die Georgenstraße. Der fünfte Teil der AZ-Serie "Von der Straße".

München - Zitronengelb. Unfassbar viele Gebäude in der Georgenstraße sind inzwischen zitronengelb, weil in den vergangenen Jahren dort viele Wohnhäuser saniert wurden und sich die meisten Besitzer wohl dachten: Na, wenn die anderen sich mit den Fassaden so dezent zurückhalten, mache ich das doch auch.

Dass die Josephskirche, die man vom Westende der Straße am Josephsplatz ruhen sieht, auch unaufdringlich zitronengelb ist, ist sicher kein Zufall. Weitere Gotteshäuser gibt es auch direkt an der Straße – man sieht sie nur nicht auf den ersten Blick: eine Nebensynagoge der Münchner Jüdischen Gemeinde (Georgenstraße 71) zum Beispiel oder das Priesterseminar St. Johannes der Täufer (Nr. 14).

Dafür sind die insgesamt 37 Baudenkmäler auf der Straße umso eindrucksvoller: Wunderschöne Palais im Jugendstil, im Neubarock und im Stil der Neurenaissance reihen sich aneinander, manche davon sind fast 150 Jahre alt. Seit der Eingemeindung des Dorfs Schwabing 1890 trennt die Georgenstraße fein säuberlich die Maxvorstadt und den neuen Bezirk Schwabing.

Eine (gedachte) Trennlinie innerhalb ist die Nordendstraße: Ab da geht es etwas weniger nobel zu. Kleine Cafés gibt’s da, Friseure für Menschen und Hunde, ein Elektrofachgeschäft, das noch Videorekorder repariert – und einen leeren Laden mit dem Türschild: "Dieser Laden ist nicht frei und somit auch nicht zu vermieten. Anfragen sind nicht willkommen." Ansonsten ist die Georgenstraße aber sehr einladend.


Ehemaliger Vimyplatz: Erinnerungen an Krieg


Den Gefallenen. Foto: Anja Perkuhn

Ein Kriegerdenkmal ist in der Regel nichts Erfreuliches – da macht der Obelisk an der Kreuzung Winzerer-/Loth-/Georgenstraße am ehemaligen Vimyplatz keine Ausnahme: Der Kronzprinz erinnerte an die Gefallenen des Königlich Bayerischen zweiten Infanterie-Regiments zwischen 1682 und 1918.

Am Vimyplatz – wo heute der BLV-Verlag seinen Sitz hat – stand einst die Adolf-Hitler-Kaserne. Sie gehörte zum weitläufigen Militärareal-Dreieck Schwere-Reiter-Straße, Winzererstraße, Dachauerstraße.


Georgenstraße 105: Ja, und weiter?


Bar mit Oma-Sesseln: der "Holzkranich". Foto: Sahar Qaual

Als eine Mischung aus Wirtshaus, Bar und Lounge mit Oma-Sesseln und Goldtapete hat der "Holzkranich" 2016 eröffnet – eigentlich nur für ein Jahr. Dann ist er doch geblieben und probiert jetzt auch mal neue Formate aus – zum Beispiel eine offene Bühne für Comedy: die Veranstaltung "Ja und weiter" (dienstags, 20 Uhr, Anmeldung für Auftretende über Facebook).

Mo-Do 18-23 Uhr, Fr & Sa 18-3 Uhr


Georgenstraße 62: Ümi backt und kocht


"Ümis Café"-Inhaberin Ümi Akpinar. Foto: Sahar Qaual

Die Georgenstraße ist die wohl veganste Straße der Stadt: Gleich zwei Cafés gibt es, die tierproduktfreie Speisen anbieten. Das Café Ignaz (Georgenstr. 67) ist sowieso mindestens weltbekannt für seinen veganen Brunch – etwas weniger prominent ist "Ümis Café".

Inhaberin Ümi Akpinar kocht und backt das ganze vegetarische und vegane Angebot selbst. "Ich bin einfach sehr froh, wenn die Leute zufrieden hier rausgehen", sagt sie.

