AZ-Serie "Mein neuer Alltag" Münchner Aktivistin: "Durch die Krise haben wir mehr Gesprächsbedarf"

Sabine Hacker (52) am Candidplatz. Foto: Daniel von Loeper

AZ-Serie "Mein neuer Alltag": Aktivistin Sabine Hacker erzählt, wie sich in Zeiten von Corona gerade die Adipositas-Selbsthilfe verändern muss.

 

München - Vor eineinhalb Jahren habe ich eine Selbsthilfegruppe für Menschen gegründet, die von Adipositas betroffen sind, die "Adipositas SHG Altperlach". Die meisten von uns haben sich den Magen verkleinern lassen oder die Magenverkleinerung noch vor sich. Dieser Eingriff ist lebensverändernd und man muss die Ernährung umstellen und mehr Sport machen.

Hacker: "Wer adipös ist, will Sport ohne fremde Blicke machen"

Ich habe das selbst vor fünf Jahren machen lassen und seitdem 120 Kilo abgenommen. So weiß ich aus eigener Erfahrung, dass nach einer euphorischen Phase von eineinhalb Jahren, in denen man von allein abnimmt, eine Phase folgt, in der man um jedes Kilo kämpfen muss. Jetzt in der Coronazeit sitze ich wie fast alle Menschen viel zu Hause und bewege mich wenig. Und der Kühlschrank schreit verdammt laut.

Eigentlich arbeiten wir eng mit dem gemeinnützigen Verein Adipositas Bavaria zusammen und machen bei deren Sportprogramm mit: montags Yoga, dienstags Schwimmen, mittwochs XXL-Zumba und KKK-Workout (Kraft-Koordination-Kondition), freitags Pilates und sonntags Box-Workout. Wer adipös ist, will Sport ohne fremde Blicke machen. Deshalb ziehen wir jetzt über Videochats unser Programm weiter durch – außer das Schwimmen.

Hacker: "Wenn getanzt wird, verschwinde ich unauffällig"

Mein Mann sucht passende Workouts raus, und dann sporteln wir eine Stunde gemeinsam vor dem Bildschirm. Zwischen zehn und 25 Teilnehmer haben diese Sportprogramme. Normal ist's ja so, dass sich 25 anmelden und acht kommen. Klar schau ich dann mal, was die anderen machen. Das motiviert auch. Wenn getanzt wird, verschwinde ich unauffällig so hinter dem Wohnzimmerschrank, dass mich die anderen nicht sehen. Tanzen kann ich nicht besonders gut.

Danach verquatschen wir uns manchmal noch Stunden. Das Besondere an der Selbsthilfe ist ja, dass man sich nicht erklären muss, dass wir alle ähnliches erlebt haben. Durch die Krise haben wir alle mehr Gesprächsbedarf. Deshalb gibt es statt unserer monatlichen Treffen jetzt wöchentliche Gesprächskreise, in denen wir uns austauschen. So haben wir in der Krise Möglichkeiten gefunden, miteinander zu sprechen, zu sporteln – und Muskelkater zu haben.


Sie haben ein Problem? Selbsthilfegruppen finden Sie über das Selbsthilfezentrum. Die Beratungsstelle ist zu folgenden Zeiten telefonisch erreichbar: Montag und Donnerstag: 14 Uhr bis 18 Uhr, Dienstag und Mittwoch: 10 Uhr bis 13 Uhr, Telefon 089/532956-11.

 

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