AZ-Serie "Nah am Himmel" Hochhaus-Visionen: So hätte München heute auch aussehen können

, aktualisiert am 30.11.2019 - 10:38 Uhr
Postkarte aus dem Archiv von Karl Valentin (um 1930): Der Münchner Humorist hat mit Begeisterung Bilder seiner Heimatstadt gehortet. Die architektonischen Veränderungen sind ihm dabei nicht ganz geheuer. So sagt er etwa über das neue Hochhaus in der Blumenstraße, das heutige Planungsreferat: "Leider hat der Fortschritt, der ja nicht aufzuhalten ist, geradlinige oder viereckige Häuserkolosse mitten in die Stadt gestellt, sogar einen Wolkenkratzer, es beginnt also schon zu neuyorkeln." Foto: Stadtarchiv München

München, eine Wolkenkratzer-Stadt! So hätte es auch kommen können. Die AZ wirft zum Abschluss der Hochhaus-Serie einen Blick zurück auf unglaubliche Visionen.

 

München - Die Frauenkirche – zwei Türmchen, die fast verschwinden unter den mächtigen Bauten außen herum. Was wäre heute los in der Stadt, sollte jemand fordern, was um 1930 eine Vision für München war.

Karl Valentin: "Es beginnt schon zu neuyorkeln"

Humorist Karl Valentin fand es schon damals wenig witzig. In seinem Archiv finden sich kuriose Zukunftsvision für eine Stadt mit Wolkenkratzern – wie das große Foto auf dieser Seite. Es beginne schon zu "neuyorkeln", vermerkte Valentin. Und tatsächlich: Die Bilder, die heute im Stadtarchiv schlummern, erinnern nur ganz am Rande an das sehr niedrige München, das wir heute kennen.

Dabei hätte es immer wieder auch ganz anders kommen können, mit der Gestalt der Münchner Innenstadt. Man betrachte nur die größenwahnsinnigen Visionen der Nazis, von Adolf Hitler persönlich und Adolf Speer. Sie wollten etwa einen riesigen neuen Hauptbahnhof bauen. Nahe der Friedenheimer Brücke sollte er unter einer 141 Meter hohen, aus der Schalterhalle herauswachsenden, mit Aluminium bedeckten Kuppel entstehen. Dazu kam es nicht.

Werden in München wieder mehr Hochhäuser gebaut?

Und nach 1945 baute München mit wenigen Ausnahmen – etwa dem Olympiapark – meist vorsichtig. Nun könnte wieder Bewegung reinkommen in die Diskussion. Wie berichtet, könnten einigermaßen zentral wieder höhere Häuser gebaut werden. Mit einer New-Yorkisierung, wie sie Valentin fürchtete, hat das freilich wenig zu tun. Die Frauenkirche werden die Münchner weiter nicht mühsam suchen müssen.

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