Die gebürtige Türkin ernährt sich seit acht Jahren vegan. Vorher war sie Vegetarierin – schon immer, sagt sie. "Wenn meine Mama Fleisch gekocht hat, bin ich abgehauen. Fleisch muss doch nicht sein, Tiere sind ja auch Lebewesen." Dann huscht sie schnell wieder hinter den Tresen – weiterkochen.

Tägl. 8-22 Uhr, Mittwoch Ruhetag (Urlaub bis 28. August)


Georgenstraße 50: Unterm roten Hirsch


Shop-Managerin Andrea und die "Münchner Manufaktur"-Inhaber Birgit und Maximilian Oberbigler (v.l.). Foto: Sahar Qaual

Die Wechsel kann man am Hirsch auf dem Hausdach ablesen: Schon, als Marianne Kranz im Laden drunter zehn Jahre lang Trachtenmode verkaufte, stand er dort – als Nachfolger von zwei Puppen, die ein Sturm wegfegte. Seit Mai ist mit der Münchner Manufaktur ein neuer Trachtenladen drin, der 50-jährigen Tradition folgend. Der Hirsch blieb, er wurde nur rot, passend zur roten Hirschtapete im kernsanierten Laden – er ist die zweite Manufaktur-Filiale (Innere Wiener Str. 54).

Merkt man denn Unterschiede zwischen den beiden Straßen? "Hier sind die Kunden etwas jünger – und etwas lässiger", sagt Shop-Managerin Andrea. Marianne Kranz arbeitet übrigens ein- bis zweimal die Woche im Verkauf mit.

Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr


Georgenstraße 42: Einmal vollmachen, bitte


Früher wurden hier Autos aufgetankt und aufgemotzt – heute gibt's Kunst zu sehen. Foto: Anja Perkuhn

Nach Benzin riecht es schon lange nicht mehr an der "Metropol-Garage" – ehemals eine Tankstelle mit Autowerkstatt und Waschhalle. Aber dass dort in den 50ern Kraftstoff gezapft wurde, sieht man dem geschwungenen Dach noch an – die Quelle versiegte erst Anfang der 2000er. Heute befinden sich im Schatten des Baus der Unternehmenssitz einer Beteiligungsfirma und der Metropol Kunstraum.


Georgenstrasse 3-10: Eigene Sehenswürdigkeit


Das Pacelli-Palais. Foto: Anja Perkuhn

Ein bisschen nach Villenviertel fühlt sich der östliche Abschnitt an: Einige besonders prunkvolle Baudenkmäler stehen dort – darunter eine Renaissancevilla von 1892, in der der Piper Verlag seinen Sitz hat (Nr. 4), das neubarocke Palais Bissing (Nr. 10) von 1902, dessen Eingangstür man allein wegen der floralen Bemalung schon fünf Minuten anschauen kann, ohne sich zu langweilen, und das Pacelli-Palais (Foto; Nr. 8) von 1880, das mit seinen drei Kuppeln und aufwendigen Mosaiken an den Wänden fast eine eigene Sehenswürdigkeit ist.


Georgen- Ecke Leopoldstraße: Die arme Ampel


Rüber trotz Rot? Passier hier häufiger. Foto: Anja Perkuhn

Die Straße beginnt (oder endet) mit einem Ort des Verbrechens – nunja, zumindest der Ordnungswidrigkeit. Denn viele Menschen, die schon mal mit ihrem Rad die Leopoldstraße entlanggebraust sind, haben dabei auch mal großzügig die arme Ampel an der schmalen Straßenmündung ignoriert.

Eine Zeit lang standen Polizisten zwischen den Pappeln und schrieben gleich den Bußgeldbescheid.


AZ-Serie "Von der Straße"

Die Humboldtstraße: Der erste Teil der Serie

Die Schützenstraße: Der zweite Teil der Serie

Die Dachauer Straße: Der dritte Teil der Serie

Die Ubostraße: Der vierte Teil der Serie

 

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