AZ-Serie "Von der Straße" Dachauer Straße und Leonrodplatz: Spielzeug trifft Poledance

, aktualisiert am 21.08.2018 - 13:10 Uhr
Der Leonrodplatz in München. Foto: Google Earth

Im dritten Teil der AZ-Serie "Von der Straße" geht's um eine besondere Straßenkreuzung. Tanz, Exotisches, Altbewährtes: der Knotenpunkt Dachauer Straße und Leonrodplatz ist vielfältig.

München - Benannt ist sowohl die Leonrodstraße als auch der heute im Fokus stehende Leonrodplatz nach Leopold Freiherr von Leonrod, bayrischer Jurist und Justizminister von Prinzregent Luitpold. Nachdem das Gebiet um den heutigen Leonrodplatz bis ins 19. Jahrhundert größtenteils unbebaut geblieben war, entwickelte sich die Gegend zum Kasernenviertel von München.

Die Maximilian-II-Kaserne wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und wo einst die Eisenbahnkaserne war, entsteht gerade das neue Strafjustizzentrum. Von der starken Präsenz des Militärs ist also nicht viel übrig – dem Charme der Gegend tut das gut.

Heute ist die Kreuzung der Dachauer Straße mit der Leonrodstraße und der Schwere-Reiter-Straße von Geschäften geprägt. Auf den ersten Blick scheint das Bild aus Supermarkt, Drogerie, Nagelstudio, Gastronomie und Baustelle typisch für die Stadt. Doch nicht nur wegen der geschichtsträchtigen Gebäude hat der Platz mehr zu bieten, als der erste Eindruck vermuten lässt.

Auch und ganz besonders die einzigartigen Menschen mit ihren Läden und Hobbys prägen die Gegend. Neben Lokalen mit Spezialitäten aller Herren Länder sind dort auf wenig Raum verschiedenste Gruppen zu Hause – Künstler und Tänzer sind dort ebenso anzutreffen wie Handwerker. Nur wenige Meter hinter dem lauten Platz, der voller Leben steckt, kommen dann auch schon Arztpraxen und Büros von Rechtsanwälten. Rund um den Leonrodplatz ist es eben echt bunt.


Dachauer Straße 112: Künstleratelier im Kreativquartier


Das Glitzer-Ei und die Badewanne sind Kunstwerke im Hinterhof der "Halle 6". Foto:Lennart Hegemann   

Bei der "Halle 6" handelt es sich um ein Künstleratelier. Es existiert jetzt schon im achten Jahr, länger als ursprünglich geplant. Der erste Vertrag lief bereits 2012 aus und wurde immer wieder verlängert. Der aktuelle Nutzungsvertrag läuft bis Ende 2019.
Die Halle wird in der Form eines sogenannten "Social Business" betrieben. Das bedeutet, dass die Aussteller und Künstler für die Instandsetzung verantwortlich sind.

Auf dem gesamten Gelände wird viel Theater und Schauspiel betrieben. Gruppen wie "TNT" und die "American Drama Group" probten dort, bevor sie auf Welt-Tournee gingen. Auch bekannte Fernsehformate wie "Tatort" oder "Der Alte" nutzten das Gelände schon für Dreharbeiten. Das Ziel des Kreativquartiers ist es, das Gelände für Kunst und Kultur nutzbar zu gestalten. Dabei wird unter allen Institutionen kooperiert und eng mit dem Kulturreferat zusammengearbeitet.

Neuerdings gibt es auch Führungen über das Gelände, die alle zwei Wochen stattfinden. Das Angebot erfreue sich großer Beliebtheit, so die Organisatoren. Das Publikum sei dabei international.


Dachauer Straße 189: Vom Essen bis zur Zeremonie

Wenn der Münchner in ein Restaurant zum Essen geht, fällt die Wahl oft auf italienische, griechische, asiatische oder – ganz klassisch – bayerische Küche. Das "Abysinnia Restaurant Teff" bietet eine weitaus exotischere Möglichkeit zu speisen. Äthiopisches Essen wird dort serviert.

Die Spezialitäten sind abwechslungsreich, sowohl Fleischgerichte als auch Gemüseteller werden als Hauptspeisen serviert, dazu gibt es Injera, ein Fladenbrot, sehr typisch für die Landesküche der Äthiopier. Zudem können die Gäste im Restaurant in der Dachauer Straße auch die typisch äthiopischen Kaffee-Zeremonien erleben – diese finden im Ursprungsland des Heißgetränks traditionell mehrmals täglich statt.


Dachauer Straße 189: Zinnfiguren und Dampfmaschinen

Alt oder gar antik sind die Spielzeuge im "Art of Toys".  Foto: Lennart Hegemann

Das neueste Spielzeug aus der TV-Werbung findet man meist in großen Kaufhäusern in der Stadt oder vom Sofa aus direkt im Internet. Im Spielzeugladen "Art of Toys" gibt es diesen neuesten Schrei nicht. Dafür findet man hier Zinnfiguren oder Dampfmaschinen. Spielzeug aus der ehemaligen DDR oder aus der Zeit der Weltkriege. Wer selbst noch Antiquitäten oder Spielzeug aus vergangenen Zeiten zu Hause hat, kann sie an diesem Ort zum Kauf anbieten.


Leonrodplatz 2: Urlaubsgefühl inmitten der Stadt

Ein Anblick, wie man ihn sonst nur aus dem Urlaub am Mittelmeer kennt. Der Stand selbst sieht improvisiert aus, das Obst und Gemüse sehr frisch. Wenn man davor steht, duftet es schon nach allem, was dort so auf den Paletten liegt, und im Hintergrund hört man zwei Männer, die sich miteinander auf griechisch unterhalten. Eben wie im Urlaub.


Leonrodplatz 2: Tanzsport an der Stange

"Munich Poledance"-Geschäftsführerin Alexandra Hempel. Foto: Lennart Hegemann

Das Unternehmen "Munich Poledance" wurde Ende 2009 gegründet und befindet sich seit nunmehr drei Jahren am Leonrodplatz. Geschäftsführerin Alexandra Hempel tanzt seit ihrer Jugend und war lange auf der Suche nach dem für sie richtigen Tanzsport. Glücklich wurde sie erst an der Stange, wie sie selbst sagt.

Für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer (ja, auch Männer tanzen am Leonrodplatz gerne an der Pole) ist es ein leidenschaftliches Hobby. Die Begeisterung der Männer für die Sportart ist sogar so groß, dass Alexandra Hempel schon "Menclasses", also Kurse ausschließlich für Männer, angeboten hat.

Die Liebe zum Tanzsport und das Ziel der körperlichen Fitness und Gesundheit eint die Tänzerinnen und Tänzer. Altersstruktur, Beruf, Geschlecht und Nationalität der Kunden sei daher irrelevant und abwechslungsreich, so die Geschäftsführerin.
Gedanken an das Rotlichtmilieu sind verbreitet, aber fehl am Platz – der Unterschied zwischen Pole- und Tabledance hat sich offensichtlich noch nicht weit genug herumgesprochen. Die Akzeptanz fürs Tanzen an der Stange steige aber mit zunehmender Bekanntheit, berichtet Hempel.

Die Humboldtstraße: Hier geht's zum ersten Teil der Serie

Die Schützenstraße: Hier geht's zum zweiten Teil der Serie

 

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